Muttenstock (3089m), Piz d'Artgas (2787m) & Co.


Publiziert von Bergamotte Pro , 5. Oktober 2014 um 19:01.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:27 September 2014
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Hausstockgruppe   CH-GL 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 2440 m
Abstieg: 2440 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:LSB Tierfehd-Kalktrittli
Unterkunftmöglichkeiten:Muttseehütte
Kartennummer:1193 Tödi

Die Hausstockgruppe scheint mir wohlgesonnen. Hier durfte ich 2013 meinen Saisonhöhepunkt erleben. Auch die Muttsee-Runde von Mitte September liess keinerlei Wünsche offen. So fällt mir der Entscheid leicht, ein weiteres Mal ins Chalchtrittli zu gondeln, um eine Reihe von Gipfeln zwischen Glarner Hinterland und Surselva zu besuchen - trotz ihrer stattlichen Höhe allesamt No-Names.

Details zum bestens ausgebauten Hüttenaufstieg erübrigen sich. Wer sich sputet, darf bereits nach 90 Minuten eine erste Kaffeepause bei Maria Rhyner einlegen. Doch ich höre den nahen Muttenstock rufen, der trotz seiner Höhe von knapp 3100m von dieser Seite unauffällig bleibt. Ab Glarner Seite anerbieten sich verschiedene Routen, von der Hütte allesamt gut einsehbar. Am einfachsten sind die Aufstiege von Nordwesten via Muttenlücke (R. 758) oder über die Rampe (R. 758a, Topo). Für letzteren verlässt man den Kistenpassweg, um eine auffällige Schuttrampe hochzusteigen. Das ist zunächst nicht schwierig, aber äusserst mühsam: zwei Schritte hoch, einen zurück. Dankbar stürze ich mich auf die verbleibenden Schneefelder. Im oberen Teil steilt das Gelände auf. Entweder man bleibt direkt in der Rinne (feucht, nicht empfehlenswert) oder kraxelt leicht links davon (T5, I), bis man schliesslich auf dem Muttenstock-Nordgrat steht. Dem Grat folgt man in angenehmer Kraxelei, teils auf die Muttseeseite ausweichend, bis auf den Muttenstock (3089m).

Bei angenehmer Temperatur geniesse ich eine frühe Mittagsrast. Oh Du goldener Herbst! Der SE-Grat des Muttenstocks verläuft über den Piz Gavirolas (3025m) und endet schliesslich auf dem Crap Ner. Ersterer lässt sich - absteigend - in wenigen Minuten erreichen. Auch die folgende Gratpassage zum Crap Ner (2878m), ein lohnender Aussichtsbalkon in die Surselva, bietet kaum Schwierigkeiten. Bloss der Abschwung nach P. 2892 bedarf auf dem Rückweg zwei kräftiger Kletterzüge (II). Der Führer empfiehlt dessen Umgehung über ein Band in der SW-Flanke, das scheint mir wenig opportun.

Prinzipiell braucht man nicht ganz auf den Piz Gavirolas zurückzusteigen, um Richtung Südwesten abzusteigen. Ein steiles Couloir vermittelt die allererste Möglichkeit, nach Cavorgia da Vuor abzusteigen. Dieses ist feucht, steil und mühsam (mind. T5+). Einfacher scheint mir die Querung unterhalb des Piz Gavirolas, um anschliessend über eine Schutthalde abzusteigen. Nach dem langen Offroad-Gekraxel bin ich froh, vor dem Pässchen Falla Lenn (2587m) einen markierten Wanderweg zu erreichen. Der folgende Aufstieg zum Piz d'Artgas (2787m) erfolgt aber wieder weglos. Wer von dieser Seite kommt, hält sich an dessen NE-Flanke, welche einfach, aber anstrengend zu begehen ist. Zuoberst vermitteln zwei Couloirs den Zugang zum unschwierigen Ostgrat. Ich begehe beide, das rechte ist länger und deutlich anspruchsvoller (T5).

Wieder unten in der Falla Lenn kann wenig ansteigend zum Kistenpass (2640m) gequert werden, wo heute viel Wandervolk durchzieht. Hier verlasse ich den Wanderweg bereits wieder, um über den Südgrat alle drei Koten der Muttenberge zu überschreiten. Das interessiert nur Freaks wie mich, Otto Normalwanderer begnügt sich mit dem Hauptgipfel P. 2956, welcher ab Kistenpasshütte relativ bequem erreicht werden kann. Ich hingegen mühe mich den Grat Richtung P. 2895 hoch. Technisch geht das erstaunlich gut, einzelne Aufschwünge können auf der Westseite umgangen werden. Vorsicht: Tritt man Steine los, rollen die unweigerlich Richtung Kistenpassweg! Ab P. 2895 dann bequem zum Hauptgipfel der Muttenberge (2956m) rüber.

Für den Abstieg wähle ich die weglose Direktvariante (R. 762a, Topo). Hier (und nur hier) bin ich so richtig froh um die Schutthalden, mit bis zu 50Hm/min surfe ich zum Kistenpassweg runter (T4). Wenig später sitze ich bereits bei Bier und Kuchen vor der Muttseehütte (2501m) und geniesse die Abendstimmung. Da kann man schon mal die Zeit vergessen, doch das 18 Uhr Bähnchen wartet nicht. Drum sprinte ich in absolut idiotischen 40 Minuten (inklusive Salto Mortale vor Publikum) ins Chalchtrittli runter...


Zeiten
3:20  Muttenstock
0:45  Crap Ner
1:30  Piz d'Artgas
1:25  Muttenberge
1:30  Chalchtrittli (zügig)

Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (3)


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Primi59 hat gesagt:
Gesendet am 6. Oktober 2014 um 19:49
Hoi Bergamotte
wie gewohnt von dir immer schöne Bilder und ein toller Bericht, wie ich sehe, gfallts dr bi üüs im Glarnerland :-)

Gruss
primi

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. Oktober 2014 um 08:17
Natürlich gefällt's mir in einem Kanton, der fast nur aus Bergen besteht... ;-)

Primi59 hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. Oktober 2014 um 21:48
danke fürs Kompliment, könnte nicht ohne "meine" Berge sein, auch wenn ich die "Grossen" nur von unten anschauen kann, dank deinen Bildern bin ich ja auch fast oben ;-))


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