Kesch-Trek inkl. Flüela Schwarzhorn (3146m)


Publiziert von Mel , 24. Juli 2015 um 20:43.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum:13 Juli 2015
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 4 Tage
Strecke:Flüelapass - Schwarzhorn - Fuorcla Radönt - Cna. Grialetsch - Scalettapass - Lai da Ravais - Keschhütte - Fuorcla Pischa - Cna. d'Es-cha - Zuoz (ca. 50 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Flüela, Ospiz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Zuoz
Unterkunftmöglichkeiten:Flüela Hospiz - Grialetsch Hütte SAC - Kesch-Hütte SAC - Es-cha Hütte SAC
Kartennummer:1217 / 1237

Abgelegene Täler, gut genährte Murmeltiere, sympathische SAC-Hütten und mittendrin der markante Piz Kesch: während vier Tagen führt der Kesch-Trek durch die wunderschöne Gebirgslandschaft vom Flüela- zum Albulapass und bietet dabei ein abwechslungsreiches und – dafür, dass bereits Ferienzeit ist – erstaunlich einsames Wandererlebnis. Als Zückerchen wartet mit dem Schwarzhorn auch für Gipfelstürmer ein lohnendes Ziel in beachtlicher Höhe.
 
 
Zum Aufwärmen ein 3000er
 
Die Anreise aus dem Berner Oberland zieht sich. Wir gönnen uns deshalb eine Übernachtung im Hospiz auf dem Flüelapass und können so am nächsten Morgen zeitig losmarschieren. Auch wenn sich das Wetter heute eher noch grau in grau präsentiert, wollen wir mit einem kleinen Umweg das Flüela Schwarzhorn besteigen. Nach einem kurzen Stück entlang der Passstrasse steuern wir also bei der ersten Weggabelung die Schwarzhornfurgga an. Bald schon finden wir uns in einer wunderschönen Landschaft wieder, geprägt von Alpenblumen, schroffen Felsen und Restschneefeldern. Gemächlich führt der Wanderweg immer höher, bis wir nach rund zwei Stunden die Furgga erreichen. Dort deponieren wir unsere Rucksäcke, um die verbleibenden 300 Höhenmeter etwas leichtfüssiger zu erklimmen.
 
Bis zu oberst bietet das Schwarzhorn keine besonderen Schwierigkeiten – ein richtig schöner, gemütlicher Wander-3000er! Einzig mit ein paar Schneefeldern muss man um diese Jahreszeit noch rechnen, sie sind aber alle gut gespurt und problemlos passierbar. Beim Gipfelkreuz angelangt, wartet eigentlich ein tolles Panorama. Nur heute ist leider nichts zu wollen: die Wolken umzingeln uns hartnäckig. Da wir noch ein paar Kilometer vor uns haben, ist unsere Geduld entsprechend beschränkt, weshalb wir uns halt langsam wieder an den Abstieg machen. Unterwegs treffen wir einen neugierigen, jungen Steinbock – es sollte erstaunlicherweise das einzige Exemplar des Bündner Wappentieres bleiben, das wir auf unserem Trekking antreffen.
 
Wieder mit Gepäck am Rücken steigen wir in das von kleinen Seen geprägte Bödeli ab. Trotz den Wolken ist es ziemlich warm, was auch dem Restschnee zusetzt. Dies wiederum lässt uns vermehrt einsinken und drückt etwas auf unser Tempo. Irgendwann haben wir dann die Einmündung auf den breiteren Wanderweg zur Fuorcla Radönt doch noch erreicht und steigen ab dort wieder etwas flotter zum Pass hoch. Wir bleiben anschliessend auf dem oberen Weg, welcher relativ lange der Höhenkurve folgt und zwei, drei gröbere Geröllfelder quert. Im Nachhinein hätten wir wohl besser nach dem Pass den bequemeren unteren Weg gewählt. Schlussendlich führen aber beide zu unserem ersten Etappenziel, der Chamanna da Grialetsch.
 
Im Reich der Murmeltiere
 
Rund um die Grialetsch-Hütte wimmelt es nur so von beinahe handzahmen Murmeltieren. Man müsse sie zurzeit fast mit dem Besen aus der Hütte vertreiben, meint die Hüttenwartin. Mit steigender Anzahl Besucher, insbesondere solchen mit Hunden, würden sich die Nager dann langsam wieder etwas zurückziehen.
 
Wir ziehen uns nach einer währschaften Portion Spaghetti in unser Schlafgemach zurück, um tags darauf bei Zeiten wieder los zu ziehen. Vorbei an Bergseen und Kuhwiesen steigen wir in den Dürrboden ab und holen uns die vernichteten Höhenmeter beim Aufstieg auf den Scalettapass gleich wieder. Mich freuts, dass entgegen dem Namen keine Treppenstufen zu bewältigen sind – im Gegenteil: wir befinden uns auf einem Weg sowohl für Wanderer als auch für Biker. Trail-Toleranz, die Bündner machens vor, bravo!
 
Abstecher zu den Ravais - Seen
 
Kurz nach dem Pass hat man die Wahl, ins Val Funtauna abzusteigen oder auf einem etwas schmaleren Höhenweg weiter zu ziehen. Wir entscheiden uns für letzteren, auch weil wir noch einen Abstecher zu den Lai da Ravais machen wollen. Dafür muss man etwa 45 Minuten rechnen. Belohnt wird man mit zwei wunderschönen, tief blauen Bergseen, die zum Verweilen einladen. Von Chants aus lassen sich die Seen auch in einer bequemen Rundwanderung via Keschhütte als Tagestour besuchen, weshalb wir hier nun etwas mehr Leute antreffen als auf dem restlichen Trek.
 
