Raclettieren rund ums Tschingelhorn


Publiziert von danski , 17. April 2015 um 19:47.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:13 April 2015
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Ski Schwierigkeit: SS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 3000 m
Strecke:Bergstation Hockenhorngrat - Tennbachlücke - Petersgrat - Kanderfirn - Mutthornhütte (Übernachtung) - Tschingelhorn - Üsser Talgletscher - Inners Tal - Fafleralp - Blatten
Unterkunftmöglichkeiten:Winterraum Mutthornhütte

Von den Lyngsalpene ins Lötschental. Es scheint, als zögen mich mit L beginnende Orte magisch an... Und das hat seine guten Gründe! Unzählige Male war ich schon in diesem ursprünglichen Tal und erlebte keine einzige Enttäuschung. Doch mit einem edlen Tropfen Petite Arvine und Walliser Raclette Käse habe ich es bis jetzt noch nicht in die Lötschentaler Höhen geschafft. Ein kulinarisches Touren Novum also...

Sonntag, 12.04.2015, Hockenhorngrat - Muttseehütte 2900m

Unser ursprünglicher Plan beinhaltete die Abfahrt durch das Kleinhockenhorn-Couloir ins Gasteretal mit anschliessendem Aufstieg zur Mutthornhütte. Mit zahlreichen anderen Tourengängern, die hauptsächlich zum Lötschenpass abfahren, folgen wir anfänglich noch unserem Plan. Das Couloir ist mir vertraut und so stechen wir ohne warm-up in den Felsschlauch. Wie schon so oft gleicht das Couloir eher einem Windkanal. Der Schnee ist sehr hart und mit einer glasigen Kruste überzogen. Dazu noch ziemlich unregelmässig und ruppig. Nach wenigen Höhenmetern vergeht uns die Lust auf survival-skiing und wir buckeln die Skis wieder hoch. So haben wir uns den Auftakt zur Tour nicht vorgestellt. Naja, dann eben auf der Normalroute via Petersgrat zur Mutthornhütte. Immerhin treffen wir keine weiteren Tourengänger und können den Aufstieg geniessen. Keine Eile treibt uns an und so genehmigen wir uns schon unterwegs ein paar Schlucke vom edlen Tropfen. Dazu geniessen wir ein improvisiertes Zmittag Plättli mit Sicht aufs Bietschhorn. Vom Petersgrat fahren wir Richtung Kanderfirn ab. Leider hat sich der Wind hier sicht- und spürbar ausgetobt. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Hütte und richten uns gemütlich ein. Genossen wir bis anhin Windstille, zieht es ausgerechnet rund um die Hütte unangenehm. Doch es ist reichlich feuchter Schnee vorhanden, aus dem wir eine stabile Bank inkl. Windschutz bauen. Ausser von einem Helikopter, der vor der Hütte absetzt und den Touristen einen Blick auf uns Angehörigen der Spezies Homo Alpinus gewährt, werden wir nicht behelligt. Die Schaufel- und Sonnenanbeterei ermüdet uns allmählich und macht hungrig. Zeit für Rigugegl! Es wird der Ofen tüchtig eingeheizt, damit auch das richtige feeling entsteht und dann gleitet die erste sähmige Schicht Walliser Käse vom kerzenerhitzten Pfännchen auf die dampfenden Kartoffeln. Grandios! Eine Scheibe Käse bleibt dann doch noch übrig. Etwas untypisch für winterliches Raclette ist die immer noch strahlende Helligkeit draussen. Wäre doch schade, wenn wir den Sonnenuntergang verpassen würden. Dazu müssen wir aber rasch 300HM zum P. 3205.6 zurücklegen. Gestärkt rennen wir den länger werdenden Schatten voraus und schaffen es just in time auf die Spitze, bevor die Sonne hinter der Blüemlisalp verschwindet. Schweigend bestaunen wir ehrfürchtig das farbenprächtige Schauspiel. Die kurze Abfahrt zur Hütte macht Spass und so legen wir uns bald guten Gewissens unter die fast zu warmen Duvets.

