Verhextes Wetter....


Publiziert von Berglurch , 20. März 2015 um 19:00.

Region: Welt » Polen » Beskid Żywiecki
Tour Datum:23 Februar 2015
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Ski Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: PL   SK 
Zeitbedarf: 5 Tage
Aufstieg: 6500 m
Abstieg: 6600 m
Strecke:Zawoja - Babia Gora - Abstieg zur Markowe Szczawine - Babia Gora - dann immer auf dem Kammweg über Modralowa - Krawcow Wierch - Rycerzowa - Wielka Racza bis Zwardon, ca 100km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zawoja - Minibus von Krakau
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Zwardon - Zug von Katowitz, via Bielsko und Zywiec

... hatte ich irgendwie schon bei meiner Durchquerung der Saybuscher Beskiden.

Die Saybuscher Beskiden (Beskid Żywiecki), die die Grenze des nördlichsten Teiles der Slowakei zu Polen markieren, sind kein unbekanntes Terrain. Auch im Winter ist diese Bergregion recht häufig besucht. Dennoch durfte ich sie recht allein erleben. Schuld daran war sicher (auch) das Wetter.
Ich war mit meiner "Spezialkonstruktion" unterwegs - Skatinglanglaufskiern und zurechtgeschnittene Tourenfelle - die für MIttelgebirge eigentlich immer ganz gut funktioniert hat. Für weichen Sulz ist sie, wie ich sehen musste, leider  nicht optimal



Nach einem Familienanlass in Krakau, bei dem meine Energiespeicher sehr gut aufgefüllt worden waren, begab ich mich mit dem Minibus nach Zawoja (ca 2,5h Fahrtzeit), von wo aus ich meine Tour bei (noch) strahlendem Sonnenschein um halb 3 Nachmittags startete.

Tag 1:
Von Anfang an konnte ich auf einer zwar feuchten und zerfurchten, aber immerhin Schneedecke starten. Ich befand mich von Beginn an im Babia Gora Nationalpark. Der Gipfel des Babia Gora war von hier sichtbar und es kündigte sich ein wunderbarer Restnachmittag an. Immer auf dem Wanderweg laufend, erreichte ich nach 1,5h die Hütte Markowe Czszawiny. Dort legte ich ein Skidepot an und spurtete mit Trailrunnern auf den Gipfel des Babia Gora, den Diablak. Diesen erreichte ich gerade um kurz vor 5 Uhr, allerdings in dichtem Nebel und bei scharfem Wind, so dass ich mich direkt wieder an den Abstieg machte und kurz vor dem völligen Eindunkeln zurück an der Hütte war, wo ich mir eine lange und erholsame Nachtruhe gönnte.

Tag 2:
Auf dem gleichen Weg wie am Vortag erreichte ich - diesmal mit Skiern - den Diablak. Die Sicht war ähnlich schlecht wie am Vortag, allerdings war es wärmer und durch den Wetterumschwung (es waren Wolken aufgezogen und es kündigte sich länger anhaltender Niederschlag an) nicht so windig. Als ich am Gipfel kurz Pause machte, kamen noch zwei polnische Schneeschuhgeher über die Ostseite auf den Gipfel. Nach einer kurzen Begrüssung machte ich mich an die Abfahrt (die auf dem mittlerweile abgeblasenen Rücken recht rasant ausfiel) bis zum Sattel. Von dort ging es in stetigem Auf und Ab immer dem Grenz - Wanderweg direkt zwischen der Slowakei und Polen über die kleine Babia Gora (Mala Babia Gora) teils durch den Wald, teils über Lichtungen bei leichtem Schneefall und Nebel bis zur Erhebung Modralova, dem  nördlichsten Punkt der Slowakei. Einige Verfranser später (der Weg ist ab Modralova nicht mehr so hervorragend ausgeschildert wie bis dorthin) erreichte ich beim Eindunkeln die Hütte Hala Miziowa im Skigebiet Pilsko von Korbielow. Dieses recht beliebte Berghotel ist gut besucht und recht gemütlich. Übernachtung.

