Piz Tschütta (3254)


Publiziert von ironknee , 30. September 2008 um 14:31.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum:28 September 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Muttler Gruppe   CH-GR 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m

Hardcore Bruch-, Schutt und Schotter-Tour auf einen schroffen und selten bestiegenen Bündner.
 
Der Piz Tschütta ist ein riesiger Dolomitklotz auf Bündnerschiefer. Die gesamte Südflanke ist sehr brüchig und regelmässig donnern grössere Felsmassen zu Tale. Am Vorabend beobachteten wir einen mehrere Meter grossen Fels der donnernd und hallend ins Vall Urezza stürzte und in tausend Stücke zerbarst. Auch im zentralen Couloir zwischen West- und Ostgipfel rumpelt es regelmässig und spontan. Die Gefahren sind klar, packen wirs an!
 
Tag 1: Zuort (1711) – Alp Pradgiant (2075) – Tschütta (2465) – Biwakplatz (ca. 2800)
 
Die Tour begann ganz gemütlich bei einem Bierchen auf dem Hof in Zuort. Anna, Stani und Zina leisteten uns an diesem Tag Gesellschaft und begleiteten uns später bis zum Biwakplatz.
 
Der Aufstieg führt zunächst vom Hof Zuort über eine Wiese zum Bach bei P1749. Man überquert den Bach über die Brücke und folgt dem Wanderweg nach Griosch (1817). Etwa 30 Meter südlich von P1817 beginnt im Wald ein schmaler Pfad dem wir im Abstieg zufälligerweise entdeckt hatten. Dieser Pfad führt hinauf zu den Wiesen bei Pra Pradgiant und ist eine kleine Abkürzung. Nachdem die lange Wiese erstiegen ist, folgt man wieder der Fahrstrasse bis zur Alp Pradgiant (2075).
Nun steigt man, auf dem Wanderweg der zur Fuorcla Maisas führt, durch den Wald bis in die Nähe von P2227. Leicht absteigend quert man hinunter zu P2196 wo sich die beiden Bäche vereinigen. Eine auffällige, kleine Felswand mit einer natürlichen Brücke darauf und einer felsigen Rinne zeigt einem, dass man am richtigen Ort ist. Wir steigen rechts der Wand durch eine steile, grasige Rinne hinauf auf die Wiese (links herum geht’s auch etwas weniger steil). Nun quert man weit nach links über den steilen Grashang und steigt, einen grossen Bogen beschreibend, hinauf nach Tschütta (2465). Bis zum Biwakplatz in der Nähe von P2811 folgt man dem breiten Grasrücken.
 
Tag 2: Biwak (ca. 2800) – Piz Tschütta (3254) – Biwak – Tschütta – Zuort
 
Nach einer sternenklaren und langen Nacht starten wir schliesslich bei Tageslicht zum Gipfelsturm. Zunächst geht es über Schieferschutt, eine letzte gelbe Markierung bewundernd, einige Meter gerade hinauf. Bei der ersten Gelegenheit quert man nach rechts in die Flanke hinaus und in eine erste Rinne. Durch diese Rinne klettert man einige Meter hoch bis eine weitere Querung, aufsteigend, nach Osten möglich erscheint. Man steigt bis zu einer schwach ausgeprägten Rippe und quert dann zurück (westlich) bis unter die auffällige, senkrechte Felswand (bis hierher T4 bis T5). Bei einem auffälligen, gelblichen Fels kann die Barriere über glatte Tritte überwunden werden (II+).
Nun sollte man so bald wie möglich nach links zur Rippe, die das zentrale Couloir rechts begrenzt, queren. Auf der Rippe ist der Fels fester und es hat weniger Schutt. Trotzdem muss jeder Tritt und Griff genauestens geprüft werden. Ein Ausrutscher wird garantiert nicht verziehen!
Über die Rippe (anhaltend II) klettert man nun hoch (stellenweise in die Flanken ausweichend) bis sie langsam verflacht und steiler wird. Es sind nun noch etwa 50 Höhenmeter bis zum Gipfel. Durch eine sehr heikle Rinne und über plattigen Fels gelangt man schliesslich, immer leicht rechts haltend, zum Gipfel.
 
Den Abstieg haben wir ungefähr auf der gleichen Route hinter uns gebracht.
 
Hinweise und Tipps für Tschütta-Aspiranten:
 
  • Die Besteigung des Tschütta auf dieser Route ist objektiv sehr gefährlich. Der Steinschlag ist zum Teil massiv.
  • Das im Führer beschriebene zentrale Couloir ist bei den jetzigen Bedingungen nicht zu empfehlen. Man ist dort schutzlos dem Steinschlag ausgeliefert. Auf der Rippe rechts des Couloirs ist man am sichersten.
  • Kletterausrüstung bringt so gut wie nichts. Das Gelände ist so brüchig, dass Friends oder Keile den Fels sprengen würden. Schlingen können kaum angebracht werden. Abseilen war nur einmal möglich und brachte auch nicht viel.
  • Zur psychologischen Unterstützung könnte das Gehen am kurzen Seil helfen. Man muss sich jedoch über die möglichen Konsequenzen eines Sturzes im Klaren sein.
  • Ein Sturz im oberen, steilen Teil wird nicht verziehen. Das Gelände ist zu wenig gestuft um die Rutschpartie aufhalten zu können.
  • Mehr als zwei Bergsteiger gleichzeitig verträgt das Gelände nicht. Man muss zu Zweit schon gestaffelt klettern.
  • Für den Abstieg vom Gipfel bis zu P2811 muss man mit der doppelten Zeit wie für den gleichen Aufstieg rechnen.
  • Eine Besteigung scheint im Frühsommer, bei genügend (hartem!!!) Schnee, vernünftiger.
 
Diese Hinweise sind keine Angstmacherei und dürfen nicht falsch verstanden werden. Sie sind der Spiegel der Realität in der Südwand des Piz Tschütta und sollen allfällige Aspiranten auf das Gelände vorbereiten.
 
Tour mit Sputnik.

Anna, Stani und Zina haben uns am ersten Tag bis zum Biwakplatz begleitet. Vielen Dank fürs mitschleppen des Materials!
 
 
Good hike,

ironknee

Tourengänger: Sputnik, ironknee

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T6+ WS+ II

Kommentare (2)


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Anna hat gesagt: Schnee
Gesendet am 3. Oktober 2008 um 11:52
Salü Dani,

Wie geht's es dir?

Ihr habt das Wochenende sehr gut gewählt. Heute schneit schon um 1400m. und alles weiss ist...

Es war toll letzte Woche zusammen auf den Grassrücken des Piz Tschütta zu laufen.

Viele liebe Grüsse aus Ramosch und noch einmal herzlich gratuliere für diesen tollen Berg,
Anna&Co.

ironknee hat gesagt: RE:Schnee
Gesendet am 3. Oktober 2008 um 19:40
Hoi Anna

Mir geht's gut! Danke der Nachfrage und für die Gratulation. :)

Ja, das war wohl die letzte Gelegenheit in diesem Jahr um den Tschütta zu besteigen. Aber ich gehe mal davon aus, dass es sowieso lange dauern wird bis jemand diese Tour wiederholt.

Liebe Grüsse,

Dani & Co.



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