Montag, 13.04.2015, Tschingelhorn 3562m

Die Nacht ist sternenklar und die Lichtverschmutzung hält sich hier oben in Grenzen, das erfahre ich als ich irgendwann austreten muss. Um 06:00 schrillt der Wecker und ruft zu neuen Taten. Dem Böög in Zürich wird in etwas mehr als 12 Stunden der Garaus gemacht, was uns diesen freien Tag schenkt. Ob unser Timing für optimale Schneeverhältnisse wohl aufgehen würde? Ein zu früher Aufbruch würde uns eine pickelharte Abfahrt vom Tschingelhorn bescheren, sind wir aber zu spät, gäbe es eine Tiefsulz-Schlacht. Um 07:30 verlassen wir die Hütte und gelangen via Übergang beim P. 3205.6 auf unseren Spuren vom Vortag auf den Üsser Talgletscher. Trotz Südexpo ist der Schnee um 09:00 unter dem Südcouloir des Tschingelhorns noch tragend und so wächst unsere Zuversicht, dass unser Timing hinkommen könnte. Spuren vom Vortag enden auf ca. 3260m. Wir machen keine Fussspuren aus. Ehrlich gesagt ist der Anblick auch nicht gerade ermutigend, denn im unteren Teil des Couloirs liegt Lawinenschnee. Der Ausstieg auf den Grat sieht jedoch gut aus. Also nichts wie hoch mit aufgebundenen Skis. Wie zu erwarten, brechen wir durch die Schmelzkruste tief ein und beim Bergschrund sackt Tom bis zum Bauch ein. Zeitweise auf Füssen, Knien und Händen gleichzeitig arbeiten wir uns hoch. Nach 100m wird der Schnee endlich härter und wir queren rechterhand aus dem Couloir in die SW-Flanke, die bis zum Skidepot auf 47° aufsteilt, das jedenfalls meint der SAC-Führer und es fühlt sich auch tatsächlich so an. Das Skidepot befindet sich übrigens nicht in der Scharte zwischen Klein- und Tschingelhorn sondern rechts eines felsigen Abschnittes auf ca. 3460m. Der Fussaufstieg durch den unberührten Schnee ist teilweise recht tief aber einfach. Nach genau 3 Stunden stehen wir auf dem Gipfel und nehmen uns viel Zeit, das Panorama zu bestaunen. Es ist kein schlechter Ort hier oben! Meine Blicke zieht das stolze Lauterbrunner Breithorn auf sich, dessen Skibefahrung vom Gipfel immer noch ganz weit oben auf meiner Wunschliste steht. Heute wären die Bedinungen wohl ideal gewesen...

Der Abstieg gestaltet sich ebenso unschwierig und bald sind wir startklar für die 200 kommenden steilen Abfahrtsmeter. Ein test-turn räumt alle Zweifel aus. Der Schnee ist zwar noch hart, aber griffig und erlaubt flüssiges, präzises aufkanten. Genau so muss das sein! Selbst der untere Teil mit dem Lawinenschnee lässt sich mit umsichtiger Routenwahl viel besser als erhofft befahren. Von nun an steht geschmeidiges cruisen über butterweichen Sulz auf dem Programm! Wir wählen die SW-Seite des Talabschlusses des Inners Tal und werden mit nahezu perfekten Frühlingsverhältninssen belohnt. Bis zum Parkplatz Fafleralp erwartet uns verspieltes Gelände mit kleinen Hoppsern über eingeschneite Felsen und ab und zu auch ein paar beachtlche Lawinenniedergänge. Der Hunger lässt uns auf der Fafleralp pausieren. Grande, dass wir am Vorabend nicht allen Käse gegessen haben! Rauf mit ihm auf das Pfännchen und in wohl dosiertem Abstand über den Jet-Boil gehalten, geniessen wir erneut ein kleines, aber feines Raclette. Entlang der teilweise aperen Strasse geht es danach zügig zurück nach Blatten. Ende Raclette, Ende Tour!

Tourengänger: danski


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Kommentare (2)


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Dolmar hat gesagt:
Gesendet am 17. April 2015 um 20:37
Hoi Ihr beiden, tolle Tour und tolle Bilder, gratuliere, das Bild mit euch zwei vor der Hütte zum totlachen super.
Wohl auch eine kulinarische SS-Tour unternommen.
Skifahren geht auch durch den Magen.
Grüsse
Dolmar

danski hat gesagt: RE:
Gesendet am 17. April 2015 um 22:04
2 Angehörige der Spezies Homo Alpinus eben... ;) Dank Helitouristen nun auch mutmasslich in Asien bekannt! ;)


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