Otto Lilienthals Schicksalsberg und der älteste Flugplatz der Welt


Publiziert von ABoehlen Pro , 6. Oktober 2008 um 20:54.

Region: Welt » Deutschland » Norddeutsches Tiefland
Tour Datum:25 September 2008
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   Ländchen Rhinow   Havelland 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 100 m
Abstieg: 100 m
Strecke:Stölln/Flugplatz - Gollenberg - Stölln - Rhinow
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Bus 687 von Rathenow oder Friesack nach Stölln
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit dem Bus 684 oder 687 von Rathenow nach Rhinow
Unterkunftmöglichkeiten:Restaurant & Pension "Zur alten Stadtmauer" in Rathenow. Unterkünftsmöglichkeiten gibt es auch in Rhinow und Stölln
Kartennummer:Topografische Karte 1:25'000, Blatt 3240 Rhinow

Nach der abwechslungsreichen Tour durch die Rhinower Berge wenden wir uns nun dem Gollenberg zu, dem mit 109.2 m höchsten Punkt im Landkreis Havelland.

Nach den erfolgreichen Flugversuchen von Otto Lilienthal 1893 in den Rhinower Bergen, hat er seinen Hauptübungsplatz bald auf den Gollenberg verlegt, wo er noch idealere Bedingungen vorfand. Die erfolgreichen Flugversuche mit einer ganzen Reihe selbst konstruierter Fluggeräte (darunter auch Doppeldecker) nahmen ein jähes Ende, als er am 9. August 1896 beim zweiten Flug an diesem Tag, infolge einer Luftturbulenz aus etwa 15 Metern Höhe abstürzte und sich den dritten Halswirbel brach; eine Verletzung an deren Folgen er am nächsten Tag erlag. Der Tod des ersten Fliegers löste weitherum grosse Bestürzung aus, aber die Entwicklung der Fliegerei war nicht mehr aufzuhalten. In den USA bauten die Brüder Wright auf Basis der Arbeiten Lilienthals eigene Flugzeuge und konnten nach mehreren Jahren Entwicklungsarbeit und Tests 1903 zum ersten Motorflug der Geschichte starten. Aber auch am Gollenberg fanden sich immer wieder "tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten" ein und nutzten die idealen Windverhältnisse. Im Laufe der Jahre entstand am Südfuss des Berges ein kleiner Segelflugplatz, der noch heute existiert wird und somit der älteste der Welt ist.

Damit aber nicht genug: Am 23. Oktober 1989 landete ein ausgemustertes Langstrecken-Verkehrsflugzeug vom Typ Iljushin Il-62 der DDR-Fluggesellschaft Interflug auf der nur 860 Meter kurzen sandigen Graspiste und rollte aus eigener Kraft auf eine Anhöhe hinauf, wo es heute noch steht. Etwas derartige hat es nie zuvor gegeben und für diese Leistung gab es einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde!

Entlang dem Flugfeld, welches nur am Wochenende genutzt wird, erreichen auch wir die Iljushin, welche nach Lilienthals Frau "Lady Agnes" benannt wurde, und besichtigen die im Innern liebevoll eingerichtete Ausstellung über Lilienthal. Ein sehenswerter Film zeigt uns danach auch, wie es bei der Landung dieses riesigen Donnervogels zu und her ging. Da kann man nur noch staunen!

Nach einem Kaffee begeben wir uns auf den Rundweg über den Gollenberg. Dieser beginnt gleich oberhalb der "Lady Agnes", wo ein Gedenkstein für Paul Beylich errichtet wurde. Beylich war Lilienthals Gehilfe und er war auch Augenzeuge des tödlichen Sturzes. Dank ihm ist genau bekannt, was sich damals an diesem 9. August 1896 ereignete.

Der Gollenberg beherbergt eine weitherum einzigartige Flora und Fauna und steht seit 1990 unter Naturschutz. Dies bedeutet, dass die bezeichneten Wege nicht verlassen werden dürfen. Die lichten Wälder, von ausgedehnten Heidekrautbeständen durchzogen, haben einen ganz besonderen Reiz. Vom Gipfel blickt man weit hinaus in das flache Land und auf Informationstafeln erfährt man alles Wissenswerte über diesen besonderen Berg.

Von der Einsattelung nördlich des Gipfels führt ein steiler Weg ca. 35 m in den Nordhang hinunter zum Denkmal an der Absturzstelle Lilienthals. Diese wurde von den Einheimischen zunächst mit einem Kreis aus Feldsteinen markiert, ehe 1954 dieser Gedenkstein errichtet wurde. Die Inschrift darauf entstammt Lilienthals Buch "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst":

Es kann Deines Schöpfers Wille nicht sein,
Dich, Ersten der Schöpfung, dem Staube zu weih'n,
Dir ewig den Flug zu versagen.


Es ist ein besonderer Platz, wo es sich lohnt, für einen Moment zu verweilen.

Zurück auf dem Grat folgen wir weiter dem Rundweg, der uns an den Südfuss des Gollenberges führt, wo sich eindrückliche Sanddünen türmen, bewachsen nur von schütterem Gras und Heidekraut.

Für den Rückweg nach Rhinow steigen wir von der "Lady Agnes" nach Stölln hinunter und folgen von da an dem Radweg, der parallel zur Hauptstrasse verläuft. So endet ein herrlicher Tag in einer faszinierenden, leider viel zu wenig bekannten Gegend. Eigentlich sollte für jeden Flugbegeisterten und erst recht für jeden Piloten eine Reise ins Ländchen Rhinow, an die Wiege der Fliegerei, zum Pflichtprogramm gehören.

Link zum nächsten Tag

Tourengänger: ABoehlen

Galerie


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