Äbeni Flue 3962m, Mittaghorn 3892m (Südflanke)


Publiziert von Bombo , 15. April 2015 um 01:29.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:11 April 2015
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: S+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Strecke:Jungfraujoch - Louwitor - Hollandiahütte - Äbeni Flue - Mittaghorn - Blatten
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Interlaken Ost via Lauterbrunnen und Kleine Scheidegg mit Bahn bis Jungfraujoch (Halbtax ca. CHF 50.00)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Wenn Abfahrt nach Blatten nicht mehr möglich ist: Von Fafleralp mit Shuttlebus (CHF 10.00 pro Person) nach Blatten (Achtung: fährt immer x.30, das Postauto in Blatten jedoch um x.29... --> Restaurant...), anschl. mit Postauto nach Goppenstein und mit Bahn via Spienz zurück nach Interlaken Ost. (Halbtax ca. CHF 18.00)
Unterkunftmöglichkeiten:Hollandiahütte SAC
Kartennummer:LK 1:50'000, Bl 264 S "Jungfrau"

Adrenalin pur und dünne Luft - grandiose Erlebnisse im Hochgebirge


Endlich hat's wieder einmal mit einem gemeinsamen Abenteuer geklappt - Touren mit CJ sind jedes Mal tolle Erlebnisse und häufig bleiben einige Eindrücke unvergesslich - so auch dieses Weekend. 

Wir entschlossen uns für das Jungfraugebiet, zumal CJ dort noch nie mit seinem Splitboard surfen konnte und diverse tolle Abfahrten auf den Winteralpinist warten. Ziele gibt es dort zuhauf - bei uns sollte das Primärziel das Mittaghorn 3892m sein, nach Lust und Laune darf aber ruhig auch noch etwas dazu kommen. 

Start am Samstag um 10.00 Uhr (Interlaken Ost 7.05 Uhr) beim Jungfraujoch 3454m - das Wetter bereits schlechter als prognostiziert, jedoch immer noch mit Sonnenfenstern beim Louwitor, sodass wir dieser Variante den Vorzug gaben - notfalls wären wir sonst runter zum Konkordiaplatz gefahren. Beim Louwitor 3676m dann aber praktisch keine Sicht mehr, sodass wir bei anfänglich miserablen Schneebedingungen via Kranzbergfirn runter zum Grossen Aletschfirn fuhren. Eine kurze Verpflegungspause bei wieder hoffnungsvollerem Wetter stärkte unsere Energiereserven - diese benötigten wir dann auch für den langen Anstieg zur Hollandiahütte SAC 3238m, welche wir beinahe im Whiteout dank GPS-Unterstützung punktgenau erreicht haben. 

Die Crew hatte einiges zu tun, zumal die Hütte fast voll war. Dennoch stets sehr freundlich und hilfsbereit - ein grosses Dankeschön an dieser Stelle u.a. auch dafür, dass wir sogar noch unsere eigene, ruhige Schlafecke bekommen haben. Um 06.00 Uhr war dann Tagwache, entsprechend gab es mindestens soviel Schlaf, wie wenn man zu Hause im eigenen Bett geblieben wäre. 

Bei klaren, fantastischen Verhältnissen Start um 07.00 Uhr bei der Hollandiahütte SAC 3238m und bald schon in der Pole-Position, da wir nun vor dem geplanten Mittaghorn auch noch die Äbeni Flue besuchen wollten. Die Spurarbeit sowie die zunehmende Höhe bzw. Sauerstoff-Knappheit forderte dann je länger desto mehr ihren Tribut - die Schritte wurden langsamer und das Atmen entsprechend schwerer. Die Hochgebirgsruhe wurde einzig vom Lärm der zahlreichen Helikopter gestört, welche im 2-Minuten-Rythmus zahlreiche Aufstiegsverweigerer zum nahe gelegenen Gebirgslandeplatz flogen. Bedenkt man, dass um diese noch junge Tageszeit die Abfahrtsbedingungen auf dieser Höhe alles andere als flowig sind, so waren wir froh, dass wir den Zeitpunkt für die Abfahrt ins Tal selbst festlegen konnten. So erreichten wir also um 09.15 Uhr als erste des heutigen Tages den Gipfel der Äbeni Flue 3962m und genossen bei kühlen Temperaturen die tolle Aussicht.

