Piz Buin, 3312m


Publiziert von Linard03 Pro , 31. Juli 2015 um 06:57.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum:26 Juli 2015
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Buin-Gruppe   CH-GR   A   A-V 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1860 m
Abstieg: 1563 m
Strecke:Guarda - Tuoihütte - Plan Rai - Fuorcla dal Cunfin - Piz Buin - Fuorcla dal Cunfin - Silvrettapass - Silvrettahütte - Alp Sardasca
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Guarda cumün
Zufahrt zum Ankunftspunkt:per Alpentaxi zur Alp Sardasca

Der Piz Buin stand schon lange auf der Wunschliste – einige Versuche mit dem SAC schlugen fehl (1x Gewitter, 1x zuviel Niederschlag, 1x zuviel Schnee, etc. …). Letztes Jahr wollte ich einen erneuten Versuch mit meinem Sohn wagen, aber wiederum machte uns das unbeständige Wetter einen Strich durch die Rechnung. Dieses Jahr sollte es jedoch klappen; erst noch bei besten Verhältnissen.
 
Theoretisch wäre dies eine Tour, welche ich selbst hätte führen können. Aber die Gletscherverhältnisse in dieser Region waren mir gänzlich unvertraut und irgendwie fehlte mir der „Mumm“ … So schlossen wir uns einer geführten Gruppe an. Im Gegensatz zu den anderen hatten wir zumindest das Privileg, in nur 1 Stunde am vereinbarten Treffpunkt in Guarda zu sein … ;-)
 
Hüttenzustieg
 
In Guarda angekommen begrüssten wir uns gegenseitig und zogen nach der obligatorischen Materialfrage gleich los. Unseren Unterwalliser BF mussten wir erst mal aufklären, wer denn dieser ominöse Schellenursli sei … ;-))) In gemütlichem Tempo stiegen wir auf dem Fahrweg auf, wobei der BF nicht ganz verstand, weshalb hier kein Alpentaxi verkehrt … Dunkle Regenwolken hingen bedrohlich über uns, aber es blieb (vorerst) trocken.
 
Während einer kurzen Rast erklärten wir dem BF die Berge auf der gegenüberliegenden Talseite (Piz Nuna & Co.); er war ja schliesslich das erste Mal in dieser Region unterwegs … Kurz vor Erreichen der Tuoihütte spürten wir dann doch noch ein paar Regentropfen; weiter war jedoch nichts. Wir richteten uns gemütlich ein und genossen danach Kaffee & Kuchen auf der Sonnenterrasse, bevor wir dann aufgrund des stark aufkommenden Windes in die gemütlichere Stube hinein umziehen mussten.
 
Der Nachmittag verging wie im Flug mit Lesen, Siesta, etc. Erstaunlicherweise (für ein Wochenende) waren lediglich 20 Gäste anwesend. Zudem waren wir offensichtlich die einzigen Buin-Aspiranten. Wir genossen den Abend in der heimeligen Hütte trotzdem und im Schlafgemach konnten wir uns so richtig ausbreiten …
 
Der BF wollte am anderen Morgen um 5 Uhr starten, somit hätte eigentlich das Frühstück um 4.30 Uhr gereicht. Aber zwei Teilnehmer intervenierten; sie bräuchten mehr Zeit für das Morgen-Ritual, sodass wir die Weckzeit für (ziemlich unchristliche) 03.50 Uhr vereinbarten.
 
Gipfeltag
 
Start also um 5 Uhr morgens im Schein der Stirnlampen. Obwohl die Richtung des Aufstieges mehr oder weniger klar war – ich hätte Mühe gehabt, den Weg zu finden … Unser BF stieg jedoch zielstrebig und ohne Verhauer bergan, obwohl er von anderen noch falsche Informationen erhalten hatte …
 
Nach ca. 1 Std. die erste Rast bei Cronsel (P.2674m), wo wir den fantastischen Sonnenaufgang erleben durften. Den BF reizte natürlich der schnelle Aufstieg durch das Südcouloir („mit 1 Gast hätte ich das gemacht“), aber das Steinschlag-Risiko ist hier einfach zu gross.
Weiter durch den Geröllkessel, den Gletscher Plan Rai umgehend, über Felsen und wieder hinunter auf den Gletscher „La Cudera“. Der offizielle Übergang auf den Ochsengletscher ist die Fuorcla dal Cunfin. Wenn die Verhältnisse passen, kann man jedoch auch das steile Schneefeld etwas rechts von dieser Fuorcla aufsteigen.
 
Genau dies machten wir dann auch. Steigeisen an und los geht’s! Sehr steil aber auf gut griffigem Schnee stiegen wir auf. Danach gings noch ein paar Meter über Felsen, dann standen wir auch schon auf dem höchsten Punkt dieses Überganges. Und nun eröffnete sich uns auch erstmals der Blick auf unser Tagesziel von der Nordseite her, zudem natürlich auch auf den Ochsengletscher, welchen wir nun betraten.
 
