Zu Fuß durch Dünen und Steinwüsten


Publiziert von Günter Joos (gringo) , 15. April 2015 um 21:12.

Region: Welt » Marokko » Sud » Sahara
Tour Datum: 1 April 2015
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 4 Tage 16:00
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Zagora aus etwa 80 km bis kurz vor M´Hamed
Unterkunftmöglichkeiten:Zelt oder offenes Biwak

Überquert man, von Marrakesch her kommend, den 2260 m hohen Tizi ´n´Tichka, kurvt man den nun schon sichtbar trockener gewordenen Südabhang des Hohen Atlas hinunter und gelangt in  extrem niederschlagsarmes Gebiet. Ouazazarte, einstmalige Garnison der französischen Kolonialisten, wirbt in Marokko gerne mit der Etikette“ Tor zur Sahara“ . Den gleichen Anspruch erhebt für sich  das noch weiter südlich gelegene Zagora. Die Flüsse Draa und Dades schaffen hier in Südmarokko üppig grüne Dattel- und Feigenoasen, erlauben eine überraschend üppige Landwirtschaft, die einen geradezu betörenden Kontrast zur ansonsten karg-trockenen, steinübersäten und gestrüppüberzogenen Wüstenlandschaft bilden. Ockerfarbene, jahrhundertealte Kasbahruinen tragen das Ihrige dazu bei,  den Reisenden in diesem Teil Marokkos in einem Überschwang exotischer Eindrücke schwelgen zu lassen.
 Fast könnte man sagen, man sei hier schon in der Wüste angekommen, würden sich nicht weiterhin Ortschaften und Infrastuktur aneinanderreihen. Noch weiter südlich hört die Asphaltstraße auf, das staubige Wüstennest M´Hamid ist definitiv die letzte Ortschaft, dahinter beginnt die scheinbare Unendlichkeit der Sahara.
Nun ist es für mich nichts Neues, zu Fuß in einer Wüste unterwegs zu sein.Gebirgswüsten und- halbwüsten konnte ich während inzwischen zahlreich gewordenen Unternehmungen in Fern und Nah immer wieder mal kennenlernen Und doch ist es diesmal anders. Die Sahara ist die größte Wüste der Welt, und sie ist eben keine Bergwüste. Und wir werden neben unseren beiden Führern eine weitere, außergewöhnliche Begleitung haben, nämlich drei stattliche Dromedare.
In Zagora und M´Hamed gibt es  wohl annähernd so viele Anbieter von Wüstentouren, wie Sand in der Sahara .Wir haben uns für unser viertägiges Unternehmen  „Renard Bleu Touareg“ anvertraut.  Dass wir das Ganze möglicherweise etwas billiger haben könnten, ist uns egal. Abdellah Naji ist Anthropologe und brilliert mit umfangreichem Wissen über den Landschafts- und Lebensraum Sahara und eben deren nomadischen Bewohnern, den Tuareg, denen er selbst angehört. Das von ihm gegründete und geführte Unternehmen setzt auf Nachhaltigkeit, ein Teil des durch den sanften Tourismus gewonnenen Erlöses kommt dem Verein Azalay e.V. zugute, welcher die Tuaregnomaden in ihrem Bestreben unterstützt, ihre ursprüngliche Lebensweisen und -gewohnheiten zu erhalten oder wiederzuerlangen.
An der Straße in scheinbarem Niemandsland, nur wenige Kilometer vor M´Hamid, hält unser Fahrer. Wohin das Auge blickt , ist hier nichts weiter zu sehen, als die topfebene Steinwüste, die Bergzüge des Djebel Bani und Dünen, aus denen Bäume wie Skelette herausragen. Unvermittelt tauchen jetzt zwei in traditionelle Nomadengewänder gehüllte, hagere Gestalten  zwischen den Dünen auf: Ahmed und Hammadi werden sich die kommenden vier Tage für unser Wohlergehen und um einen gelingenden Ablauf unserer Exkursion kümmern. Sie werden uns den Naturraum Wüste nahebringen auf die vielleicht bestmögliche Art, nämlich zu Fuß, auch wenn es uns freisteht, auf den Dromedaren auch reiten zu dürfen. Und wir werden durch sie einen kleinen Einblick in Leben und Kultur der Wüstennomaden erlangen. Und nicht zuletzt wird uns durch unsere beiden Begleiter eine herzliche Gastfreundschaft zuteil werden.