Runter ins Tal oder hoch durch die Tür?
 
Auch die Keschhütte selbst ist gut besucht: von Wanderern und Bergsteiger über Biker, von Einzelgängern über Familien bis zu Grossgruppen ist alles vertreten. Wir haben beim Abendessen einen Fensterplatz mit Sicht zum Piz Kesch und beginnen mit dem alpinen Übergang durch die Porta d’Es-Cha zu liebäugeln. Laut dem Hüttenwart wäre der Aufstieg über den Gletscher dank des guten Trittschnees wohl noch die letzten Tage ohne Steigeisen möglich. So verlockend es auch klingt, ist mir das ganze ohne Ortskenntnisse dann doch etwas zu vage. Lieber zu einem späteren Zeitpunkt die lohnende Hütte noch einmal besuchen und mit der entsprechenden Vorbereitung und Ausrüstung gleich den Piz Kesch in Angriff nehmen!
 
Hitzeschlacht an der Fuorcla Pischa
 
Statt Aufstieg wartet tags darauf also zunächst der Abstieg zur Alp Chants auf uns. Ich ahne schon, dass heute einige Schweissperlen fliessen werden – die Temperaturen sind bereits am frühen Morgen beängstigend hoch! Auf der ausgedehnten Alp Plazbi scheinen sogar die Kühe bereits verzweifelt in den spärlich vorhandenen Schatten zu flüchten. Unser Weg führt – natürlich ohne Schatten – immer tiefer ins Tal hinein, zunächst schön flach, bis er aber abrupt in die Horizontale wechselt. Steil erklimmen wir, Kuhtritt um Kuhtritt und in unzähligen Serpentinen, den oberen Teil der Alpwiese. Auf rund 2600 Meter ändert sich die Umgebung schlagartig und wir finden uns in einer alpinen Steinwüste wieder. Ich mag solches Gelände und bin froh, können wir durch einige abkühlende Schneefelder stapfen. Man sollte meinen, dass es in dieser doch schon beträchtlichen Höhe langsam etwas kühler wird, aber noch auf der Fuorcla Pischa (2871m) fliesst der Schweiss in Strömen. Dies liegt einerseits sicher am sehr steilen Schlussaufstieg, vor allem aber an der absoluten Windstille und der erbarmungslos auf uns niederglühenden Bergsonne. Unnötig zu erwähnen, dass ich mir auf dieser Etappe noch den Sonnenbrand meines Lebens (trotz LSF 50) geholt habe…
 
Bis zur Chamanna d’Es-cha ist es nicht mehr weit und bald schon können wir uns beim Hüttenbrunnen erfrischen und ein schattiges Plätzchen auf der Terrasse ergattern. Bei einem Käse- und Salsizplättchen geniessen wir die wunderbare Aussicht auf die Berninagruppe und schauen den Gewitterwolken zu, wie sie sich immer höher auftürmen. Für einen Regenguss hat es schlussendlich dann doch nicht gereicht, aber zum Abendessen zügeln wir trotzdem in die heimelige Hüttenstube. Zum krönenden Abschluss unseres Trekkings bekommen wir selbstgemachte, unglaublich leckere Pizzoccheri serviert. Ich habe so viel davon verputzt, dass ich – zum ersten Mal in meiner SAC-Hüttengeschichte – auf das Dessert verzichten muss!
 
Regulär würde der Keschtrek am Albulapass, resp. nach dem Abstieg nach Preda oder Bergün, enden. Da wir aber unseren Graubünden-Aufenthalt noch etwas verlängern, nehmen wir die Direttissima nach Zuoz runter und lassen uns mit der RhB ins nächste Bergabenteuer chauffieren. Viva la Grischa!
 

-> weitere Impressionen auf meinem Blog


Tourengänger: Mel


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Kommentare (6)


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countryboy Pro hat gesagt:
Gesendet am 24. Juli 2015 um 22:03
Beeindruckende Tour, fantastische Bilder ...und - über den hikr.org Tellerrand geschaut - ausgezeichneter Blog. Gratulation :-)

Mel hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Juli 2015 um 22:10
Danke schön :-)

MaeNi hat gesagt:
Gesendet am 25. Juli 2015 um 10:41
Toll, einfach nur toll! Bericht wie Bilder!

LG

Felix Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Juli 2015 um 12:30
ich schliesse mich MaeNis an!

lg Felix

passiun_ch hat gesagt: Gratuliere
Gesendet am 27. Juli 2015 um 22:27
... eine wunderschöne Tour und mit diesen Bildern grandios eingefangen, fast jedes musste ich einen Stern geben :-)

Der Kesch-Trek ging mir vor ein paar Wohen auch mal durch den Kopf, vielleicht ja im Herbst mal schauen
LG Michael

Mel hat gesagt: RE:Gratuliere
Gesendet am 28. Juli 2015 um 13:11
Hallo Michael
Vielen Dank für das Lob und die Sterne! Ich kann den Trek wirklich nur empfehlen und im Herbst stelle ichs mir besonders schön vor :-)
LG
Mel


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