Während wir auf die Fuorcla Buin zusteuerten, beobachteten wir mehrere Seilschaften, welche von der österreichischen Seite aufstiegen. Von der Schweizer Seite waren wir heute die einzige Seilschaft … Gleichzeitig mit 3 anderen Seilschaften erreichten wir den Einstieg. Während sich die anderen noch seiltechnisch vorbereiteten, mussten wir lediglich die Steigeisen ausziehen und konnten gleich loslegen – sicher nicht nachteilig in Bezug auf Steinschlag …
 
Der unterste Teil ist geprägt durch viel loses Geröll und Schutt. Mit zunehmendem Aufstieg bessert dies jedoch. Die sog. Schlüsselstelle ist nicht besonders schwierig, jedoch sehr bröselig. Wenn also andere Leute nachsteigen oder vorsteigen (was hier wohl fast immer der Fall ist …), ist das eher unangenehm. Wir meisterten die Passage jedoch ohne Steinwurf und gelangten sofort wieder ins Geh-Gelände. Kurze Zeit später erreichten wir den Gipfel des Piz Buin (3312m).
 
Herrlich, dieses 360°-Panorama! Die vielen (wetter-technischen) Fehlversuche wurden heute mehr als kompensiert! Um einer grösseren, nachfolgenden Seilschaft Platz zu machen, wichen wir ein paar Meter abwärts aus und genossen die Rast auf einer zwar exponierten, jedoch einsamen Stelle, während wir das Gipfel-Gewusel beobachten konnten …
 
Nachdem die grössere Gruppe weg war, machten auch wir noch ein paar Gipfelfotos und stiegen dann ebenfalls wieder ab. Die Schlüsselstelle im Abstieg behagte unserem BF gar nicht, weshalb wir das Kamin abkletterten. Hier war der Fels fest und griffig, sicher viel angenehmer. Zeitlich war’s bestimmt keine Einsparnis, denn bis alle Teilnehmer abgeklettert waren, dauerte es auch eine Weile. Aber auf die Zeit kam es hier auch gar nicht an, sondern um sicheres Abklettern.
 
Ohne Probleme erreichten wir so wieder den Gletscher. Mittlerweile befanden sich am Einstieg um die 50 (!) Personen, weshalb wir unverzüglich unsere Steigeisen anzogen und gleich wieder losmarschierten … Nach dem Abzweiger zur Fuorcla dal Cunfin waren wir sofort wieder alleine unterwegs. Wieder das steile Schneefeld hinab zum Gletscher „La Cudera“ auf ca. 2900m, wo wir nochmals rasteten.
 
Danach folgte noch ein letzter Aufstieg, derjenige zum Silvrettapass (2991m), welcher uns auf den Silvrettagletscher brachte. Der Gletschermarsch zog sich etwas in die Länge; das Panorama liess einem den teilweise mühsamen „Gwaggel“ vergessen. Nicht zu unterschätzen sind auch die Spalten, einbrechende Schneebrücken, etc.!
 
Bei P.2499 erreichten wir den Ausstieg. Auf dem Wanderweg ging’s nun weiter bis zur Silvrettahütte (2341m), wo wir nochmals ausgiebig rasteten, Kuchen & andere Leckereien genossen ;-). Zum „Dessert“ folgte noch der Weg hinunter bis zur Alp Sardasca (1646m). Dieser Talabstieg wollte irgendwie nicht enden, auch wenn wir letztlich nur 1 Stunde dafür benötigten …
 
Während wir auf das Alpentaxi warteten, offerierte uns der äusserst sympathische und humorvolle BF noch ein Bier & Zvieriplättli – nochmals herzlichen Dank! Ausser uns warteten noch andere Leute, sodass schliesslich zwei Taxis erforderlich waren, um alle nach Klosters hinunter zu bringen. Während die anderen Teilnehmer ins „Unterland“ fuhren, durften wir durchs Tunnel wieder zu unserem Feriendomizil ins Engadin fahren ;-)).
 
Eine gut harmonierende Gruppe ohne Misstöne: Hannah, Eric & Thomas – es hat grossen Spass gemacht mit Euch! Und nicht zuletzt auch nochmal ein Dankeschön an Olivier, der uns routiniert geführt hat und uns ein humorvoller Begleiter war!
 
Fazit:
Ein Aussichtsberg der Superlative! Eine klassische, sehr schöne Hochtour, welche eigentlich in keinem Tourenbuch fehlen darf … ;-) Nachteilig an solchen Bergen sind natürlich die vielen Berggänger. Dem kann man jedoch ausweichen, indem man entweder unter der Woche unterwegs ist oder dann eben sehr früh startet.

Zeiten (inkl. Pausen):
  • Guarda - Tuoihütte: ca. 2 Std.
  • Tuoihütte – Piz Buin: ca. 4 ¼ Std.
  • Piz Buin – Silvrettahütte: ca. 3 ¾ Std.
  • Silvrettahütte – Alp Sardasca: 1 Std.
 
Distanz am 2. Tag: 14.8 km
 
Tour mit Andri

Tourengänger: Linard03


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Geodaten
 26317.gpx Piz Buin

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Kommentare (4)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 31. Juli 2015 um 08:02
Gratulation, Richard, zu dieser attraktiven Überschreitung!

lg Felix

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 31. Juli 2015 um 16:25
Danke, Felix!
LG, Richard

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. August 2015 um 15:02
Hi Richard,

Toll jetzt warst du auch auf dem Buin! Ich war schon zweimal dort, zuerst mit meinem Vater als ich etwa 13 Jahre alt war und dann später noch einmal alleine im Winter mit Ski.

Gruss, Andi

Linard03 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. August 2015 um 15:38
Hi Andi,

da hast Du aber schon früh angefangen ... ;-)
Der Piz Buin ist auf jeden Fall lohnenswert - und deshalb wird dieser tolle Aussichtsberg natürlich auch sehr oft besucht ...

Gruss,
Richard


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