Vorder Selbsanft Nordgrat und Bifertenstock via Eisnase


Publiziert von justus Pro , 27. Oktober 2014 um 08:23.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:29 September 2014
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Bifertengruppe   Hausstockgruppe 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 4000 m
Abstieg: 3000 m

Der Vorder Selbsanft und der Tödi beherrschen die Szenerie oberhalb von Linthal. Hoch ragt der Vorder Selbsanft mit seiner schönen Pyramidenform über Tierfehd auf, und die Tour (topo 1, 2) über den Nordgrat bietet abwechslungsreiches Gelände sowie imposante Tiefblicke. Für ihre Länge und alpinen Charakter wird sie recht häufig begangen. Meist mit Abstieg über die Schibenrus, oder als zweitägige Tour mit Aufstieg auf den Bifertenstock via Eisnase. Beide Varianten sind schon hier beschrieben worden (erste hikr Berichte: click, mit Biwak: click, oder Abstieg durch die Schibenrus: click). Schon lange stand diese Tour auf meiner Wunschliste.

Das gefühlt erste schöne Herbstwochenende des Jahres verpasse ich wegen eines Firmenausflugs, der sicher um einiges ungesünder war als ein Wochenende in den Bergen. Doch auch am Montag soll noch hervorragendes Wetter sein und Mueri ist nach seiner Mönchüberschreitung am Sonntag immer noch voller Energie, so dass wir eine erstklassige Zweitagestour unternehmen können.

Tierfehd 810m - Vorder Selbsanft 2751m - Plattas Alvas 2950m - Bifertenhütte 2482m

Wir starten angesichts des vorhergehenden anstrengenden Wochenendes erst um sieben im Tierfehd bei herrlichem Herbstwetter. Auf der Fahrstrasse wandern wir über die Panthenbrücke bis kurz vor die nächste Brücke.

Dort zweigt ein sehr guter Weg der Kraftwerke nach links ab. Immer auf dem Weg geht es erst hoch hinauf bis zu Felsnischen wahrscheinlich vom Bau der Kraftwerke. Weiter auf dem Weg hinunter ins Limmerntobel. Früher im Jahr kann wohl Lawinenschnee ein Problem sein, doch so spät im Jahr gelangen wir unproblematisch im Bachbett bis zur Wasserfassung.

Bei der Wasserfassung habe ich dann gleich den heikelsten Moment des Tages. Ein Seil links hinauf verleitet zu dem Versuch oberhalb der Betonplatte zu queren. Doch stellt sich der Boden dort als nur dünne Dreckauflage auf der Platte heraus, die leicht ins Rutschen gerät. Ein ziemlich vorsichtiger Rückzug ist angesagt bevor wir rechts der Wasserfassung einfach in gut gestuftem Fels aufsteigen. Auf der Bifertenhütte lernen wir dann, dass das Seil für die Pendelquerung der Betonplatte dient.

Auf deutlichen Trittspuren geht es direkt oberhalb der Wasserfassung den Birchgang hinauf bis nach Birchli. Von dort rechts ausholend über das erste Felsband. Nun steigen wir links haltend auf, weiterhin Tritt- und Gemsspuren folgend . Die erste schöne aber steile Grasflanke nutzen wir um rechts hinauf auf den Luegboden zu gelangen. An dem, in den meisten Berichten erwähnten, Zeichen der Kraftwerke sind wir nicht vorbeigekommen oder haben es übersehen.

Vom Luegboden über Gras und Fels geht es relativ einfach bis unter die markante Felswand. Dieser folgen wir nach rechts (Steinmänner) bis zur ersten einfach zu ersteigenden Stufe (I). Weiter durch eine Rinne und Schrofen zurück auf den Grat.

Nun folgen wir mehrheitlich dem Grat. Zwischendurch hat es mitunter anregende Kraxelei und ordentliche Tiefblicke. Später flacher bis zum Goldenen Horn, welches über Stufen und Bänder links hinauf einfach erstiegen wird. Nun steigen wir auf dem grossen Geröllband bis unter die folgende Felswand. Hier zeigen Bohrhaken den Einstieg in die kurze Kletterei (III). Die letzten Meter dieser Kletterei kann man wohl auch durch eine Querung nach links umgehen.

