Bedretto Süd Couloir`s Prominente Gipfel und viel Strecke


Publiziert von Dolmar , 10. März 2015 um 23:57.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum: 7 März 2015
Ski Schwierigkeit: S+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   I   Gruppo Basodino   Gruppo Pizzo San Giacomo   Gruppo Grieshorn   Gruppo Cristallina 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 3650 m
Abstieg: 3650 m

Zweiter Anlauf 3 Couloir`s im Bedretto Süd zu fahren. Letzten Samstag musste ich wegen schlechter Sicht und viel Neuschnee umkehren. Dieses mal kann nur die fehlende Kondition oder Moral zur Umkehr zwingen. Beides hat gerade gereicht um im Val Bedretto auf der Südseite 3 Couloirs zu fahren und am Folgetag auf den Basódino zu kommen. Ein Wunschgipfel welcher bei meinem ersten Besuch im Val Bedretto  bei meiner wohl nie Enden wollenden " to do" Liste dazu kam.

Sattel zwischen Pizzo Grandinagia Süd und Hauptgipfel (S-) 
Start in All`Acqua am Samstag morgen 7.00 Uhr. Entweder kommen die meisten Tourengeher noch oder sind alle schon voraus geeilt, jedenfalls starte ich alleine.
Eine gut ausgetretene Spur führt hinauf zur Alpe Val d´Olgia.. Ab der Alpe Val d´Olgia geht's über P.2227 in Richtung Btta. die Formazzora.  Der Schnee ist stark windgeprägt, die Bise der letzten Tage hat weiter oben alles verblasen , Bruchharsch, tragender Pressschnee und Pulvergumpen wechseln durch.
Auf höhe Ganone wird gegen die Westflanke des Pizzo Grandinagia abgebogen und in anfangs gemächlicher Steigung geht`s dem Sattel entgegen. Erst ca. 100m unter dem Sattel steilt es tatsächlich kräftig auf. In etwa ab da wo sich ein Couloir Charakter bildet  zwingt mich der harte Pressschnee die Ski ab zu schnallen. Die letzten 50 Hm sind doch ca. 40° Grad steil.
Da ich noch weiteres vorhabe an diesem Tag, geht`s so ziemlich sofort an die Abfahrt.
Sehr ruppig das ganze, null Tiefgang im Pressschnee, wenigstens kein Eis.
Die Abfahrt ist oben harte Arbeit und unten im flacheren ebenso, weil dort wechseln die Schneeverhältnisse ständig durch. Auf ca. Höhe 2350m Felle ich wieder an. Erfreulich ist, mittlerweile Spurt ein Einzelgeher hinauf zur Btta. di Formazzora. seine Spur nehme ich natürlich dankend an.
Zeiten:  Aufstieg zum Sattel Pizzo Grandinagia: in knapp 2 3/4 h, und weitere 5/4h später bin ich bei der Btta. di Formazzora.(11:00Uhr) Entfliehe sozusagen dem Schatten und trete in die Sonne.
Ein Aha Effekt lässt sich nicht leugnen, war ich doch schon mal da, damals leider ohne Sicht. Mit Sicht ist`s schöner.

