Rauheck, Kreuzeck und Fürschießer im Föhnsturm


Publiziert von Tuppie , 13. Oktober 2014 um 22:01.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum: 9 Oktober 2014
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 11:15
Aufstieg: 2006 m
Abstieg: 1916 m
Strecke:27 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PKW bis Parkplatz Renksteg (Gebühr 5 Euro für 1 Tag)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Busverbindung von Spielmannsau zum Parkplatz Renksteg
Unterkunftmöglichkeiten:entlang der Route: Kemptner Hütte
Kartennummer:Zumstein Nr. 4 - Oberstdorf

Die Überschreitung von Rauh- und Kreuzeck ist schon lange eine Wunschtour von mir. Dass es sich um eine durchaus lange Tour mit vielen Höhenmetern handelt, war mir klar, so dass ich im letzten Jahr „gekniffen“ hatte und mir so ein Jahr Wartezeit auferlegte. Dieses Jahr bin ich in besserer Form, bin mir aber nicht sicher, ob die Fortführung der Tour zum Fürschießer und der Abstieg über die (noch geöffnete) Kemptner Hütte nicht doch zu viel werden würde. Alternativ kann man auch vom Kreuzeck über den Bettlerrücken absteigen, was auch eine ordentliche Tagestour ergibt, aber auch deutlich kürzer ist.

Um 6:00 Uhr starte ich in Hindelang und fahre über Sonthofen nach Oberstdorf. Westlich an Oberstdorf vorbei steuere ich den Parkplatz „Renksteg“ an und kann hier gegen 6:40 Uhr starten. Ein ungeheuer warmer Föhnwind weht durchs Tal – schön, dass man nicht frieren muss, wie es ja im Oktober um diese Uhrzeit auch sein kann. Ein fast kreisrunder Vollmond scheint herab und gibt ausreichend Licht.

Über Asphalt geht’s Richtung Gertruben und ich kann schöne Blicke auf Kratzer und Trettachspitze genießen. Die Asphaltpiste nach Gerstruben ist, zumindest zu dieser Morgenstunde, nicht sonderlich reizend, macht nichts, das wird noch!!!

Kurz nach halb acht erreiche ich schließlich die Gerstrubener Höfe und bin bei den Blicken, die sich mir bieten, völlig begeistert: die erste Sonne an der Trettachspitze, die kühne Höfats, deren Westgipfel man von hier als spitzer Zacken sehen kann und im Talschluss das unscheinbare Rauheck. Toll! Natürlich scheint die Sonne noch nicht ins Tal, aber fotogen ist die Szene allemal. Ab hier geht es recht flach ins Dietersbachtal hinein, sehr romantisch durch eine Allee, die den Weg eine Zeit lang säumt, dann offener. Um 8 Uhr wandere ich an der Gerstruber Alm vorbei, während die ersten Sonnenstrahlen auf dem Gipfel der Kegelköpfe zu sehen sind. 20 min. später bin ich an der Dietersbachalm (1326 m), das Rauheck und Kreuzeck nun riesengroß vor mir. Ab hier geht´s wieder steil bergauf, der Anstieg zum Älpelesattel steht an.  Ausgeschildert sind bis dort 1,5 Std., bis zum Rauheck 3 Std. Abwarten.

Steil geht es bergan, gut zu gehen, aber anstrengend. Runter sicher nicht so schön, dann so etwas Steiles lieber rauf. So macht man wenigstens Höhenmeter. Etwas schlapp fühle ich mich, liegt auch sicher daran, dass ich bis dato nüchtern unterwegs bin und nur vor der Abfahrt etwas getrunken habe. Spätestens um 9 Uhr will ich daher Pause machen, dann läufts irgendwie gut und ich sehe, dass der Älpelesattel näher rückt. Um 9:15 Uhr bin ich am Älpelesattel auf 1772 m und werde mit einer Wahnsinnsaussicht belohnt: besonders beeindruckend ist der Blick in die Bergwelt des Oytales mit der Wildengruppe, dem Himmelhorn mit dem messerscharfen Rädlergrat und natürlich der unmittelbar vor mir aufragenden Höfats. Zwei einheimische Jungs wollen noch auf deren Ostgipfel. Na dann, viel Erfolg!

Nach 20-minütiger Pause mache ich mich an den weiteren Anstieg Richtung Rauheck. Recht steil, aber gut zu gehen, geht es höher und mein Puls ist schnell wieder auf „Betriebstemperatur“. Eine halbe Stunde kostet mich der erste Steilaufschwung zum Seichereck, dann wird es  - auf etwa gut 2000 m - kurz flach. Hier zweigt der Abstieg zum Eissee ab. 4 Stunden sind bis zur Kemptner Hütte ab hier ausgeschildert, man wird sehen. Laut Beschilderung ist der Abschnitt  zwischen Märzle und Eissee 2012 generalsaniert worden.