Nun über Felsen und Schutt weiter hinauf unter die nächste Felswand. Hier sind wir nicht sicher ob wir den richtigen Kamin genommen haben. Nach links unter der Wand querend nehmen wir den ersten Kamin, der uns erfolgsversprechend scheint (III, nach Fotovergleich derselbe wie in den anderen Berichten). Durch diesen hinauf und durch einen weiteren plattigen Kamin/Riss auf das Schuttband unter dem Gipfel. Auf diesen gelangen wir indem wir zuerst direkt hinauf auf denn Grat kraxeln und die letzten Meter dem Südgrat folgen.

Hier merke ich, dass ich nicht genug gegessen habe, und langsam unterzuckert bin. Leider habe ich diese Erkenntnis etwas zu spät und so wird der Weiterweg ein wenig zur Qual. Es geht zuerst hinüber zu dem nächsten steilen Aufschwung nach Platas Alvas der direkt leicht erstiegen wird.

Langsam ist mir dank dem Unterzucker recht schlecht und ich bremse unser Fortkommen deutlich. Erst nach dem Mittler Selbsanft, wo ich mich von einem Teil der letzten Mahlzeit trenne, geht es wieder besser.

Durch Schuttmassen und zuletzt über glatte Felsen laufen wir bis zum Limmernfirn. Dieser lässt sich momentan gut ohne Steigeisen queren und wir erreichen bald das Limmerenband. Dieser letzte Aufstieg zieht sich nochmals, bevor wir zur Bifertenhütte hinunter laufen können.

Die Bifertenhütte ist sehr klein, doch teilen wir die Hütte diesesmal nur mit zwei anderen Wanderern. So geniessen in gemütlicher Runde das Znacht von Hüttenwartin Moni.

Bifertenhütte 2482m - Bifertenstock 3419m via Eisnase - Chalchtrittli 1860m

Um kurz nach sechs brechen wir bei leider schon bedecktem Himmel auf. Nur ganz im Osten zeigt sich ein wenig Morgenrot.

Es geht das Limmerenband wieder hinunter bis zum Gletscher. Auf diesem steigen wir über Schutt möglichst weit hinauf, bevor wir auf die Steigeisen wechseln. Nun ganz bis ans Ende des Gletschers. Der Bifertenstock steckt leider im Nebel, aber der Einstieg zur Eisnase ist gut zu sehen.

Zuerst steigen wir in gutem Trittschnee am rechten Rand auf. Wo es steil wird kann man nach rechts in die Felsen ausweichen, doch wir klettern die ersten paar Meter im Blankeis, um dann ein wenig weiter rechts in dünner Schneeauflage weiterzusteigen.

Hier leiste ich mir den nächsten gröberen Fehler der Tour und mir gleitet beim kurzen Pausieren der eine Pickel aus. Glücklicherweise bleibt er etwa 30m weiter unten in weicherem Schnee hängen. Also mit einem Pickel nochmals runterpickeln und wieder hinauf. Endlich gelange ich so auch auf dem Gipfelgrat an, wo Mueri schon länger wartet.

Hier ist die Sicht nun sehr eingeschränkt, so dass wir froh sind, dass es noch Spuren vom Vortag hat. Nach kurzer Gipfelrast geht es erst dem Grat entlang zurück und weiter dem Grat entlang bis zu den Eisenstiften/Kette, die nach rechts (Süden) zum Firnfeld hinunter führen. Jetzt sind wir etwas unterhalb der Wolken und man kann den ersten Steinmann auf dem Bänderweg (sehr ausführlicher Beschrieb hier) schon sehen. Leider haben wir auf dem Bänderweg wieder meist keine Sicht und noch dazu Nieselregen und kommen so nicht in den Genuss der wohl spektakulären Aussicht. Der Bänderweg bietet keine grösseren Schwierigkeiten, so dass wir schnell wieder bei der Hütte sind.

