Schermberg Nordwand: Schlossgespenst und Direkter Nordgrat (5)


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 30. Juli 2015 um 15:36.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Totes Gebirge
Tour Datum:16 Juli 2015
Klettern Schwierigkeit: V (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   A-OÖ 
Zeitbedarf: 14:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m

Mit 1400 Metern Wandhöhe ist die Nordwand des Schermberges ganz vorne in der Rangliste der höchsten Wände der Ostalpen. Nur der Watzmann und der Triglav bieten höhere Wände. Doch das Schlossgespenst und der Direkte Nordgrat spielen in einer eigenen Liga. Denn die Wand ist deutlich steiler als ihre beiden höheren Nachbarn und zudem ist die Route deutlich schwieriger. Zwar gibt es in der Schermberg Nordwand auch leichtere Anstiege (Linzer Weg, Welser Weg), die enorme Steinschlaggefahr schreckt aber viele Aspiranten ab!
Das Schlossgespenst und der Direkte Nordgrat sind in ihrem aktuellen Zustand recht neu, erst 1999 wurden sie erstbegangen. Die Erstbegeher haben mit der Route auch einen neuen Weg zur Erschließung hoher Wände gefunden: Die Stände sind mit Klebehaken ausgestattet, dazwischen stecken an schweren Stellen vereinzelte Zwischenhaken. Zur leichteren Wegfindung ist die Route mit roten Punkten markiert, diese sind allerdings mittleiweile stark verblichen und daher nur mehr teilweise sichtbar. Dennoch ist die Route eigentlich sehr gut zu finden. Auch die diversen Abbruchmöglichkeiten können bei Schlechtwetter sehr hilfreich sein.
Über weiteste Strecken ist der Fels sehr kompakt und wunderschön, nur die Schuppenrisse und der Pfeiler nach der 2. Terasse (4 SL) sind sehr brüchig, Steinschlag ist kaum vermeidbar! Der obere Teil (ab der 2. Terasse) ist tendenziell brüchiger als der untere!
Die Absicherung erfolgt großteils selbst, nur an schweren Stellen steckt ein BH, dazwischen kann man aber perfekt mit Friends (4 Stück sinnvoll) arbeiten. Keile haben wir nicht verwendet!
Aber Achtung: Nur wirklich schnelle Kletterer schaffen die 42 Seillängen an einem Tag, ansonsten muss ein Biwak eingeplant werden! In der Wand gibt es kein Wasser, es sollte also genug dabei sein!
Tipp: Die Wand kann sehr gut mittels Fernglas vom Almtalerhaus erkundet werden!

Eine Top-Tour in den Ostalpen und ein Muss im Tourenbuch eines Alpinkletterers!

ZUSTIEG: Vom Almtaler Haus folgt man dem Wanderweg (Forstweg) sehr flach in die Hetzau. Etwa 400m vor der Talstation der Materialseilbahn bleibt man kurz nach einer Brücke rechts am Forstweg, während der Wanderweg gerade hinauf eine Kehre abkürzt. In der Kehre über das Bachbett und jenseits weiter am Forstweg bis dieser wieder auf ein Bachbett trifft (P. 930m). Hier nun durch das Bachbett aufwärts, oben rechtshaltend in die markante Schlucht. Nun am rechten Teil der Schlucht aufwärts in einen feuchten, dunklen Winkel. Ab hier beginnt die rote Punktmarkierung.
Aus dem Winkel links über leichten Fels (II) hinauf, durch das Bachbett und links über einen Wiesenrücken unter die eigentliche Wand. Auf einem schmalen (sehr ausgesetzten) Band nach rechts zum E bei einer sehr kleinen Tafel und BH (knapp unter dem Band). (2h)

ROUTE: Der Einstieg ist ein kleiner, kurzer Aufschwung (BH sichtbar), dann folgt eine schöne Platte. Es folgen nun kompakte Seillängen nach rechts, zuletzt über den überraschenderweise zeimlich exponierten Rüsselquergang. Über die Nase in gutem Gestein aufwärts, eine weitere (brüchige) Querung leitet zu den Schuppenrissen. Hier ist vor allem vom Sicherer größte Vorsicht geboten, der Vorsteiger wird hier unweigerlich Steinschlag auslösen.
Dann geht es über Bänder (auf Punkte achten) zum Gespensterbiwak (sehr sehr klein) und leicht abwärts zum Wandbuch.
Nun über wunderschöne Längen (die besten der Tour) in bestem Fels auf den ersten Turm (erste große Terasse, perfekter Biwakplatz).
Auch der Weiterweg auf den 2. Turm (zur 2. großen Terasse) ist schön und geht sehr schnell vor sich!
Nach der 2. Terassse (guter Biwakplatz) folgen einige sehr brüchige und schlecht markierte Seillängen. Man hält sich anfangs knapp rechts vom Grat, dann direkt am Grat. Der Zickzack-Pfeiler weist ebenfalls brüchiges Gestein auf und ist mit Vorsicht zu genießen.
Dann wird der Fels aber wieder besser und schon bald hat man den Stand ober dem angelehnten Türmchen erreicht. Hier kann man nun rechts über Blockgelände bereits zu Fuß aufsteigen, die letzte Seillänge ist wegen ihrem Tiefblick und der guten Absicherung aber noch sehr lohnend!

Wir haben durchgehend gesichert und haben etwa 8h Kletterzeit und eine Stunde Pause benötigt!

ABSTIEG: Vom Ausstieg in Kürze nach links zum Wanderweg. Ein kurzer Abstecher führt zum Gipfel. Über den Wanderweg ziemlich langwierig zur Welserhütte. Von hier nun immer in der Sonne sehr steil hinab zum Wandfuß und weiter wie Aufstieg. (4h gemütlich inkl. Einkehr)

SCHWIRIGKEIT: 5 (5- obl). An schweren Stellen steckt meist eine taktisch guter BH!

ABSICHERUNG: +/++++: Stände mit einem großen oder zwei kleinen Klebehaken. In schweren Längen ein bis zwei Klebehaken, sonst nichts!

MIT WAR: Tanja

WETTER: Sonnig, sehr warm

Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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 26397.gpx Track von Zu- und Abstieg

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