Während des weiteren Aufstiegs kommt ein wahrer Föhnsturm auf, der in heftigen Böen über den Grat weht. „Sehr windig“ wäre wirklich untertrieben. Der Sturm hält mich etwas auf, doch um Punkt 11 Uhr erreiche ich den Gipfel des Rauheck. Mit mir am Gipfel ist ein Paar, das von der Kemptner Hütte hochgestiegen ist. Auch sie sind über den heftigen Wind erstaunt und meinen, dass die Böen am Gratübergang vom Kreuz- zum Rauheck grenzwertig waren. Von hier oben sehe ich nur, dass sich der Grat weiter unten etwas zusammenschnürt, das sieht aber nicht weiter dramatisch aus. Man wird sehen.

Die Aussicht ist auf jeden Fall fantastisch: im Norden dominieren die steilen Grasberge wie Höfats, Himmelhorn und Schneck, dann folgen Wildengruppe, Hochvogel, Zugspitze, die Berge rund ums Lechtal, bis weiter im Süden kein Weitblick möglich ist, weil man hier grandiose Nahblicke auf die Gipfel der Hornbachkette genießen darf. Im Westen schaut man bis zu Säntis und Bodensee. Auch hier oben weht es mitunter ganz gehörig (im Wetterbericht konnte ich nach der Tour von vorhergesagten Böen bis zu 70 km/h lesen, die sicher auch erreicht worden sind; das entspricht immerhin Windstärke 8 nach Beaufort), so dass man Probleme hat, den Fotoapparat ruhig zu halten. Zwischen den Böen wird es teilweise fast windstill, dann kann man die warme Herbstluft in vollen Zügen genießen (in Tallagen soll es bis zu 26°C werden).

Nach halbstündiger Pause mache ich mich auf den weiteren Weg Richtung Kreuzeck. Das ist heute die lange Variante über Fürschießer und Kemptner Hütte wähle, steht für mich nun fest. Gemütlich geht es bergab in die Scharte zwischen den beiden Gipfeln, wo sich abermals Wanderer über den starken Wind beklagen und betonen, dass man erhöhte Vorsicht walten lassen muss. Auf gutem Weg geht es von der Scharte auf 2261 m wieder aufwärts. Der eigentliche Kreuzeckgipfel liegt, nachdem man eine Art Vorgipfel überschritten hat, in dieser Richtung etwas rechts des Wanderwegs, der wenige Höhenmeter unterhalb am Gipfel vorbeizieht. Um 11:59 Uhr bin ich denn auch hier am gipfelmarkierenden Grenzstein des Kreuzecks, Kreuze gibt es auf beiden Gipfeln nicht.

Ich gönne mir nochmals eine kleine Rastpause, mache Fotos und genieße die Aussicht. Nach einer Viertelstunde geht´s weiter Richtung Märzle. Angenehm zu gehen geht in leichtem auf und ab hinunter und dann kommt völlig unverhofft eine Gruppe Steinböcke ins Bild, die, mich uninteressiert beäugend, gemütlich dasitzt und sich natürlich von mir nicht nervös machen lässt. Was für ein majestätischer Anblick! Heute folgt auf ein Landschafts- bzw. Naturhighlight das nächste!

Um 12:55 Uhr erreiche ich das Schotterkar des Märzle auf 2206 m: hier wird eindrücklich sichtbar, dass es sich beim Hauptdolomit der Hornbachkette nicht um das verwitterungsresistenteste Gestein handelt. Trotz schattiger Nordlage sind keinerlei Schneereste zu sehen. Bis etwa Karmitte geht es ganz allmählich auf etwa 2140 m abwärts, dann wieder seicht aufwärts. Erst wenn man das Kar fast durchschritten hat, geht es etwas steiler hinauf zum Fürschießersattel. Hier sind die Seilversicherungen, die man an sich nicht wirklich braucht, aber dem etwas ungeübteren Wanderer Sicherheit geben, tatsächlich komplett neu. Wieder sonnig geht´s dann rasch zum 2214 m hohen Fürschießersattel, es ist 13:25 Uhr – eine halbe Stunde hat mich das Kar gekostet. Liegt aber auch an den vielen kurzen Fotostopps, die ich ständig mache: bis zum Tourende am Abend werden es knapp 300 Bilder sein. Meine Frau wäre alleine schon deswegen wahnsinnig geworden. Ich möchte nicht wissen, was mich die Entwicklung (und der Kauf) von sieben bis acht 36er-Fotofilmen (erinnert sich noch jemand) seinerzeit gekostet hätte.

Wer es sich zeitlich leisten kann, sollte es keinesfalls versäumen, den recht kurzen Abstecher auf den Fürschießer zu unternehmen: teils auf Pfadspuren, teils weglos kann ich meinen dritten Gipfel nach elf Minuten Aufstieg verbuchen. Da ich inzwischen bei Anstiegen (viele Aufstiegsmeter sind es ja zum Glück nicht) doch meine müden Beine spüre, hätte ich nicht gedacht, dass ich tatsächlich so rasch hier oben bin.

