Piz Arblatsch Dafora 3070 m - Eine Felsburg auf einem zertrümmerten Grat


Publiziert von Ivo66 Pro , 26. Juli 2015 um 18:34.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:26 Juli 2015
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Strecke:Parkplatz P. 1803 m (Salva da Lattas) - Alp Tscharnoz - Plang Bleis - Gravas digl Pizzet - Fuorcla da Spegnas - P. 3070 m (Piz Arblatsch Dafora)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Savognin kann man - an der Kirche Son Martegn vorbei - auf einem Forststrässchen bis zu P. 1803 m mit dem PW hochfahren. Teilweise ausgeschildert Richtung Alp Tscharnoz. Natursträsschen, aber sehr gut befahrbar.
Kartennummer:1:25'000 Savognin und Bivio

Der Piz Arblatsch Dafora, also der "Vordere Piz Arblatsch" trohnt als kleine Felsbastion auf dem stark zertrümmerten Ostgrat des grossen Bruders, dem Piz Arblatsch, welcher wiederum mit einem langen Grat mit dem markanten Piz Forbesch verbunden ist und innerhalb des Oberhalbsteins eine eigene Bergkette bildet. Während der Piz Arblatsch pro Jahr zwei bis drei Besuche von Berggängern erhält, dürfte die Frequenz des Piz Arblatsch Dafora noch tiefer liegen, da er als eigenständiges Gipfelziel kaum aufgesucht werden dürfte und die Fortsetzung über den Ostgrat eine in heutiger Zeit kaum mehr unternommene Bergfahrt ist.

So ist es auch naheliegend, dass der Piz Arlbatsch Dafora heute seine wohlverdiente hikr-Premiere erlebte. Er bietet nebst einem anspruchsvollen Zustieg eine schöne Aussicht  über das Oberhalbstein und ins Engadin. Der grosse Piz Arblatsch verwehrt im freilich den Weitblick nach Westen, aber es ist dennoch sehr eindrucksvoll, auf einem derart einsamen Gipfel in wilder Umgebung stehen zu dürfen. Wanderwege sind weit und breit keine zu finden, was bedeutet, dass etwa 90 % der ganzen Tour in weglosem, zum Teil sehr ruppigen und auch heiklen Gelände zurückzulegen sind. Hier auf andere Menschen zu treffen, kann demzufolge praktisch ausgeschlossen werden.

Eine herbstliche Stimmung mit kühler Luft und Nebelschwaden an den Bergen empfing uns zu Beginn des Aufstiegs. Nach kurzem Einstieg auf einem wenig begangenen Bergwanderweg hoch oberhalb von Tinizong traten wir bald in die Wildnis des riesigen Trichters unterhalb des Piz Arblatsch ein. Zahlreiche Gämsen besiedeln das unzugängliche Gebiet und auch die Murmeltiere zeigten sich erstaunt über den seltenen menschlichen Besuch heute.

Der Blick hinauf zum Ostgrat des Piz Arblatsch ist furchterregend -  da sollen wir heute hochsteigen? Nach einem kurzen Kräftesammeln auf der Fuorcla da Spegnas wurde der Aufstieg zunehmend anspruchsvoller. Während im unteren Teil riesige Schutthalden das Forwärtskommen erschweren, wird im zweiten Abschnitt in Gratnähe das Gelände sehr steil und oft auch heikel - wir nutzten zahlreiche schmale, ausgesetzte Schrofenbänder für den Aufstieg. Gut 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels waren wir nahe am Aufgeben, bis Lena doch noch ein schuttiges Bändchen entdeckte, welches dank guter Felsen am Rande ein Weiterkommen ermöglichen sollte. Man sollte bei einem solchen Unternehmen auch immer bedenken, dass man anschliessend auch wieder heil vom Berg runterkommen will, was wir stets berücksichtigten.

Bald standen wir am Gipfelkopf, wo wir die Rucksäcke deponierten, denn jetzt richteten sich die Felswände fast senkrecht auf. Wir fanden in der Südostflanke schliesslich eine kaminartige Rinne, welche in anregender Kletterei (II) mit wenigen, dafür aber recht guten Tritten und Griffen zum Gipfel führte.

Was für ein unnahbarer und abweisender Anblick bietet von hier aus der Piz Arblatsch, welcher nur etwa 300 m von unserem Gipfelziel entfernt ist. Kaum zu glauben, dass hier im Jahre 1893 (!) erstmals die Fortsetzung des Grats erfolgreich bewältigt wurde. Nur schon der Abstieg in die nächste Scharte sieht alles andere als einladend aus.

Vorsichtig stiegen wir auf etwa gleicher Route wieder ab und konnten uns - wie immer bei solchen Unternehmen - erst im wieder sicheren Gelände über den Gipfelerfolg freuen. Und es stand ausserdem noch der mühsame Abstieg von der Fuorcla da Spegnas zur Alp Tarvisch vor uns.

Routenbeschreibung:

Parkplatz P. 1803 m (Salva da Lattas) - Fuorcla da Spegnas (T3+)

Man folgt dem markierten Bergweg Richtung Alp Tscharnoz bis zu den Alphütten. Dort folgt man dem Weg absteigend noch weiter, bis bei P. 1944 m sich ein nicht markierter Weg in gleicher Richtung fortsetzt (der Wanderweg hinunter nach Rona steigt hier weiter ab (Markierungspfosten). Man folgt nun dem erwähnten Weg, der im unteren Teil sehr gut ausgebaut ist. Weiter oben verlieren sich die Pfadspuren allmählich und man steigt weiter in weglosem Gelände hoch. Die Fuorcla da Spegnas ist von unten gut zu sehen; man ist in der weiteren Routenwahl ziemlich frei und hat oft die Wahl zwischen Gras, Schutt und Geröll.

Fuorcla da Spegnas - Piz Arblatsch Dafora (P. 3070 m) T5

Man steigt auf teilweise steilen Schutthängen in westlicher Richtung hoch, vorbei an P. 2796 m. Wir umgingen einige zerhackte Aufschwünge südseitig auf steiler werdendem Schutt. Es ist ein gewisses Gespür für die beste Routenfindung erforderlich - es finden sich immer wieder geeignete Möglichkeiten weiterhochzukommen.

Im oberen Teil wird der Grat sehr ausgesetzt und schien uns aufgrund der glatten Platten wenig geeignet für eine direkte Begehung. Wir umgingen diese Stelle in der hier sehr steilen Südostflanke auf schmalen Schrofenbändern, welche aber mit sehr viel feinem Schutt beladen sind. Bald kehrten wir auf den Grat zurück, wo man nach einer einfachen Kletterstelle (I) vor dem Gipfelaufbau steht.

Den Gipfelaufbau umgingen wir zunächst südostseitig, wo wir bald auf eine kaminartige Rinne trafen durch die wir zum Gipfel hochkletterten. Die Rinne bietet wenige, kleine aber recht gute Tritte und Griffe (II). Ein grosser Gipfelsteinmann krönt den Piz Arblatsch Dafora. 

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (2)


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georgb Pro hat gesagt: Zauberhaft
Gesendet am 27. Juli 2015 um 10:12
Wenns mich irgendwann mal aus dem Pustertal wegzieht, dann weiß ich schon wohin ;-)
Saluti Georg

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Zauberhaft
Gesendet am 27. Juli 2015 um 18:29
Es ist schon unglaublich, was diese Gegend alles zu bieten hat. Ein ganzes Leben genügt kaum, jede Ecke zu besuchen;-)

Herzliche Grüsse
Ivo


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