Die kommenden vier Tage zeigen uns dann auch ein sehr vielfältiges und abwechslungsreiches Abbild der Sahara. Ein stetiger Wechsel aus Steinwüste (Hamada) und Dünengebieten (Erg) erregt die Sinne, man schwelgt zwischen der kargen Weite und den faszinierenden Symmetrien der Dünen. Und wir erleben es stets, die Wüste lebt! Wohl auch dank der ungewöhnlich reich ausgefallenen Niederschläge in Marokko während der vergangenen Monate führt der Draa sogar hier noch etwas Wasser, wo er doch in anderen Jahren bereits vor Zagora meist schon trockengefallen ist. So bietet sich uns heuer eine außergewöhnliche Pflanzenvielfalt. Käfer und andere Insekten beoachten wir allenthalben. Schlangen und Skorpionen hingegen, die Horrorvision aller unbedarften Europäer, wenn das Schlagwort Wüste fällt, werden wir keinen begegnen. Störend sind allenfalls die vielen Fliegen, welche vor allem während der Pausen lästig um unsere Köpfe schwirren.  Übrigens, wer schöne und interessante Steine sammelt, der wird in der Hamada ganz bestimmt fündig!
Die sportlichen Anforderungen einer solchen Tour können getrost als bescheiden bezeichnet werden, sind es doch gerade mal morgens zwei Stunden, an denen gewandert wird, und nochmals zwei am späten Nachmittag. Ohne Gepäck, versteht sich, denn dieses übernehmen die Kamele. Die langen Mittagspausen werden an ausgesuchten Schattenplätzen zugebracht, meist unter einzelstehenden Tamariskenbäumen. Man liest, döst, unterhält sich, isst, trinkt Tee ... ein rundum entspannendes Programm,  prädestiniert auch für Personen, die Abstand vom Alltag benötigen.
Den Kamelritt gönnen wir uns ganz zum Schluss. Was für ein Finale, als die ockerfarbenen Lehmmauern der Kasbah Buono wie eine Fata Morgana hinter dem Flussbett des Draa am Horizont auftauchen! Hier in der kleinen Oase Ouled Driss werden wir wiederum von unserem Fahrer in Empfang genommen. Der Abschied von Ahmed und Hammadi stimmt uns sentimental. Trotz einer nur rudimentären sprachlichen Verständigung sind uns die beiden ans Herz gewachsen. Die Mischung aus Zurückhaltung und warmherziger Fürsorglichkeit verliehen dieser Exkursion auch ein menschlich bereicherndes Erlebnis.
Wir unternahmen diese Tour zwischen dem 31.03. und dem 03.04. 2015. An einem Tag habe ich in der Mittagspause im Schatten 38 Grad gemessen. Von daher gesehen sollte man eine solche Tour nicht mehr später als höchstens bis Mitte April angehen. Die Nächte waren angenehm, der Nachthimmel stets klar, weshalb wir es vorzogen, die Nächte unter freiem Himmel auf den Dünen zuzubringen, anstatt im zur Verfügung stehenden Nomadenzelt zu übernachten. In den Wintermonaten kann es nachts sehr kalt werden, weshalb dann die Mitnahme eines Schlafsacks mit Komfortbereich bis zweistellige Minustemperaturen dringend zu empfehlen ist.

Tourengänger: Günter Joos (gringo)


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Kommentare (1)


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pame hat gesagt: Schoene Bilder
Gesendet am 2. August 2015 um 07:36
Da kommen Erinnerungen hoch. Ich war letzten Dezember in der Gegend um Merzouga, und habe tagsueber Temperaturen von knapp 20Grad gemessen. Ideal fuer jemanden wie mich, der keine Hitze mag :-). Nachts wurde es dann allerdings wirklich kalt!

Gruss
Patrick


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