Pizzo San Giacomo, SE-Couloir  (S+)
Die Sonne leistet ganze Arbeit, so hart die Schneeverhältnisse auf der Nordseite sind, so butterweich kommen sie einem südseitig vor. nach kurzer Abfahrt hinab auf den Giacciaio del Cavagnöö kann  im T-Shirt aufgestiegen werden.
Ich ziehe meine Spur bald schon nach rechts hinauf. Immer leicht ansteigend erreiche ich so zügig und sehr direkt den Flaschenhals des SE-Couloir`s vom Pizzo San Ciacomo.  Hier wird gewechselt. D.h. Ski aufschnallen, auf die Steigeisen kann verzichtet werden. Der Schnee ist ecklig tief, In Wühlarbeit geht`s das Couloir hinauf. Der Planet brennt auf den Rücken, und hier ist Schwerstarbeit zu leisten.
Es rinnt aus allen Poren. Am Ende des Couloir`s mache ich Depot.
Ich klettere über trockene Felsen noch ein paar Meter hoch bis über einen Schneegrat fast waagerecht zum Gipfel aufgestiegen werden könnte. Hier lasse ich es gut sein. Der Schnee ist schon sehr tief und Nass für die Abfahrt. Ich genieße nur kurz die Aussicht in der Sonne. (Guck ich num, Guck im rum, lauter Berge um mich rum) Zu lange will ich nicht mehr warten, wenn tiefer nasser Schnee rutscht, wird`s unangenehm bei der Abfahrt. Schon nach wenigen Schwüngen öffnet sich das Couloir in einen steilen  Hang und es geht in weiteren tollen Schwüngen hinab. Um nicht zu viel Höhe zu verlieren quere ich bald nach Westen und Felle erneut auf dem Ghiacciaio Del Cavagnöö an.
Die Abfahrt in dem tiefen Schnee geht gerade noch. Mann sollte für dieses Couloir zeitig dran sein.
Ich war fast schon zu spät dran. Start Abfahrt: 12:45 Uhr.  

Marchhorn Canalone Marchhorn (S)
Gemütlicher Aufstieg nach ausgiebiger Rast auf dem Ghiacciaio del Cavagnöö zum Marchhorn.
jetzt pressiert`s mir nicht mehr, die letzte Abfahrt wird wieder im Schatten liegen.
Auf der angelegten Spur erreiche ich um ca. 14:00 Uhr das Marchhorn, hier bläst die Bise kräftig.
Mit T-Shirt ist nix mehr. Abfahrt von kurz unterhalb des Gipfels auf naja wie schon bekannt hartem Pressschnee, gefrorenes und teilweise sehr großen Windgangeln zur Einfahrt ins Canalone Marchhorn.
Es warten 3 Türler bei der Einfahrt, welche sich den Gipfel wohl schenken.
Als ich bei der Einfahrt stehe erkenne ich, das gibt für diesen Tag die Jungfernfahrt.
Wiederum ist mit hartem Pressschnee zu rechnen, es geht sehr Steil und ruppig los. Die Steilheit nimmt bald schon ab und ist danach moderat. Die Ruppigkeit bleibt, wird eher noch übler. Unten raus im Flachen kommt noch ein bissle Pulverschnee dazu, damit wenigstens ein paar nette Genußschwünge möglich waren.
Leider keine Genußabfahrt, mit gehörig Butter in den Beinen komme ich unten an.
Bei P.2398 wechsle ich nach Italien über. Der weitere Weg führt mich zur Rifugio Maria Luisa.
Das Gelände oberhalb des Lago Toggia ist unübersichtlich, in unglücklicher Auf und Ab Linie erreiche ich
bummelnd um ca. 17:00 Uhr die Hütte.

