Dossengrat (3032m)


Publiziert von أجنبي , 28. September 2014 um 12:42.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:16 September 2014
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Rosenlaui – P. 1487 – P. 1673 – P. 2068 – Biwak – Dossenhütte SAC – Dossengrat (P. 2684 – P. 2879 – P. 3032) Dossensattel – Dossenhütte – retour auf Zustiegsweg
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto bis Rosenlaui P. 1360
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Auto ab Rosenlaui
Unterkunftmöglichkeiten:Dossenhütte SAC
Kartennummer:LK 1:25.000: 1230 Guttannen

Schon länger reizt mich die Dossen-Überschreitung mit anschliessender Besteigung von Ränfen- oder Rosenhorn. Wirklich viele Gelegenheiten, die Idee in die Tat umzusetzen gab es diesen Sommer nicht. Als meine Cousine die Sache im Juli anging, entschloss ich mich wegen der Hitze, mit einer Kollegin die *Schesaplana zu besteigen. Nun aber schien ein Versuch aussichtsreich und so fuhren wir zu dritt nach Rosenlaui, wo wir bei P. 1360 parkten.

 

Der Aufstieg zur Dossenhütte verläuft zunächst entlang der Rosenlauischlucht. Nach rund einer Viertelstunde wechselt man über eine Brücke die Seite und läuft zur Verzweigung bei P. 1673 hoch, wo man sich für die Engelhorn- bzw. die Dossenhütte entscheiden muss. Wir peilten natürlich letztere an, womit es weiter taleinwärts ging.

 

Bis zur Seitenmoräne des Rosenlauigletscher gestaltete sich die Wanderung einfach. Nun wurde das Unterfangen aber seriöser. Zunächst ging es auf die Seitenmoräne hoch und dann hinter dieser in eine kleine, nasse Schlucht. Auf deren linken Seite stiegen wir, unterstützt von Leitern, Stahlseilen und -stiften hoch in Richtung Biwak. Eine heikle Angelegenheit, insbesondere da ein guter Teil dieser Passage nass war. (und dies wohl meistens ist) Nach etwa zweieinhalb Stunden stiegen wir über eine Leiter aus der Schlucht aus und erreichten kurz darauf das Biwak.

 

Wer denkt, hier sei der happige Teil des Aufstiegs vorbei, täuscht sich. Auf einem Sporn geht es steil weiter in die Höhe, bis man nahe des Ürbachsattels den Grat erreicht. Diesem folgt der oft schmale Weg bis zur Dossenhütte, wobei die Hände oft zu Hilfe genommen werden müssen/dürfen. Nach dreineinhalb Stunden Aufstieg (inkl. Pausen) trafen wir im Adlerhorst der Dossenhütte ein, wo uns der Hüttenhund mit freundlichem Gebell empfing.

 

Wie erwartet, war dort nicht viel los. Letztlich nächtigten insgesamt zehn Personen in der Dossenhütte und kamen in Genuss einer leckeren Lasagne, welche die zuvorkommende Glarner Hüttenwartin auf den Tisch zauberte. Derweil draussen der Regen niederprasselte...: Viel mehr, als aufgrund der Prognose zu erwarten war. Stundenlang goss es aus allen Kübeln. Als wir uns am Morgen aus den Federn quälten, hatten wir das unerwünschte Resultat: Raureif und Neuschnee auf dem Grat.

 

Wir starteten unsere Tour um ca. 6.15 Uhr, so dass wir nur noch etwa eine halbe Stunde mit Stirnlampe klettern mussten. Das Wetter war prächtig, die Routenfindung gelang bestens, nur eben: häufig kraxelt und läuft man auf der NW-Seite des Grates, wo uns Raureif, Schnee und Eis grösste Konzentration abverlangten. Den ersten Teil machten wir noch ohne Seil, doch bald wurde uns das zu riskant. Zu dritt waren wir fortan mit einem 40m-Strick unterwegs. Hin und wieder war man froh um das Seil, an anderen Stellen (inbesondere bei den zahlreichen Fixseilen), störte es manchmal. Bei Trockenheit kann mal wohl gut bis zum Dossensattel auf ein Seil verzichten.

 

Um 8.30 Uhr erreichten wir über zuletzt weniger steiles, dafür instabileres Gelände den höchsten Punkt des Dossengrats (P. 3032). Wir hatten mehr Zeit benötigt (2.25h), als gerechnet (1 bis 1.5h). Dies vor allem wegen den Bedingungen aber auch, weil wir seit Jahren nicht mehr zu dritt am Seil waren und uns dies Zeit kostete. Nach einem Blick in den Aufstieg zum Dossen und v.a. nachdem ich mir Gedanken zum Abstieg gemacht hatte war klar: Nix für mich bei diesen Bedingungen. Aus diversen Berichten wusste ich, dass man vom Dossen zurück in den Dossensattel nicht vernünftig abseilen kann sondern abklettern muss. Die andere Variante über das Band in der Westflanke schaute bei den herrschenden Bedingungen ebenfalls wenig einladend ein. Zudem musste Kollegin C. rechtzeitig zurück sein, was uns zeitlich unter Druck setzte – und Zeitdruck war noch nie ein guter Begleiter.

 

Nach reichlichem Hinundher entschlossen sich meine Tourenpartnerinnen, die Sache ebenfalls bleiben zu lassen. Mit etwas hängenden Köpfen – es war schliesslich ein Prachtstag – entledigten wir uns des Seils, zogen im Dossensattel unsere Steigeisen ab und liefen zurück zur Hütte. Die Flanke war teilweise eisig, jedoch trotzdem ohne grosse Schwierigkeiten zu begehen.

 

Nach einer langen Pause in der Hütte – wir wollten die Sonne etwas in unseren Abstieg scheinen lassen – packten wir unsere sieben Sachen und stiegen Richtung Biwak ab. Bei derartiger Nässe gilt höchste Konzentration, denn der Weg ist schmal und das Gelände äusserst abschüssig. Nach dem Biwak ging's weiter zum Bach hinunter und dann auf dessen östlicher Seite auf nassem Fels (Fixseile, Leitern, Stifte) in die Tiefe. Als wir die Seitenmoräne erreichten, sank mein Puls merklich...

 

Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich unsere Aufgabe am Dossensattel wohl durch unseren ursprünglichen Plan hätte verhindern lassen. Madame und ich beabsichtigten nämlich, via Ränfen- oder Rosenhorn zur Gaulihütte abzusteigen und am Folgetag dann dort etwas zu unternehmen (Hangendgletscherhorn wohl). Den Aufstieg auf den Dossen bei den herrschenden Bedingungen hätten wir wohl hingekriegt (uns war ja beim Gedanke an den Abstieg unwohl). Kommt Zeit, kommt Rat. Gut, dass wir die Sache nun gesehen haben. We'll be back, nächstes Mal bei trockeneren Bedingungen und mit der definitiven Absicht, in die Gaulihütte abzusteigen.

 

Gute Infos und ein Topo für die Tour finden sich übrigens im Hochtourenführer Berner Alpen im topo.verlag. Als hilfreich empfanden wir zudem insbesondere den *Bericht von Lulubusi und *jenen von Nobis.


Tourengänger: أجنبي


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