Über die Hängebrücke zur Trifthütte


Publiziert von Zolliker Pro , 5. April 2015 um 12:53.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum: 4 August 2014
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Triftbahn-Trifthütte-Triftbahn

Die Trifthütte steht schon lange auf meiner Wunschliste. Eigentlich wollte ich die Tour mit der Besteigung des Dietschihorns und dem Übergang ins Gelmertal verbinden. Aber dafür braucht es zwei wettersichere Tage, die es im Hochsommer 2014 kaum gibt. Dann eben “nur” die Hüttentour. Das stellt sich als weiser Entschluss heraus. Ein grossartiges Erlebnis.

Von Schwendi im Gadmental führt eine kleines Werksbähnchen zur unteren Trift. Das spart 400 Höhenmeter und einen ziemlich langen Anmarsch. Es lohnt sich, früh da zu sein, die Kapazität ist äusserst beschränkt (8 Pers.). Für die Talfahrt bekomme ich eine Zeit zugeteilt. Das hat den Nachteil, dass man den ganzen Tag das Damoklesschwert der Uhr über dem Kopf hat. However, die Fahrt ist das erste kleine Abenteuer des Tages. Die kleine Kabine schwebt hoch über die enge Triftschucht und gibt nervenkitzelnde Tiefblicke frei.

Die Tour beginnt gemütlich steigend durch das etwas karge Trifttal. In einer knappen Stunde erreiche ich das Tagesziel der grossen Mehrheit der Wanderer, die in dieses Tal pilgern: die spektakuläre Hängebrücke über der Triftschlucht. Die ersten Familien sind schon da, sie kommen von der nahegelegenen Windegghütte, wo sie übernachtet haben. Bis zu meiner Rückkehr werden beide Brückenköpfe dicht von picknickenden Bergfreunden besiedelt sein. Sie bekommen aber auch wirklich etwas geboten: Hinter dem braungrünen Gletschersee wälzen sich die blauen Eiszungen des Triftgletschers hinunter.

Ich passiere die Brücke mit einem etwas mulmigen Gefühl. 100 Meter unter mir tost das Wasser durch die engen Felsspalten. Gleich nach der Brücke gilt es, ziemlich ausgesetzt ein paar Leitern hinunterzuklettern. Danach muss mit etwas Geschick ein steiniges Bachbrett durchquert werden. Eine gute “natürliche” Grenze. Ich bin wieder alleine.

Der Pfad führt nun rasch steil hinauf durch dicht überwachsene Bergflanken zu einer kleinen Ebene am Eingang des Zwischenbergtals. Hier ist die Frontalsicht auf den Gletscher umwerfend. Bei Pt. 2057 ist deshalb zwingend eine Genusspause angesagt. Ich fotografiere mehrmals dasselbe Sujet, als ob es mir sonst weglaufen würde.

Die Route führt weiter zur Schlüsselstelle: Die beiden Zwischentierbergbäche müssen überquert werden. Beim Ersten kann ich ziemlich gut über grosse Steine hüpfen, der Wasserstand ist heute nicht so hoch. Der Zweite liegt noch unter dem Restschneefeld einer Lawine, die Schneebrücke sieht nicht besonders vertrauenserweckend aus. Sehr vorsichtig traversiere ich über den harten Schnee, unter meinen Füssen gurgeln dumpf die wilden Wasser. Dann muss ich schmunzeln: Ein Spassvogel hat mit der blauweissen Markierungsfarbe einen Stein zum Wal gemacht. Wohl als freundschaftlicher Augenzwink für Pechvögel, die hier unfreiwillig baden gehen.

Über eine steile Felsstufe führt die Route aus dem Zwischentierbergetal hinaus. An heiklen Stellen helfen Ketten. Der nächste Abschnitt entlang des Gletschers ist Genuss pur, auch wenn man auf diesen Steilhangpassagen hellwach sein muss. Immer mit dem blauen Eis vor Augen erreiche ich einen breiten Talriegel. Hier oben geht der Gletscher in die Breite und es öffnet sich der atemberaubende Blick auf die kolossalen Eismassen. Der Gletscher mag unten ziemlich stark zurückgegangen sein, aber hier oben liegen noch Millionen Tonnen Eis für die nächsten Generationen.

Wenig später erreiche ich die Hütte. Hier erwartet den Besucher nicht nur ein prächtiges Panorama, sondern auch die Gastfreundschaft der fröhlichen Hüttenwartin und ihres nepalesischen Partners. Gebetsfahnen vermitteln ein Himalaya-Feeling. Es ist Mittagszeit und das Hüttenteam nimmt gerade einen Aprikosen-Kuchen aus dem Ofen. Ich setze mich auf die Bank an der Sonne, studiere die gegenüberliegenden Berge und beisse herzhaft in das warme Gebäck.

Auf dem Abstieg drehe ich mich immer wieder um, ich kann mich einfach nicht satt sehen. Beim Passieren der Brücke erwische ich mich dabei, dass mir dieses wacklige Ding mehr Angst macht als mir lieb ist. Mit festem Boden unter den Füssen ist es mir auch an den ausgesetzten Lagen wohler als auf von Menschenhand erschaffenen Werken.

Kurz vor drei Uhr besteige ich das winzige Bähnchen und lasse mich zufrieden ins Tal hinuntergondeln.

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Dies ist eine reine Textversion. Eine Vollversion mit allen Bildern und Kartenausschnitt findest Du auf meinem Wanderblog:

http://www.edwinwandert.com/2015/04/ueber-die-haengebruecke-zur-trifthuette/

Tourengänger: Zolliker


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