2 Tag (Sonntag 08 März)
Basòdino - Marchhorn

Aufbruch bei Rifugio Maria Luisa um 7:10 Uhr zur Kastellücke, noch bin ich wieder alleine. Alle Gäste der Hütte scheinen andere Ziele oder andere Aufbruchzeiten zu bevorzugen. Ca. auf Höhe 2400m beginnt der eigentliche Aufstieg. Die Schneeverhältnisse westseitig sind genauso windgepresst wie nordseitig, nur das hier noch ein wenig Schmelzharschkruste dazu kommt.
Unmittelbar an der Kastellücke holen mich 2 Türler ein, welche im Val Formazza gestartet sind, bei dem Tempo der beiden kann ich nicht mithalten, erfreue mich aber wiederum an der nun gelegten Aufstiegsspur.
Von der Kastellücke wird horizontal nach Süden gequert. bis leicht fallend der nördl. Gletscherarm unterhalb des Kastelhorn erreicht wird. Nun hinauf zum eigentlichen Ghiacciaio Basòdino und immer weiter nach Süden den Ostgrat des Basòdino ansteuern.
Auf dem Ghiacciaio Basòdino sind markante Windgangeln bis 25cm Höhe allgegenwärtig.
Am Gipfelaufbau ist schon gehörig Betrieb von Tourengehern welche von der Cap. Basódino über den weiten Gletscherrücken heraufkommen. Und es kommen noch mehr. Anfangs hatte ich noch spekuliert ob das Schneefeld direkt vom Gipfel abgefahren werden könne, aber die Idee musste ich schnell begraben, hier heroben ist alles eher eisig. Für mich unmöglich zu fahren. Später im Jahr wenn die Sonne mehr Kraft hat könnte man das eventl. versuchen aber heute nicht.
Skidepot am Grat ca. 50-70m unter dem Gipfel. Dank guter Trittstufen der Vorgänger kann ich auf die mitgeführten Steigeisen verzichten. Wegen der Bise fällt die Gipfelsause aus, lediglich ein paar Foto`s und Rundumsicht ist drin.
Unten auf dem Ghiacciaio ist es windstill. Hier läst`s sich aushalten, Sonnenbaden und Vespern. 
Die Abfahrt vom Ghiacciaio del Basódino geht leidlich über große Windgangeln. Mit Skifahren hat das nur entfernt zu tun. Die Abfahrt folgt dem Aufstiegsweg. Dort wo der Ghiacciaio Basódino nach Norden zum Ghiacciaio Kastelhorn abfällt hören die Windgangeln auf.
In wechselnden Schneeverhältnissen geht`s hinab bis ca. Höhe 2500 m. Direkt unter der Falllinie zur Kastellücke wieder angefellt. Hier führt ein steiles Schneeband (je nach Jahreszeit vorhanden Südostseitig ausgerichtet) zu P.2561 bzw. in die Valetta di Fiorina. Es kann aber auch bequemer von weiter unten in die Valetta di Fiorina gequert werden.
Nun weitgehend höhenneutral querend zur Btta.di Val Maggia.
Durch den Südhang des Pizzo Fiorina hinauf zum Passo di Fiorina und weiter über den
Passo dei Matörgn zum Grat des Marchhorn.
Über diesen in leichter kurzer Kletterei auf den Gipfel des Marchhorn. Marchhorn zum zweiten.
Es ist lustiger weise fast die gleiche Uhrzeit wie am Vortag als ich den Gipfel betrete. (kurz vor 14:00 Uhr).
Die Abfahrt vom Marchhorn ist qualitativ wie am Vortag.
Ich schaue lange in das erste Westcouloir hinein, (beginnt direkt beim Aufschwung zum Marchhorngipfel
nordseitig, in etwa auf gleicher Höhe wie das Canalone Marchhorn). Harter Pressschnee bei der Einfahrt
äußerst steiler Beginn und nach einem Knick scheint es wieder richtig Steil zu werden. Es will kein gewinnendes Gefühl aufkommen. Bei den momentan ruppigen Scheeverhältnissen und eventl. ungenügend aufgetauter Schmelzharschkruste weiter unten ist das Ein ? zuviel für mich. Für das Couloir Nord bin ich schlicht zu faul zum rüberlaufen. Also begnüge ich mich mit einer Wiederholung des Canalone Marchhorn und hab richtig Spaß dabei.
Weiter über schöne Hänge welche ab der Alpe Val d´Olgia sogar mit Pulverschnee aufwarten nach All`Acqua.
Zeiten:
Aufstieg zum Basódino 3:35 h
Basódino zum Marchhorn:3 h

Ankunft in All`Acqua um 14:40 h

Wissentlich das dieser Bericht gelesen wird. 
Abschießend noch ein Ski Heil Gruß an die 3 Herren im besten Alter.
Danke für die kurzweilige Gesellschaft am Samstag Abend.

 





Tourengänger: Dolmar


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Kommentare (1)


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Mueri hat gesagt: Herzlichen Glückwunsch
Gesendet am 11. März 2015 um 12:45
... zu dieser gelungenen Kombination von wahren Skitourenhighlights aus dem Tessin. Allzu schade, dass der Schnee bei der Abfahrt oft nicht die wünschenswerte Qualität aufgewiesen hat; das wäre noch das Tüpfchen auf dem 'i' gewesen...

Gruess

Mueri


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