Tag 3:
Der dritte Tag begann mit dichtestem Nebel - Sichtweite unter 3m. Auf der Piste lief ich zunächst zum Gipfel des zweithöchsten Berges der Saybuscher Beskiden, dem Pilsko. Nach der Abfahrt im Blindflug über die zum Glück noch leeren Pisten zurück zur Hala Miziowa ging ich weiter auf dem markierten Wanderweg, der nach einer Weile wieder der Grenze folgt, vorbei an der Hütte Rysianka bis zur idyllisch auf einer Lichtung gelegenen Hütte Krawcow Wierch. Diese Hütte ist etwas Besonderes in den Beskiden, hat sie doch weder einen Elektrizitätsanschluss noch eine Materialseilbahn. Geführt wird sie von den beiden Wirten Leszek und Pawel (Pawel heisst Szatan mit Nachnamen, das polnische Wort für "Satan". Auf der Homepage der Hütte steht über ihn, das Szatan nur sein Name und nicht seine Funktion sei, was mich beruhigte). Mit Pawel konnte ich am Abend bei leckerem Essen noch eine nette Unterhaltung in radebrechendem Polnisch über die Tierwelt der Karpaten führen. Ein schönes Erlebnis. Sicher die netteste Hütte, auf der ich bei meiner Tour übernachtet habe.

Tag 4:
Am nächsten Morgen - das Wetter war immernoch gleich: Dichter Nebel bei leichtem, nassen Schneefall ging es weiter: Immer der Grenze entlang, teils durch den Wald, teils auf Lichtungen, diesmal auf der landschaftlich ansprechendsten Etappe der Tour - bis zur Hütte Rycerzowa, wo ich bei einem verfrühten Mittagessen den Arzt Lukasz aus Warschau kennenlernte, mit dem ich die restlichen 1,5h bis zur Hütte Schronisko na Przelece Przygibek ging und der mir dank seiner Hilfsbereitschaft noch aus einer gröberen Patsche helfen konnte - hatte ich doch auf Hala Miziowa meinen Führerschein vergessen :-(
Abendessen, Übernachtung.

Tag 5:
Heute startete ich bereits um 7, um um 9 Uhr, pünktlich zum Frühstück, dieses bei einer kleinen Niederschlagspause auf der Hütte Wielka Racza einzunehmen, wo ich die einzigen Fotos mit Aussicht der ganzen Tour schiessen konnte. Hier traf ich ein paar Jungs aus Oberschlesien, mit denen ich mich kaum unterhalten konnte (ich: wenig polnisch, sie: starker Dialekt :-) ), die mir aber erzählten, dass sie sich in der Nacht davor im Wald grob verlaufen hatten und erst um 2 Uhr nachts an der Hütte angekommen waren. Nach meinem Abschied ging ich weiter auf dem Grat, bald die Grenze verlassend in ca 3 Stunden bis in den Talort Zwardon, wo ich wegen nun wieder anhaltendem Niederschlag, auf dieser Höhe in Form von Starkregen, meine Pläne verwarf, noch weiter in die Schlesichen Beskiden zu gehen und am nächsten Tag auf deren höchstem Berg, Barania Gora, zu stehen. Stattdessen stieg ich in den Zug, um 3 Stunden später in Zabrze im Oberschlesischen Industriegebiet anzukommen und mich - wie immer, wenn ich dort bin - ordentlich verwöhnen zu lassen...

Fazit:
Schöne, einsame Tour - aber bei miserablem Wetter. Andererseits: Wäre das Wetter besser gewesen, hätte ich wahrscheinlich nicht die Einsamkeit geniessen können. Wie immer nach einer Tour ist es auch diesmal so dass ich nun noch einige Ideen mehr in dieser Region habe.





Tourengänger: Berglurch


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