Brätterstock über den Nordostgrat


Publiziert von Tobi , 16. Oktober 2014 um 21:16.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:26 Juni 2014
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Brienzergrat   CH-BE   CH-OW   CH-LU 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1550 m
Abstieg: 1550 m
Strecke:15km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Sörenberg, Rothornbahn
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Sörenberg, Rothornbahn

Bei meinem langen Marsch von zu Hause aus auf den höchsten Luzerner hat es leider mit dem Brätterstock nicht geklappt (Hikr hat darüber *berichtet). Somit fehlt mir der höchste komplett auf Luzerner Boden liegende Gipfel immer noch. Dafür bietet sich mir nun die Chance herauszufinden, ob sich dieser Gipfel auch über den Nordostgrat erreichen lässt.
 
Von der Endstation des Postautos bei der Talstation wandere ich über die Ober Habchegg (1309m) Richtung Nesselwäng. Eigentlich habe ich gehofft, dass die leichten Kopfschmerzen an der frischen Luft vergehen werden. Doch leider begleiten mich diese weiter, so dass ich doch eine Tablette einwerfen muss. Vielleicht ein Fehler…
 
Bei der Alp auf 1445m zweige ich vom markierten Weg ab und quere aufsteigend die Weide unter dem Felsen Richtung Südwesten. Nach den Felsen verspüre ich aber keine grosse Motivation die steilen Flanken hoch zum Grat in Angriff zu nehmen. Eine durchgehende Route ist von unten nicht zu erkennen, die Erfolgsaussichten zu ungewiss.
 
Erst nach dem Überqueren des aus einem ausgeprägten Einschnitt hervorgehenden Grabens auf ca. 1700m erscheint mir die Gelegenheit für einen Aufstieg zum Grat günstig. Ich versuche mich an die Kante des Einschnitts zu halten und gewinne über ein Gras-Fels Gemisch an Höhe. Obwohl ich schon in weit wilderem Gelände unterwegs gewesen bin, fühle ich mich nicht wohl. Mich plagt ungewohnt ein leichter Schwindel. Sind dies Nebenwirkungen der Kopfweh-Tablette? Oder Folgen der längeren T6-Abstinenz?
 
Trotzdem setze ich mein Unterfangen mit der nötigen Vorsicht fort. Nach einer kleinen Felsstufe (II) lehnt sich das Gelände etwas zurück, nun dominiert das Grün. Die letzten Meter zum Grat, den ich etwa 150m südwestlich der Kote 1977 erreiche, präsentieren sich wieder etwas schuttiger. Durch den späten Einstieg habe ich allerdings schon den grossen Teil des Grates verpasst. Ich kann nur noch einige Meter geniessen, bevor ich für den letzten Aufschwung in Nordflanke ausweichen muss. So erreiche ich den Brätterstock (2115m) nicht ganz auf der angestrebten Linie, aber zumindest hat es mit diesem Gipfel endlich geklappt.
 
Der weitere Gratverlauf zum Schongütsch macht zunächst einen grimmigen Eindruck. Doch der Eindruck täuscht: T5-Genuss pur. Dennoch brauche ich für die wenigen Meter eine geschlagene Stunde. Allerdings weil ich unterwegs von einer Horde Steinböcke abgelenkt werde, deren Treiben mich während einer halben Stunde in den Bann zieht.
 
Der weitere Weg vom Schongütsch (2320m) Richtung Rothorn absolviere ich dafür umso flotter, die letzten Meter im Slalom um die Touristenströme. Das Restaurant war entsprechend proppenvoll. So ziehe ich mit knurrendem Magen weiter durch den dichten Nebel Richtung Gipfel. Umso grösser ist die Überraschung, als plötzlich die Seilbahnstation aus dem Nebel auftaucht. Habe ganz vergessen, dass es dort auch noch eine Beiz gibt. Hier empfängt mich allerdings das Schild „geschlossene Gesellschaft“. Aber zum Glück gibt es im Untergeschoss noch genügend Platz. Und die Älplermagronen mit Apfelmuss werden erst noch zügig serviert.
 
Nach dem Mittagessen und einem Abstecher zum Brienzer Rothorn (2349.7m) verabschiede ich mich definitiv aus dem Touristen-Gewusel. Der Kantonsgrenze entlang wandere ich zum Arnihaaggen (2207m) und in gleicher Richtung weiter zu dessen höheren Nordostgipfel (2212).
 
Im Abstieg auf dem Grat nach Norden tauche ich endlich unter den Nebel und habe freie Sicht. Ab dem Sattel bei Pt 2058 treffe ich auf deutliche Trittspuren. Der folgende felsige Aufschwung meistert man am besten in der rechten Flanke. Das Gesimse links führt ins brüchige Nirvana, glaubt es mir… Genüsslich weiter über den mit Blumen garnierten Grat zum Arnitriste (2005m).
 
Für den Abstieg wähle ich eine ziemlich direkte Linie nach Nordosten zu Pt 1658m und weiter auf dem Pfad zur Alp Mittlist Arni (1610m). Ab hier mit Ausnahme einer kleinen Abkürzung langweilig weiter auf der Fahrstrasse. Da ich das nächste Postauto nur mit einem Sprint erreichen würde, lasse ich mich bei Pt 1419 zu einem Abstecher zur wenig ausgeprägten Erhebung der Arni-Ziflucht (1538m) hinreissen. Ein weder alpinistisch noch touristisch lohnendes Ziel. Diesen „Gipfel“ hätte ich mir auch schenken können und stattdessen die Wartezeit aufs übernächste Postauto im Alpbeizli Arnischwand (1373m) überbrücken können. Nun reicht die Zeit immerhin noch, um mich in dieser Alp mit Käse einzudecken. Habe ich zumindest gedacht, denn gegen Ende meiner Tour muss ich meinen Schritt doch noch etwas beschleunigen, um nicht das angepeilte Postauto zu verpassen. Aber vielleicht hätte ich doch lieber das allerletzte Postauto anvisieren sollen: In diesem wären vielleicht weniger Schulklassen auf der Rückreise von ihrem Schulreisli gewesen…
 
 
 
Fazit: Zumindest halbwegs konnte ich den Brätterstock von Nordosten über den Grat besteigen. Mit etwas mehr Pioniergeist – und natürlich den üblichen Voraussetzungen für solches Terrain mit Überraschungspotenzial  – könnte man da sicher mehr rausholen…
 

Tourengänger: Tobi


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