Le Grand Meringue, aka Combin


Publiziert von danski , 26. Mai 2015 um 23:27.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum:24 Mai 2015
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Cab. FXB Panossière - Gl. de Corbassière - Couloir du Gardien - GC de Valsorey - GC de Grafeneire; Abfahrt via Mur de la Côte - Corridor
Unterkunftmöglichkeiten:Cab. FXB Panossière

Nach zwei nicht ganz so berauschend erfolgreichen Wochenenden habe ich schon beinahe laut über ein Ende dieser Skisaison nachgedacht, doch dann kommt die Rettung in Form eines gigantischen "Meringue"!  So sieht er nämlich ein bisschen aus, der Grand Combin. Zum doch langsam nahenden Ende dieser abermals abwechslungsreichen und intensiven Saison gönnt man sich gerne ein Dessert dieser Dimension!

Der samstagnachmittägliche Start in Fionnay, 1491m lässt noch nichts erahnen von der Präsenz dieses mächtigen Bergmassivs. Schwere Wolken wabern um die Gipfel und kürzlich gefallener Neuschnee verwandelt den Weg in eine glitschig-matschige Angelegenheit. Bald drücken die Schultergurte unangenehm, während wir Höhe gewinnen. Bis Les Plans, 2233m, buckeln wir unsere Ausrüstung auf der sich in Restauration befindlichen Bisse de Corbassière. Endlich geht es müheloser durch immer dichteren Nebel zur Hütte hoch. Die hohe Luftfeuchtigkeit verbunden mit eher milden Temperaturen treibt uns auf den letzten 400HM den Schweiss aus allen Poren. Endlich taucht die elegante Unterkunft unvermittelt aus dem Nebel auf. Die grandiose Bergwelt bleibt uns noch vorenthalten. Nach dem "check-in" beraten wir erst einmal die Lage und entscheiden uns, am Sonntag den Gipfel in Angriff zu nehmen. Alleine werden wir dies nicht tun, denn in der Hütte sind ca. 60 weitere Aspiranten untergebracht, die fast alle ausnahmslos das gleiche Ziel haben werden wie wir. Bald legen wir uns schlafen oder versuchen es zumindest. Die Nacht wird wieder einmal viel zu kurz werden...

24.05.2015, LE JOUR!

02:00 nötigt uns der Wecker zum Aufstehen. Rege Betriebsamkeit herrscht trotz den sehr frühen Morgenstunden. Wir haben heute nicht den Anspruch, die ersten am Berg zu sein und folgen um 03:15 den im dichten Nebel rasch verschwindenden Lichterketten. Es mutet uns allen etwas absurd an, in der Nacht durch stockdichten Nebel zu wandeln. Zeitweise läuft man mehrspurig neben anderen schlaftrunkenen Gestalten. Nur nicht zu viel studieren und einfach die Beine ihre Arbeit verrichten lassen! Endlich durchbrechen wir auf ca. 3000m die Nebeldecke und es erschliesst sich uns endlich das Ziel unseres Tuns. Vor uns baut sich mächtig der Grand Combin auf während im Osten der Himmel schon zaghaft in den Tag hinein dämmert. Es dauert, bis wir das Plateau des Maisons Blanche auf ca. 3300m erreichen. Das berühmte Couloir du Gardien zieht nun unsere Blicke auf sich. Aus unserer Perspektive präsentiert sich der Grand Combin als nur schwer einzunehmendes Bollwerk aus senkrechten Séracs. Eine Schwachstelle ist von blossem Auge nicht auszumachen. Nach einer ausgedehnteren Pause folgen wir den zahlreichen Gruppen. Eine gute Spur führt bis ca. 100m unter das Couloir du Gardien. Dann endlich kommen Steigeisen und Pickel zum Einsatz und sorgen für eine willkommene Abwechslung. Fast ausnahmslos gehts in gutem Trittschnee unmittelbar unter die Eismauer. Nur für wenige Meter kratzt man unter dem Pulverschnee auf etwas Blankeis. Eine kurze Traverse und ein ebensolcher Aufschwung sind noch zu meistern, bevor man das weitläufige Plateau der Combins erreicht. Wow, so mühelos haben wir uns das nicht vorgestellt! Klagen wollen wir darob aber keinesfalls. Eine weitere Rast sorgt für Energienachschub. Sind wir uns zuerst einig, nur den Combin de Grafeneire zu besteigen, entscheide ich mich dann doch anders. Es läuft zu gut, um auf einen weiteren Viertausender zu verzichten. Nach kurzer Zeit erreichen Tom und ich den Combin de Valsorey, 4184m und geniessen einige Minuten den Gipfel und seine Aussicht in heute seltener Zweisamkeit. Mit den Fellen fahren wir kurz ab und schalten eine weitere Essenspause beim P.4127 ein. Zufrieden mampfe ich eine halbe Packung Pommes Chips. Frisch gestärkt nehmen wir die letzten 200HM in Angriff. Ohne Harscheisen ist es manchmal etwas mühsam aber es geht doch verhältnismässig rasch auf den höchsten Punkt. Wieder einmal geht es nicht mehr höher und der Blick kann nun in aller Ruhe in alle Himmelsrichtungen schweifen und an den unzähligen Gipfeln verweilen. Natürlich ist man dabei nicht alleine, aber an einem so fantastischen Pfingstsonntag sieht man grosszügig darüber hinweg. Wir verweilen vielleicht eine halbe Stunde auf dieser prominenten Aussichtskanzel. Dann beginnt es mich in den Skischuhen zu jucken, denn nun will ich endlich wieder mal "shredden"!

