..auf der Hütte


Publiziert von hgu , 17. September 2014 um 08:04.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Samnaun-Gruppe
Tour Datum: 6 September 2014
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8 Tage

 Acht Tage einsames Hüttenleben; eine sehr ruhige und erholsame Zeit….
beim freiwilligen Hüttendienst auf der Hexenseehütte in Serfaus. Zur Bewirtschaftung dieser kleinen AV-Hütte sind die Sektion und die Wirtsleute vom Kölner Haus, Walter und Anja, auf die Hilfe Ehrenamtlicher angewiesen, die als Hüttenteam für die Gäste da sind!
Es gilt Speisen und Getränke zu reichen; Nachtgäste (sofern vorhanden) zu betreuen und für die Sauberkeit zu sorgen.
Am Freitag, 29. August, sind Birgit und ich vom Kölner Haus gestartet. In andächtiger Wanderung sind wir zur Hexenseehütte hoch gelaufen, haben uns dieser mit einem mulmigen Gefühl genähert und sie nach der Woche in unser Herz geschlossen.
 
Alex und Werner, unsere freiwilligen Vorgänger weisen uns routiniert in alle Abläufe ein und nehmen uns Sorgen und Nöte, die wir hinsichtlich unserer Aufgaben als Hüttenteam so haben. Auch Walter ist für einige Stunden zu uns gekommen und verspricht:
"Wenn Not am Mann ist komme ich hinauf und helfe Euch!"

Am Samstag geht es dann los; Alex und Werner packen ihren Rucksack und verschwinden hinter dem Arezjoch. Birgit und ich warten auf die ersten Tagesgäste, welche am Arezjoch auftauchen müssten, wenn sie von Serfaus aus (mit Bahnunterstützung) zu uns herauf kommen möchten. Sieben Wanderer werden es an diesem Samstag, die für jeweils eine Stunde unsere Gastfreundschaft in Anspruch nehmen; trinken, essen und für nette Gespräche bereit stehen. Alles klappt prima, unsere Sorgen um die zukünftigen Aufgaben schwinden und weichen einem guten Gefühl.
Ab 14:30 Uhr sind wir alleine, völlig alleine! Wir sitzen auf der Terrasse und spüren sie, die Ruhe, absolute Ruhe, eine tolle Stimmung, hier hoch oben über den Wolken….wir genießen!
 
Ich muss die Anspannung des ersten Tages in Bewegung umsetzen. Ich überschreite am späten Nachmittag den Hexenkopf (3035m) vom Masnerjoch zum Hexensattel. Nach 02:15 Stunden sitze ich wieder in der Hütte, da ich eher als Bergläufer und weniger als Bergsteiger unterwegs bin. Eine neblige Angelegenheit, die mir keine Sicht aber Entspannung bringt.
 
Erst am Sonntag, ab 11:00 Uhr können wir wieder mit Gästen rechnen.
Es gibt eine einfache Zeitrechnung auf der Hütte. Wegen der mindestens 2 Stunden dauernden Aufstiegszeit (nach Bahntransport), kann kein Wanderer vor 11:00 Uhr bei uns auf der Hütte sein. Um sicher die letzte Bahn ins Tal zu erreichen, bleibt kein Wanderer über 14:30 Uhr hinaus auf der Hütte.
  
Am Sonntag sind es dann 14 Gäste, Routine stellt sich ein und unsere Aufgabenteilung (Birgit im Service und ich in der Küche) bewährt sich. Um 14:30 Uhr kehrt wieder Ruhe ein und ich wandere zum Arezjoch und hinauf zum Pezid.
Es ist Usus, dass die Hütte mit der Abwanderung der letzten Tagesgäste auch vom Hüttenteam verlassen werden kann. So können auch wir eigene Wanderungen unternehmen. Wir haben allerdings keine „Umkehrzeit“, da wir ja auf der Hütte wohnen und so kurze aber herrliche Wanderungen bis zum Abend genießen können. So finden wir reichlich Ausgleich vom Leben als Hüttenteam und sehen nicht nur die Küche, den Gastraum oder das Lager sondern auch die Seen, Gipfel und Grate der näheren Umgebung.
 
