Jungfrau-Marathon: Ein toller Berglauf der Superlativen


Published by Mistermai , 14 September 2014, 19h56.

Region: World » Switzerland » Bern » Jungfraugebiet
Date of the hike:13 September 2014
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BE 
Time: 6:00
Height gain: 1829 m 5999 ft.
Height loss: 305 m 1000 ft.
Route:Siehe Grafik (42.195km)
Access to start point:ÖV nach Interlaken
Access to end point:ÖV ab Kleine Scheidegg

Der grosse Läufer war ich noch nie - zumindest wenns um langes Jogging in der Fläche geht. Der Jungfrau-Marathon hat aber schon länger einen speziellen Reiz auf mich ausgeübt und so hatte ich mich im letzten März auch tatsächlich angemeldet. Einfach so.

Vorbereitungen
Grundsätzlich finde ich Flachland-Joggen ziemlich langweilig und als 2m Hühne, der beinahe 100kg auf die Waage bringt, bin ich auch nicht gerade dazu veranlagt (Gelenkschmerzen und so...). So bin ich in der Vorbereitung für diesen Marathon nur gerade 3 Mal joggen gegangen, insgesamt vielleicht 25km. Bevor mir nun aber jemand vorwirft, ich sei geisteskrank, unter solchen Umständen an einem Marathon teilzunehmen, muss ich doch erwähnen, dass ich in den vergangen Monaten 6'700km Fahrrad gefahren bin und ab und zu auch ziemlich sportlich in den Bergen unterwegs war (z.B. in *3:15h über 2'300 Höhenmeter auf den Calanda) Ausserdem war ich am 1. Januar bereits einen flachen Marathon gelaufen - damals mit angemessenem Training.
Etwas unwohl wurde es mir aber dann doch noch: 5 Tage vor dem Rennen begann sich ein Zehennagel unter Schmerzen schwarz einzufärben und schlimmer noch, das Abschlusstraining musste ich wegen Schmerzen in den Waden abbrechen. So reiste ich ziemlich pessimistisch nach Interlaken...

Rennen
Wortwörtlich erst 10min vor dem Rennen entschied ich mich, wie geplant beim Pace-Maker für 5:30h einzustellen und nicht etwa bei 6:00h, was ich auf Grund der schlechten Vorzeichen in erwägung gezogen hatte.

4'500 LäuferInnen standen hinter der Startlinie, als Marco Büchel (ehem. Ski Alpin) den Startschuss gab. Damit ist der Jungfrau der grösste Marathon der Schweiz. Wie üblich bei grösseren Laufveranstaltungen konnte man auf den ersten Kilometern haarsträubende Dinge beobachten: Nach nur 200m (!) mussten bereits unzählige Läufer am Wegrand urinieren und nach nur 7km sah ich den ersten Läufer erbrechen!

Für mich war der erste Rennteil ein harter Kampf. Die ersten 26km waren mehrheitlich flach und ich brauchte etwas "Biss", um den Halbmarathon, wie geplant, in 2h zu absolvieren. Die Stimmung am Streckenrand war indes unglaublich: 25'000 Zuschauer, unzählige Musikanten, Bands, Kuhglocken-Läuter usw. machten das Rennen zu einem Spektakel.

Bei km 27 kam dann endlich das, worauf ich gewartet hatte: Es ging richtig Bergauf. Von Lauterbrunnen im Zick-Zack Richtung Wengen. Plötzlich hatten alle Flachland-Läufer ihre Mühe und ich fühlte mich wohl. Laut Zeitmessungen hatte ich im 2. Rennteil rund 900 Personen überholt...

Immer wieder sah man nun Leute, die das Rennen aufgeben oder sich zumindest behandeln lassen mussten. Von der Wengeneralp gings hoch Richtung Gletschermoräne und nun musste ich auch beissen. Doch das Rennen war viel besser gelaufen als erhofft: Noch träumte ich von einer Zeit unter 5h. Nachdem ich nach 4:30h km 39 passierte, war dieser Traum aber ziemlich schnell vergangen: Auf dem schmalen, steilen Bergwanderweg herrschte regelrechter Stau und zu allem Übel hin, musste ein zusammengebrochener Läufer mit dem Helikopter geborgen werden. Einige Minuten lang ging (fast) gar nichts mehr.