Während wir via Südostflanke aufgestiegen waren, fuhren wir nun bei akzeptablen Schneebedingungen über die Südwestflanke hinunter auf den Äbeni Flue-Firn. Die Sonne heizte nun langsam ein, dennoch genossen wir hier auf diesem fantastisch schönen Plateau unsere Verpflegungspause und stärkten uns für den kommenden Aufstieg. 

Wieder mit Fellen an den Skis stiegen wir unschwierig hoch zum Anujoch 3629m und wechselten auf Steigeisen sowie Skistock / Pickel. Die ersten Meter über den Fels noch einfach, dann folgt ein kurzes Abklettern auf ein markantes, jedoch ausgesetztes und leicht abdrängendes Band, welches im Grunde genommen nicht schwierig zu begehen ist, doch kämpft man bald einmal mit den Skis am Rucksack und der geringen Durchgangshöhe. Grösser gewachsene Personen werden um ein Kniefall nicht darum herum kommen - es gibt aber sicher auch elegantere Varianten. Nach diesem Fels-Techtelmechtel folgt nun der weitere steile Fussaufstieg über den Südgrat zum Vorgipfel des Mittaghorn 3880m. Auf dieser Etappe hat man eine schönen Einblick in die steile Südflanke - hier lief auch uns das Wasser im Mund zusammen... Beim Vorgipfel angekommen belässt man am besten die Skis am Rucksack, denn die letzten Meter über den nicht zu unterschätzenden (und verwechteten) Grat sind teilweise ausgesetzt und ein Ausrutschen mit Skis könnte fatale Folgen mit sich bringen. So erreichten wir um 11.45 Uhr den Hauptgipfel des Mittaghorn 3892m

Im Gegensatz zur Äbeni Flue waren wir hier nicht alleine, dafür aber waren wir mit unserer Idee, die steile Südflanke zu befahren, fast alleine. Fast deshalb, weil noch 2 weitere Skifahrer diese Abfahrt gemacht haben, jedoch etwas früher als wir, wo wir immer noch im Aufstieg zum Hauptgipfel waren. So kehrten wir also per Pedes wieder zurück zum Vorgipfel und überprüften die Verhältnisse in der Flanke. Noch immer trafen wir pickelharten Schnee auf den ersten Abfahrtsmeter an, aufgrund der starken Mittagssonne aber hofften wir auf bessere Verhältnisse weiter unten in der Flanke. Also entschieden wir uns für diese Abfahrt und drückten uns gegenseitig die Daumen.

Die ersten Meter dann wie erwartet ein riesen Gerüttel, doch bald schon kamen wir in perfekt aufgefirnten Schnee, sodass wir die Abfahrt nicht nur geniessen sondern die Flanke richtig gehend angreifen konnten. Ein unvergessliches, eindrückliches und absolut geniales Erlebnis - mehrmals mussten wir unten auf dem Anungletscher angekommen zurück schauen und trauten unseren Augen kaum, dass wir dort soeben gerade runter gecruist sind. Ich gebe zu, das kann süchtig machen...

Die weitere Abfahrt hinunter zum Langgletscher war nochmals dank perfekten Firnverhältnissen ein absoluter Genuss. Auf dem Langgletscher selbst konnten wir nur noch im oberen Teil von guten Verhältnissen profitieren, weiter unten dann war der Schnee bereits schwerfällig und bremste uns teilweise fast aus unseren Schuhen. Dafür aber wurden kurz vor der Fafleralp 1766m die Fahr-Verhältnisse nochmals besser, sodass der Parkplatz entsprechend bald erreicht wurde. 

Noch hat es genügend Schnee, ebenso auch auf der Strasse hinunter nach Blatten 1540m, weshalb eine Abfahrt problemlos möglich war. Das Taxi, welches bei aperen Strassenverhältnissen alle 30 Minuten von der Fafleralp nach Blatten fährt, war jedenfalls noch nicht in Betrieb. Im Restaurant Bietschhorn liessen wir es uns bei noch immer perfektem Frühlingswetter mit einer kulinarsichen Walliser-Plattä gut gehen, bevor wir dann die ÖV-Reise via Goppenstein und Spiez zurück nach Interlaken Ost in Angriff nahmen. 