Montag ist wenig Betreib, das Wetter schlägt um, anfangs regnet es und am Nachmittag fallen die ersten Schneeflocken. Bewegung tut trotzdem Not und macht auch im Schneetreiben Spaß!
Am Dienstag räume ich den Schnee von der großen Sonnenterrasse und baue einen großen Schneemann bzw. Eisgipfel. Ein Vater mit Sohn verirrt sich im Schneetreiben zu uns und  genießt die wärmende Stube. Für ein nettes Gespräch ist ausreichend Zeit und so müssen Vater und Sohn letztendlich im Sauseschritt zurück zur Bahn, um die Letzte auch noch zu erreichen. 
Am Mittwoch dann wieder schönes Wanderwetter und die Hütte ist gut besucht. Birgit und ich sind jetzt gut eingespielt und die Bewirtung läuft Hand in Hand. Alle sind zufrieden, die Gäste und wir auch! Walter schaut mittags vorbei und bringt neue Lebensmittel. Er geht wie selbstverständlich zur Hand, räumt Geschirr und sortiert Bestecke.
Mit den letzten Wanderern macht auch er sich wieder auf den Weg, (mit seinem Toyota Pickup) in seine "Hütte", dem große Kölner Haus, welches mitten im Skigebiet von Serfaus steht und eher als Berghotel und weniger als Berghütte gesehen werden könnte…aber das ist ein anderes Thema!
 
Es gibt keine Übernachtungsmeldung und so genießen wir wieder die vollkommene Ruhe und Abgeschiedenheit.  Eine spannende Wanderung zum Ochsenjoch und ein weiterer abendlicher Besuch auf dem Hexenkopf runden den Tag ab.
 
Am Donnerstag folgt dann der Großkampftag und die Belastungsprobe. Über 50 Gäste - wir rotieren! Birgit kommt mit der Aufnahme der Bestellungen nicht mehr nach und ich habe in der Küche allergrößte Probleme der Nachfrage Herr zu werden. Wir schwitzen – aber wir schaffen es, alle Bestellungen finden die durstigen und hungrigen Abnehmer.
So wie der Ansturm mit den Bestellungen ist, so gestaltet sich dann auch die Begleichung der Rechnung! Alle möchten gleichzeitig zahlen und bringen Birgit erneut an den Rand des Wahnsinns!

Die meisten Wanderer sind schon wieder auf dem Rückweg zum Arezjoch. Wir bringen noch sechs Gulaschsuppen und sechs Radler an Tisch 14 mit den netten Holländern. Die sind entspannt, da sportlich trainiert und  in der Lage, den Rückweg auch unter zwei Stunden zu schaffen! Um 14:30 Uhr verlassen sie die Terrasse und es wird still, richtig still! Nach der Hektik der letzten dreieinhalb Stunden spüren wir die Ruhe und Einsamkeit noch intensiver. Wir sitzen auf der leeren Terrasse, genießen die Sonnenstrahlen und lassen uns ein Radler schmecken.
In der Küche das Chaos: Geschirr, Gläser, Tassen, Töpfe, Pfannen, Besteck und die angerichteten Speisen. Alles muss wieder in Ordnung gebracht werden - aber dazu haben wir nun viel Zeit!
Zum Ausgleich wandern wir später zum Masnerjoch und über den Höhenweg zum Arezjoch und zurück zur Hütte.  Abends sitzen wir zufrieden in der Stube und wissen, sie geht zu Ende, unser Zeit als Hüttenteam. Wir genießen erneut einen einsamen Abend und bereiten am Freitag alles für den neuerlichen Ansturm der Wanderer vor.
Obwohl das Wetter gut ist, es kommt nur die Hälfte der gestrigen Besucher. Mit den 25 Wanderern kommen wir gut klar und die vorbereitete Selbstbedienung kann ausbleiben. Wie gewohnt bedient Birgit in der Stube und auf der Terrasse und ich hantiere in der Küche.
Um 14:30 Uhr dann wieder Schluss mit dem Trubel; aufräumen, spülen, putzen und die Hütte für die Übergabe fertig machen. Gegen 18:00 Uhr kommt Silvi, unsere Nachfolgerin. Ihre Schwester hat abgesagt, so ist sie alleine; völlig alleine, hier oben auf 2588m, in der Einsamkeit am Hexensee!
 
Am Samstag bringt uns Walter ins Tal und wir kehren zurück in die Zivilisation und in unser wahres Leben, schade…

 


Tourengänger: hgu


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