In Gipfelnähe ist es teilweise eisig hart, aber in der Traverse zur Mur de la Côte liegt hochalpiner Pulver. Oh yeah, so macht das Spass! Unvermittelt bricht die berühmte "Mur" vor uns ab. Zwei Alpinisten klettern mit Eisgeräten ab, was nach wenig Spass und ziemlich hart aussieht. Mit den Skis seitlich hinein zu traversieren wirkt ebenfalls recht verwegen, vor allem wenn man die doch recht seriöse Exposition in Betracht zieht. Seit meinem Sturz im Fliswand Couloir reagiere ich immer noch etwas allergisch auf solche Passagen. Nic muss deswegen mal wieder als erster dran glauben. Problemlos gleitet er hinüber. Ich tue es ihm gleich und bin nach wenigen kontrollierten turns durch das "Wändli". Tom und Fabi folgen ebenfalls in souveräner Manier. 50HM hätten uns hier noch vom dritten Viertausender, dem Combin de la Tsesette, 4135m getrennt. Doch wir ziehen eine Abfahrt mit weniger Spuren durch den Corridor einem weiteren Gipfel vor. Wo möglich, ziehen wir in grosszügigen Kurven über den Corridor. Bei einem besonders instabilen Eisgebilde ist allerdings Vorsicht geboten, denn unter dem Neuschnee verstecken sich Eisbrocken, die unweigerlich zu wüsten Stürzen führen. Trotz leichtem Deckel macht Skifahren vor dieser eindrücklichen Kulisse sehr viel Spass. Nach dem Plateau du Déjeuner erwartet uns eine üble Kruste, die sich aber dann doch recht gut fahren lässt. Vor dem Sulzgenuss gönnen wir uns auf dem ausgedehnten Plateau des Maisons Blanches eine Verschnaufpause, doch nicht zu lange, denn die Schneequalität verschlechtert sich nun von Minute zu Minute. Wir erwischen den richtigen Zeitpunkt und cruisen seidenfein über den Traumteppich. Immer wieder halten wir inne und werfen ungläubige Blicke zurück auf dieses gewaltige Bergmassiv. Ein letzter kurzer Gegenaufstieg und nach rund 10 Stunden sind wir zurück bei der Hütte. Gelöste Stimmung und viele glückliche Gesichter sind untrügliche Zeichen dafür, dass dieser Tag einfach nur eines war: GRANDIOS! Schade, dass der Hüttenwart den Grill nicht in Betrieb nahm...


Um es auf den Punkt zu bringen:
Eine der grossartigsten Skiunternehmungen im Alpenraum in meinem doch nicht ganz anspruchslosen Palmarès!!!

Tourengänger: nprace, danski


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