Fazit: 

Immer wieder eindrücklich ist die Hochgebirgslandschaft in dieser Region - umgeben von Eis- und Schneemassen, man fühlt sich weit weg von zu Hause. Intensiv die Gipfelerlebnisse - die Belohnung für die Müh', wenn auch die Höhenmeter noch zählbar waren. Unvergesslich aber ganz klar die Abfahrt durch die steile Südflanke des Mittaghorn - emotionell und Adrenalin pur, einfach nur genial.

Die Flanke ist über 400m rund 40-42 Grad steil, der steilste Abschnitt im mittleren Teil auf 140m 44-46 Grad steil. Diese Abfahrt erfordert folglich ganz klar stabile, sichere Verhältnisse und sollte nur von Skifahrer oder Snowboarder befahren werden, welche eine entsprechende Fahrtechnik beherrschen. 


Aufstieg ab Hollandiahütte: 1190m
Abfahrt ab Äbeni Flue / Mittaghorn: 2800m


Anmerkung zu den Fotos:

Die Fotos von mir weisen noch Winterzeit auf - es muss noch 1h dazu addiert werden. 


SLF: "Mässig"


Tour mit CJ



Tourengänger: Bombo

Galerie


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Kommentare (4)


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Dolmar hat gesagt:
Gesendet am 15. April 2015 um 07:33
Gratuliere zur schönen Skitour euch beiden,
das Hochgebierge ist halt nochmal was anderes.
Die Verhältnisse scheien ja Super gewesen zu sein, mal abgesehen vom whiteout am Zustiegstag.
Grüsse
Dolmar

Bombo hat gesagt: RE:
Gesendet am 15. April 2015 um 10:55
Salü Dolmar

Herzlichen Dank und auch Dir Gratulation zur Ringelspitz-Überschreitung - Respekt einmal mehr vor Deiner physischen Leistung!

Beste Grüsse
Bombo

nprace hat gesagt:
Gesendet am 15. April 2015 um 10:12
Von mir auch Gratuliation zu einer schönen Doppelpack Tour. Die S Flanke ist fast eine unerwartete Juwel so bescheiden wie sie doch aussieht. Aber einmal drin ist die Freude riesig!
Hey kannst du einen Condition Report zu den folgenden Flanken geben:
Haslerrippe
Sattelhorn N
Mönch S
Mönch Nollen
Lötschentaler Breithorn N (er ist doch immer eisig aber sieht auf deine Fotos schon ganz weiss aus...was einen wichtigen Referenzpunkt wäre.)
Vielen Dank und shred on!
N

Bombo hat gesagt: RE:
Gesendet am 15. April 2015 um 11:09
Salü Nic

Auch Dir danke für das Feedback. Wie Du richtig sagst, die Abfahrt durch die Südflanke hat riesige Freude gemacht - viel zu schnell war man wieder unten. Weckt auf jeden Fall die Lust nach mehr ;-)

Betreffend aktuellen Verhältnisse:

Aufgrund dessen, dass wir am ersten Tag praktisch keine Sicht hatten, kann ich Dir weder etwas zur Haslerrippe noch zum Mönch sagen. Auch das Sattelhorn hielt sich in den Wolken versteckt und am zweiten Tag richtete sich dann unser Blick mehr nach vorne als nach hinten.

Das Breithorn haben wir zwar angeschaut, jedoch mehr der Ehrfurcht wegen und weniger wegen den Verhältnissen. Ja, es sah wirklich sehr eisig aus, aber das sieht es dort ja immer... Hätte ich dies im Voraus gewusst, so hätte ich mich klar besser darüber informiert - so muss ich jetzt aber leider passen mit guten Informationen.

Weiterhelfen könnte Dir evtl. der Hüttenwart der Hollandiahütte, welcher den Berg ja täglich sieht und selber auch Bergführer ist.

Sorry Nic, hoffe ich kann Dir ein ander Mal besser weiterhelfen.

Steep fly the sheep - rip it!
Bombo


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