Skitour Großer Buchstein durchs Rohr


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 21. März 2015 um 20:48.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Ennstaler Alpen
Tour Datum:21 März 2015
Ski Schwierigkeit: SS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1640 m
Abstieg: 1640 m

Der Große Buchstein durch das Rohr steht schon seit einigen Jahren auf meiner Skitouren-Wunschliste, heute hat es endlich gepasst. Die Beschreibungen zu dieser Tour sind äußerst spärlich und die wenigen, die es gibt, sind oft nicht sonderlich gut recherchiert. Daher hat die Tour den gewissen Touch einer Erkundungstour.
Im unteren Teil der Tour müssen die Ski fast immer getragen werden, meist bis zum Tunnel. Danach folgt ein nicht allzu steiler, aber mühsamer Abschnitt durch teils dichtes Gestrüpp. Beim Anstieg durch das Rohr handelt es sich um eine große skibergsteigerische Unternehmung, die steilsten Stellen sind knapp 45° steil und etwa 400Hm lang. Das Rohr (oder Rohrgoß) ist ein von Latschenflecken und kleinen Felsabbrüchen durchsetztes Rinnensystem, wegen dieser starken Strukturierung ist der Aufstieg nicht sonderlich ausgesetzt. Nur an wenigen Passagen hätte ein Sturz fatale Folgen. Bei optimalen Verhältnissen kann man trotz der etxremen Steilheit mit Ski aufsteigen, heute mussten wir etwa 30m zu Fuß zurücklegen. Wegen der Exposition der Rinne ist sie beim Aufstieg in der Regel schon aufgefirnt und gut zu gehen.
Weiter oben folgen dann großartige Skihänge, diese sind wirklich ein Traum und auch im Aufstieg bieten sich zahllose herrliche Fotomotive. Schon bald haben wir den Gipfel des Buchsteins und somit eine wohlverdiente Pause erreicht.
Die Abfahrt war dann im oberen Teil sehr schön, teilweise zwar ein bisschen tieferer Firn aber immer noch sehr gut zu fahren. Im Rohr war der Schnee sehr weich, mit einigen Pausen konnten wir aber durchgehend abfahren.
Rückblickend ist der Buchstein eine wirklich großartige Skitour, allerdings nur sehr geübten Skibergsteigern zu empfehlen. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht die Abfahrt, vielmehr sind es die Einsamkeit des Aufstiegs, die wilde Felsszenarie des Rohrs und der allgemein sehr ernste Charakter der Tour, die diese Tour ausmachen. Neben passenden Verhältnissen braucht es noch absolute Trittsicherheit mit Skiern im Steilgelände, eine ordentliche Kondition und gutes Wetter. Wer diese Anforderungen mitbringt, wird mit einer wahrlich großen Skitour belohnt!

AUFSTIEG: (alle Angaben beziehen sich auf die AV-Karte) Vom Parkplatz bei der Forstverwaltung in Gstatterboden (Parkplatz Ennstalerhütte) folgt man dem Forstweg vorbei an der Forstverwaltung ins Untere Rohr (nicht Richtung Ennstalerhütte!). Bei einer Gabelung nimmt man dem rechten Forstweg (Schranken mit Briefkasten) und folgt diesem in einer langen Querung nach links bis zu einer Abzweigung (P. 774m). Hier zurück nach rechts und durch den kurzen Tunnel unterhalb der Rohrmauer. Nach dem Tunnel bis zur zweiten Rinne (P. 845m), diese führt direkt hinauf zum Rohr. Sollte diese Rinne zu wenig Schnee für den Aufstieg haben, so folgt man einer weiteren Serpentine dem Forstweg und trifft hier wieder auf die Rinne (P. 953m) bei einer Abzweigung. Hier nun je nach Verhältnissen durch das dichte Gestrüpp, wir folgten kurz dem Forstweg nach links bis vor die nächste Rinne, hier gibt es eine Art Hohlweg durch das Gestrüpp. Weiter oben dann in den Hochwald und durch diesen gerade aufwärts. Nun rechtshaltend zum Fuß des Rohrs (Rohrgoß). Durch den unteren Teil der Rinne (40°) hinauf. Sobald als möglich auf den Latschenrücken zwischen den beiden Hauptrinnen nach rechts queren und über ihn in vielen Kehren extrem steil (bis 43°) hinauf. Von hier nun etwa 50m extrem steil (45°) hinauf in ein kleines Becken und aus diesem nach rechts Richtung Gipfel des Rohrgoßkogel in einen flachen Boden queren. Der Rohrgoßkogel ist der Gipfel des rechten Begrenzungsfelsen des Rinnensystems. Hier kann ein Depot für Steigeisen und Pickel gemacht werden, der weitere Anstieg ist nicht mehr schwierig.
Auf dem flachen Boden nun immer in Muldenmitte durch mehrere Mulden und Böden aufwärts. Am Plattenkogel vorbei und immer in westliche Richtung. Der steile Hang unterhalb des Vorgipfels (P. 2220m) wird NICHT erstiegen, man quert unterhalb dieses Hanges flach nach rechts (abgeblasene Felsen) bis man das Gipfelkreuz sieht. Über sanfte Mulden hinauf zum Gipfel. (Ca. 5h)

ABFAHRT: Vom Gipfel bis zum Rohr wie Aufstieg. Nach rechts ins Rohr einfahren, dann aber nicht gerade durch die Latschenzone hinab sondern in die orografisch rechteste Rinne (=Hauptrinne) queren (bis 45°). Durch diese Rinne hinab durchs Rohr (bis 43°) und unten über weite Hänge hinab zur Gestrüppzone. Weiter wie Aufstieg, der Abschnitt durch die Gestrüppzone ist sehr mühsam!

LAWINENWARNSTUFE / SCHNEE: 1 (Günstige Tourenbedingungen - schattseitiges Altschneeproblem und sonnseitigen Festigkeitsverlust beachten!) Durchgehende Schneedecke für den Aufstieg ab P. 953m, Abfahrt bis P. 845m möglich. Obwohl es über Nacht einen deutlichen Festigkeitsgewinn in der Schneedecke gab, wurde diese schon bald wieder weich. Schon während unseres Aufstiegs durchs Rohr war die Schneedecke aufgefirnt und weich, allerdings dadurch optimal aufzusteigen. Bei der Abfahrt oben Pulver im Gipfelbereich und Firn. Im Rohr trotz Festigkeitsverlust in der Schneedecke keinerlei Rutsche, zu stark strukturiert ist das Gelände. (Im Zweifelsfall könnte man abwarten, das Rohr ist schon am frühen Nachmittag wieder im Schatten.)

MIT WAR: Kathi, Konrad, Tanja

WETTER: Sonnenschein, im Rohr sehr warm. Im Laufe des Nachmittags leichte Schleierbewölkung und zunehmende Eintrübung.

Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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