Schlussendlich erreichte ich den höchsten Punkt des Marathons auf 2'203müm und nach einer abschliessenden Passage bergab war ich im Ziel: 5:10h. Besser als geplant und schlechter als im Rennverlauf erhofft. So ist das nun mal.
Im Ziel kriegte ich ein erstaunlich wüstes Finisher-Shirt und eine erstaunlich schöne Medallie, die Duschen waren trotz Massenandrang erstaunlich angenehm und erstaunlich warm und bei der Heimreise wurde mir zu meinem ganzen Erstaunen hin zum ersten Mal in meinem Leben ein Sitzplatz in einem Zug angeboten - mit 20 Jahren notabene.

Fazit
Geblieben ist nebst erstaunlich schwachem Muskelkater (trotzdem ziemlich stark) vor allem die Erinnerung an ein tolles Erlebnis, das selbst für "Nicht-Laufspezialisten" machbar ist. Der Event ist top geplant und organisiert - trotz der grossen Teilnehmerzahl funktioniert Logistik und Verpflegung bestens und die Stimmung ist fantastisch.
Ich kann diese Veranstaltung  nur weiterempfehlen, doch wer teilnehmen will muss schnell sein: Nachdem jeweils im Febraur die Anmeldung öffnet, vergehen in der Regel keine 2 Monate und dann sind alle Startplätze vergeben...




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Comments (8)


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roger_h Pro says:
Sent 14 September 2014, 20h35
Bravo, tolle Leistung!

Mistermai says: RE:
Sent 14 September 2014, 22h38
Danke :)

churfirst says:
Sent 15 September 2014, 11h30
Herzlichen Glückwunsch! Laufe selbst Marathons (bisher aber nur im Flachland) und überlege, 2015 mal einen im Gebirge zu bestreiten. Danke deshalb für den Hinweis auf die Anmeldefrist!

Mistermai says: RE:
Sent 15 September 2014, 16h29
Ja, ich kann dir den Jungfrau-Marathon sehr empfehlen. Für mich persönlich fühlte er sich übrigens weniger schlimm an, als ein normaler Marathon. Dies ist aber sicherlich auch darauf zurück zu führen, dass ich eben nicht ein sonderlich fleissiger jogger bin...

Runner says: RE:
Sent 15 September 2014, 18h44
Gratuliere! Es ist absolut normal, dass Dir dieser Marathon im Gelände weniger 'einfährt' als ein solcher in der Stadt. Ich kann Dir auch bestätigen, dass eine wesentlich längere Distanz im Gebirge weniger 'spürbar' ist, als ein solcher Stadt-Marathon. Die sind logischerweise was die Gelenksbelastung angeht (Schläge bei jedem Aufsetzen auf dem Asphalt) fatal für die Muskulatur. Daher zeitigt jeder solche Marathon auch entsprechend kleinste Muskelfaserrisse, was im Berglauf minimiert wird. Die Erholung bereits unterwegs (stetes Auf und Ab, weicher Untergrund), trägt das ihre dazu bei.

Weiterhin viel Spass beim Berglaufen.

Mit sportlichen Grüssen
Runner

Margit Pro says: Glückwunsch...
Sent 15 September 2014, 11h36
... gute Leistung!
Bin erstaunt, dass man für einen Gebirgslauf das Lauftraining fast komplett durch Radtraining (wenn auch extremes) ersetzen kann.

Mistermai says: RE:Glückwunsch...
Sent 15 September 2014, 16h34
Diesen Rückschluss ist sicherlich mit Vorsicht zu geniessen. Auch in der Literatur heisst es, dass höchstens vereinzelte Long-Runs im Trainingsplan durch Radfahren ersetzt werden können.
Ich bin letzten Herbst (bis und mit Dezember 2013) rund 50km pro Woche gejoggt und nun seit Anfangs August auch sehr aktiv zu Fuss unterwegs. Trotzdem war es ein Experiment für mich und auch ich war erstaunt, wie gut es tatsächlich funktionierte...

Gruss
Manuel


Runner says: Radtraining...
Sent 15 September 2014, 18h46
...mach mal den folgenden Versuch: Radle ein ganzes Stück weit (flach oder Bergauf) und wechsle auf die Laufstrecke (wie halt im Triathlon üblich). Dann absolviere ein ander Mal einen kurzen schnellen Berglauf (darf auch beinahe senkrecht hoch gehen) und Laufe anschliessend flach weiter... Du wirst den selben Effekt wie beim Laufen nach dem Radeln feststellen :-)


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