Ein improvisiertes kleines Gipfelkreuz und sogar ein kleines, von den Jungs von festivaltour.de gesponsortes Gipfelbuch schmückt den Gipfel. Hier oben kann man einen beeindruckenden Blick in die tiefzerfurchte Westflanke des Kreuzecks genießen – sehr imposant! Auch schön ist, dass man hier oben tolle Blicke Richtung Süden hat, was einem bislang verwehrt blieb. Beim Blick nach Oberstdorf fällt mir dann natürlich auch auf, dass es noch ein weiter Weg bis ins Tal ist. Egal, Zeit ist reichlich vorhanden, um zumindest den letzten Bus der Bergsteigerlinie um 18:10 Uhr an der Spielmannsau zu bekommen. Gegen 14:00 Uhr mache ich mich auf den Rückweg zum Sattel und von dort weiter zur tiefer unten schon sichtbaren Kemptner Hütte, die aufgrund des schönen Wetters noch bis zum Wochenende geöffnet hat.

In einem weiten Bogen geht es bergab, während sich ständig schöne Blicke Richtung Kratzer und die Gipfel der Hornbachkette wie Großer Krottenkopf, Muttler und Krottenspitzen bieten. Eine Tour, die sich schon jetzt über alle Maßen gelohnt hat! Kurz nach 15 Uhr bin ich, nach etwa einstündigem Abstieg ab Fürschießersattel, an der Kemptner Hütte auf 1844 m. Klar, dass jetzt ein Radlermaß als Lohn für die strapazierten Beine fällig ist! Ich mache es mir also auf der schon im Schatten liegenden Terrasse gemütlich, genieße Bier, Aussicht und die Tatsache, dass eine genial-schöne Tour (fast) hinter mir liegt.

Nach einer halben Stunde gemütlicher Rast nehme ich den Abstieg durch den Sperrbachtobel in Angriff. Auch hier immer wieder Fotopausen, da mich die gefalteten Felsen zu beiden Seiten des Tobels faszinieren. Zumeist im Schatten,  aber bei immer noch angenehmen Temperaturen steige ich tiefer, habe schließlich den eigentlichen Tobel hinter mir. Es geht, immer noch einige Höhenmeter oberhalb der Talsohle, talauswärts, bis ich schließlich den Talboden erreiche. Dann ist es auch nicht mehr weit, bis ich um 17:30 Uhr am Gasthof Spielmannsau (983 m) ankomme. Der letzte Bus geht erst in 40 min., was nun? Pause oder per pedes? Zu Fuß! Mal schauen, was noch geht. Zügig spaziere ich talauswärts, an der Straße entlang, um nicht noch unnötige Umwege zu machen und eventuell doch noch die Alternative Bus zu haben. Bis zur nächsten Haltestelle Christlesee (920 m) ist´s ein ordentliches Stück und als ich dort nach 25 min. ankomme, reicht´s mir. Schluss für heute! Ich warte auf den 18:13 Uhr-Bus und lasse mich für 2,10 Euro zum Parkplatz Renksteg fahren. Da komme ich dann auch gerade noch rechtzeitig an, um die wunderschöne Abendsonne auf dem Rauheck zu sehen. Nach fast zwölf Stunden bin ich wieder am Auto. Was für eine starke Tour, die wird irgendwann nochmal mit Aufstieg übers Oytal und Abstieg über den Bettlerrücken wiederholt. 

Durchgangszeiten:
06:40 Parkplatz Renksteg
07:35 Gerstruben
08:00 Gerstrubener Alm
08:20 Dietersbachalm
09:15 Älpelesattel
11:00 Rauheck
11:59 Kreuzeck
12:55 Beginn "Märzle"
13:25 Fürschießersattel
13:40 Fürschießer
15:05 Kemptner Hütte
17:30 Spielmannsau
17:55 Bushaltestelle Christlesee


Tourengänger: Tuppie

Galerie


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Kommentare (2)


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quacamozza Pro hat gesagt:
Gesendet am 6. November 2014 um 20:22
Hallo Thomas,

nach der schönen Runde hattest Dir das Bier auch wirklich verdient. Ne Wiederholung lohnt sich auf jeden Fall. Der Herbst ist wirklich die beste Wander- und Fotozeit.

Irgendwann kommt bestimmt der Wunsch auf, vom Älpele den Höfats-Ostgipfel anzugehen.

Lieben Gruß
Ulf


Tuppie hat gesagt: RE:
Gesendet am 6. November 2014 um 20:54
Grüß Dich Ulf,

ja, war für mich ein toller Tag, technisch ja nun unspektakulär, aber landschaftlich erste Sahne! Die Tour wird sicher mal wiederholt, vielleicht mit Anstieg aus dem Lechtal aufs Rauheck und/oder Abstieg über den Bettlerrücken. Oder oder oder... Da gibts ja diverse Möglichkeiten der Abwechslung.

Der Höfats-Ostgipfel wär auch schon was, bin mir nicht sicher, ob ich mir den allerletzten Teil zutrauen darf. Irgendwann schaue ich mir die Felsschneide sicheraus der Nähe an und entscheide dann...

Lieben Gruß
Thomas


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