Göscheneralp - Bergseehütte - Chelenalphütte -Chelenalptal


Publiziert von lynx Pro , 13. Juli 2015 um 14:40.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:10 Juli 2015
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:Göscheneralp - Bergseehütte - Chelenalphütte - Chelenalptal - Göscheneralp
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Göschenen mit PW zur Göscheneralp. Hier gibt es genügend Parkplätze. Auch mit ÖV erreichbar.

Von unserer Gegend aus erreicht man die Innerschweizer Alpen mit dem PW in ca. 1 1/2 Stunden. Optimal für Tageswanderungen. Die Gefährtin die uns zwei Rotzflegel - Artus und Lynx - heute begleitet, hegt schon lange den Wunsch einmal mit uns eine moderate Eintagestour mitzumachen. 
Ich überlege am Vorabend der Tour was wohl adäquat wäre für jemanden der keine Bergerfahrung hat und gerne eine Tagestour machen würde. Husch, husch, Pfusch, Pfusch, ist der Entscheid gefällt! Göscheneralp, Bergseehütte, oben durch zur Chelenalphütte, Abstieg ins Chelenalptal und retour zur Göscheneralp. Selber habe ich die Tour noch nie gemacht, kenne aber die Gegend hier. Ich rechne mit sechs bis sieben Stunden. Was ich nicht wusste, war, dass die Strecke tatsächlich zu grossen Teilen in T4 Gelände absolviert wird und daher deutlich mehr Zeit beansprucht als erwartet.
Wir starten am frühen Morgen und es ist klar wir können es gemütlich nehmen, viele Pausen einlegen, denn die Tage sind lang und die Wetterprognose könnte nicht besser sein. Nach ca. sechs Stunden Kraxeln stellen sich bei unserer Gefährtin heftige Krämpfe in den Beinen ein. Pause, Flüssigkeit tanken, Ruhen und weiter gehen. Die Krämpfe kommen bald wieder. Es sind höchstens noch fünfzig Minuten zur Chelenalphütte. Diese Kurze Strecke gestaltet sich unter diesen Umständen ziemlich mühsam und kann von ihr nur noch dank Einsatz von Trekkingstöcken, welche ich glücklicherweise in weiser Voraussicht mitgenommen habe, erbracht werden. Schliesslich kommen wir in der Hütte an. Ich gehe rein um Getränke zu holen. Draussen spielen sich in der Zwischenzeit dramatische Szenen ab. Meine Begleiterin kriegt jetzt auch in den Händen und im Gesicht Krämpfe. Ich kriege von dem allem nichts mit. Ich warte geduldig bis ich in der Küche Panache und Cola kriege. 
Ein Bergführer aus unserer Aarauer Sektion der auch hier ist kriegt das ganze mit und kommt rein um ein magnesium- und calziumhaltiges Pülverchen zu holen. Als ich rauskomme glaube ich zuerst meine Augen lügen mich an. So was hab ich ja noch nie erlebt, geschweige denn gewusst, dass es das in solchem Ausmass geben kann! *schluck* Die Patientin wird medizinisch versorgt. Hüttenwartin und Bergführer empfehlen dringend hier zu bleiben und die restliche Etappe erst am nächsten Tag zu machen. Eine ganz eifrige Alpinisten diagnostiziert einen Hirnschlag und will die REGA beordern. Der Patientin wird das Schlaflager zugeteilt und alle paar Stunden eine Mischung aus Calzium und Magnesium in flüssiger Form verabreicht. Sie erholt sich einigermassen rasch und sitzt dann schon wieder deutlich munterer beim Nachtessen mit Berführer und Obmann, alle aus unserer Gegend, am Tisch. Es wird viel gequasselt. Wer kennt wen, wer hat was schon alles gemacht. Jeder gibt seine strübsten Erfahrungen und Räubergeschichten in den Bergen zum Besten. Als ich von meinen Touren im Ticino Selvaggio erzähle müssen sie passen. Sie sind praktisch nie dort und kennen das Locarnese kaum. ;-)

Also, aus dieser Tagestour wurde nun ungewollt doch noch eine zweitägige Tour. ;-) Für mich war es der erste Besuch und die erste Übernachtung in unserer Sektionshütte und für meine Begleiterin die erste Bergtour in dieser Art und die erste Übernachtung in einer SAC Hütte!

Am nächsten Morgen brechen wir um ca. neun Uhr auf und brauchen für die restliche, problemlos verlaufende Etappe bis zur Göscheneralp drei Stunden.

Man kann die Tour bei guter Kondition natürlich an einem Tag mit einem Zeitaufwand von etwa 10 Stunden absolvieren. 
Der Aufstieg von der Göscheneralp zur Bergseehütte nimmt etwa zwei Stunden in Anspruch. Der Weg von der Bergseehütte zur Chelenalphütte vier bis fünf Stunden. Von der Chelenalphütte zurück zur Göscheneralp durch's Chelenalptal benötigt man nochmals drei Stunden.

Die Tour bietet technisch und geländemässig viel Abwechslung und herrliche Ausblicke auf die Urner Granitriesen und Gletscher. In jedem Fall empfehlenswert! Auch die T4 Strecken sind nie ausgesetzt, so, dass die Tour bei guter Kondition als Genusstour durchgeht. 

Für mich eine besondere Freude, dass meine Begleiterin trotz allem überwiegend Spass an dem Abenteuer hatte, diesen Ausflug in positiver Erinnerung hat und mich demnächst gerne wieder auf einer Tour begleitet.

Gratuliere dir zu deiner bravourösen Premiere in den Bergen! Du bist ein taffes Girl, bin stolz auf dich! :-)

Tourengänger: lynx


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