Jegerstöck (2584 m) - Türme und Zinnen über dem Urner Boden


Publiziert von PStraub , 18. September 2014 um 16:23.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:17 September 2014
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   CH-UR   Ortstockgruppe 
Aufstieg: 1650 m

Wären die Jegerstöck eine Frau, sie wäre eine anspruchsvolle, abweisende und spröde Geliebte.
Anspruchsvoll, weil man viel Zeit braucht, um möglichst alle der sieben Türme zu besteigen. Wer unterwegs noch ein paar andere Gipfel bestiegen hat, kommt vor Ort sehr schnell in Zeitnot.
Abweisend, weil man von Braunwald oder vom Klausenpass her kommend zuerst weit und mühsam ein dreidimensionales Labyrinth von Karrenfeldern, mehr oder weniger steilen Schutthalden und abrupten Abbrüchen und Aufschwüngen queren muss, nur um an den ersten der Türme zu gelangen.
Spröde, weil der Stein der Gipfeltürme aus einem feinsplitterigen, spröden Stein besteht, dessen vornehmste Eigenschaft seine Spendabilität ist: Wer Souvenirs sammelt, kann fast alle Griffe gleich mitnehmen.
 
Vor Jahren hatte ich die Gegend zweimal besucht und beide Male hat es mir nur für den ersten der Türme gereicht. Heute wollte ich das Gebiet einmal konsequent erkunden.
 
Ab dem Urner Boden via Zingel-Läcki in die Alpeli-Mulde und dort durch den etwas ausgesetzten Weg hinauf. Der ist teilweise mit einem Fixseil gesichert, die heikelste Stelle, vor allem im Abstieg, ist aber weiter oben (T5). Wer Richtung Jegerstöck will, braucht nicht bis zum Läckipass auszuholen, die Flanke rechterhand ist an diversen Orten besteigbar (T4 .. T5).
 
Dann unendlich weit über Schutt und Karren unter den dortigen Gipfeln durch zum ersten Turm der Jegerstöck. Auf dem Hinweg bin ich das recht tief angegangen, auf dem Rückweg deutlich höher, was weit angenehmer ist. 
In diesem Gelände sollte jeder Tritt gezielt gesetzt werden. Da ist alles lose, auch richtig grosse Steine fahren mitunter mit Getöse in die Tiefe.
 
Hier habe ich die Türme durchnummeriert. 
Der erste ist leicht zu besteigen. Für den zweiten bräuchte es Kletterausrüstung, der ist unten rundum vertikal, den habe ich als einzigen nicht bestiegen. 
Alle übrigen sind ähnlich aufgebaut: Man kann - meist auf der Südwestseite - auf einem System von Bändern, Schrofen und Fels den jeweiligen Gipfel erreichen. Technisch ist das nicht wirklich schwierig. Der heikelste dürfte Nummer 4, der einfachste Nummer 6 sein; Nummer 7 ist der höchste und Nummer 5 ist der mit dem weitherum sichtbaren Steinmann.
Wie gesagt, technisch schwierig ist das nicht. Es gilt einfach zu bedenken, dass hier wirklich alles lottert. Und dass man unter den Füssen gut 1200 Meter Luft bis zum Urner Boden runter hat. Wer das beides erfolgreich ignoriert, hat hier einen wunderschönen Tummelplatz. Man bewegt sich meist so zwischen T3 und T5, es geht aber sehr schnell bis weit ins T6 hinein!
 
Zwischen den Türmen 5, 6 und 7 hat es eine Art Plateau, hier kann man sich sicher bewegen. Um zu diesem zu gelangen, kann man auf äusserst schwierig zu begehenden Schuttbändern auf der Nordseite oder auf einem zunehmend ausgesetzten, aber weit einfacheren "Weg" auf der Südseite dorthin traversieren. Auf letzterem hat es sogar vereinzelte Steinmänner.
 
Auf dem Rückweg wollte ich auf dem Roten Nossen telefonieren. Dafür wäre ein Handy noch praktisch gewesen. Doch das lag - kosten-optimiert - zuhause.
Was ich nicht mehr wusste: Das Gipfelplateau ist durch eine richtig krasse Spalte getrennt. Ich querte sie am höchsten Punkt des Plateaus (rund 5 m tief, beidseitig praktisch vertikal). Das gab mir noch ein weiteres Mal die Gelegenheit, meine Geländegängigkeit zu überprüfen.
 
Der übrige Weg war soweit ereignislos, abgesehen davon, dass ich diesmal von Alpeli direkt durch das östliche Schuttcouloir nach Zingel abstieg.
 
Den Anruf habe ich dann in der Urnerboden-Beiz nachgeholt. Und wie durch Zufall hatten sie dort auch noch ein Adler-Bier vorrätig - den Adler hatte ich ja droben schon fotografiert ..

Tourengänger: PStraub


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Kommentare (2)


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jfk hat gesagt:
Gesendet am 18. September 2014 um 18:51
Toller Bericht, merci! Das hilft mir doch recht weiter zum Planen eines Teilabschnitts eines Projektes in der Region.

Wie würdest du die Kletterschwierigkeiten am 2.Turm einschätzen?

LG, Jonas

PStraub hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. September 2014 um 07:17
So aus dem Gedächnis rekonstruiert, würde ich meinen:
Höhe ca. 20 m, unten fast senkrecht, aber recht kompakt und gut gegliedert; ich würde auf einen IVer tippen. - Immer im Schatten, also eher feucht.
Mit einem Set Friends und geeigneten Schuhen müsste das für einen Kletterer (was ich nicht bin) allein zu machen sein.


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