Nach kurzer Rast geht es auf zum elendig langen Trott zurück zur Seilbahn bei Tierfehd. Trotz dem langen Rückweg in konstantem Nieselregen war auch der zweite Tag dieser super Tour ein gutes Bergerlebnis.

Für die Eisnase braucht es Pickel und Steigeisen und evtl Schrauben. Das Seil haben wir wiedermal mitgeschleppt und nicht benötigt, aber ich würde es trotzdem wieder mitnehmen.

Merci Mueri für diese tolle Tour.

Tourengänger: justus, Mueri


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Kommentare (7)


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alpinos hat gesagt:
Gesendet am 27. Oktober 2014 um 15:05
Glückwunsch zur super Tour und vielen Dank für die gute Dokumentation! Schade, dass das Wetter nicht gehalten hat...

Viele Grüsse von den alpinos

mde hat gesagt: Zeitmanagement
Gesendet am 27. Oktober 2014 um 15:31
Schöne Tour, danke für den Bericht!

Eines Tages möchte ich diese auch realisieren. Am elegantesten wäre es dabei, vom Tierfehd gleich inklusive Eisnase bis in die Bifertenhütte oder gar ins Tal zu kommen. Ziemlich sportlich natürlich, aber möglich sollte es sein. Soweit ich aus den Fotozeiten ablese, waren es ca. 5.5h bis auf den Vorder Selbsanft, dann ca. 2h bis zum Limmerenfirn, von wo man in 2 weiteren Stunden zum Gipfel kommt. Bis zum Ende der Schwierigkeiten beim Bänderweg nochmals ca. 2h und ab da 1h bis zur Hütte?! Das macht total 12.5h, somit nicht unmöglich an einem Tag Ende August oder Anfang September (alles in allem wohl die beste Jahreszeit für die Tour). Falls dies grenzenlos zu optimistisch ist, bin ich um Korrektur froh!

Grüsse, Marcel

justus Pro hat gesagt: RE:Zeitmanagement
Gesendet am 27. Oktober 2014 um 22:20
hoi marcel,
im aufstieg habe ich mich auch gefragt ob man das nicht in einem tag machen kann. als ich dann oben unterzuckert herumgestolpert bin war ich mir dann weniger sicher :)

aber ich denke das waere auf jeden fall zu machen, wenn die verhaeltnisse an der eisnase gut sind. 5h vom tierfehd bis auf den hauserhorngipfel sollte kein problem sein, im gipfelbuch ist ein eintrag der glaube ich 3.5h angibt. auf dem weg zum limmernfirm habe ich uns ziemlich gebremst, da muss man nur die entfernung machen. und vom bifertengipfel bis zurueck zur huette hatten wir 2:10h. sportlich wirds dann vor allem mit noch einem abstieg von der huette (oder eisnase wieder runter und durch die schibenrus zurueck ins tierfehd).

viel erfolg
/justus

mde hat gesagt: RE:Zeitmanagement
Gesendet am 5. November 2014 um 15:19
Hallo Justus,

Vielen Dank für die Zusatzinfos, genau darauf hatte ich gehofft. In der Theorie lässt sich nun also ein Plan machen... denke von der Hütte braucht man auch nicht mehr mehr wie 2h nach Brigels, daher liegt auf dem Papier Tierfehd-Brigels schon drin. Das Ganze in die Praxis umzusetzen, ist aber natürlich eine andere Hausnummer - eh klar!

Beste Grüsse, Marcel

Dolmar hat gesagt:
Gesendet am 27. Oktober 2014 um 18:09
Gratuliere euch zur gelungenen Tour,
schöne Bilder
Gruss
Markus

Sputnik Pro hat gesagt: Phantastische Roundtour!
Gesendet am 27. Oktober 2014 um 20:17
Gratuliere Euch zur einsamen wilden Tour im Glarnerland, das ist Bergsteigen!

Gruss, Sputnik

morphine hat gesagt:
Gesendet am 23. September 2015 um 16:09
Absolute Sahnetour mit eimaligen Aufnahmen ist Euch da gelungen. Wirklich schade mit dem Wetter am 2. Tag! Gratulation!


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