Cap. Cristallina - P. 2772 - Bassa di Folcra


Publiziert von basodino Pro , 5. September 2014 um 14:36.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum: 3 September 2014
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Cristallina   CH-TI 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 430 m
Abstieg: 1700 m
Zufahrt zum Ankunftspunkt:mit dem Bus von Ossasco nach Airolo, dort Umsteigen auf den Zug
Unterkunftmöglichkeiten:Cap. Cristallina CAS (2575 m), 120 Plätze

Nach der Traumtour gestern war mein Akku unverständlicherweise eher leer als voll. Ich wollte heute nicht nur ins Tal absteigen, aber mein wirkliches Ziel, der Poncione di Valleggia schien mir doch zu weit. Wenigstens wollte ich einen Blick darauf werfen. Also stieg ich auf dem Weg zur Cima di Lago bis hinter die erste Welle, um dann rechts zum Passo della Cima di Lago (2697 m) aufzusteigen. Die Abzweigung ist gekennzeichnet, der Weg verliert sich aber im Geröll und erscheint erst wieder direkt unter dem Pass. T3, 0 h 25 min.

Am Pass angekommen passierte genau, was ich vermutet hatte, der Poncione di Valleggia schien mir zu abweisend, der Schlänker zu weit. Ich musste ja später einen Bus erwischen, sonst würde es nichts mit der Heimfahrt (Zugbindung ist preiswert, aber unpraktisch).
Mir schien der (Südwest-)Grat zu der namenlosen Erhebung zwischen dem Passo della Cima di Lago und dem Passo Gararesc sehr verlockend. Und so stieg ich hier gerade am Grat hinauf. Grasige, erdige Abschnitte wechseln sich mit festem, erfreulich gestuftem Fels ab. So erreichte ich eine kleinen Felszahn im Grat auf ca. 2740 m. Leider war hier dann aber auch Schluss. Die paar Meter hinab in die anschließende Senke schienen noch leicht, die sich dahinter aufbäumende Kante verriet mir aber entweder schwereren Fels oder ein Aufstieg durch eine Art schmale Rinne aus Steilgras. Irgendwie fehlte der Mut oder die Kraft. Ich drehte um, wobei ich an einem Tag mit besserer Form diese Passage sicherlich hätte meistern können (geschätzt T5+/II+).
Also drehte ich um, und erstieg stattdessen den namenlosen Gipfel über seinen Südostrücken. Wer nicht den Mut hat, muss ein paar extra Höhenmeter auf sich nehmen. Dieser Rücken trägt sogar ein paar Steinmänner und ist leicht zu ersteigen. T3, 0 h 35 min ab dem Pass inklusive Versuch am Südwestgrat (T4, II). Von oben stieg ich den Südwestgrat einige Meter ab und musste sehen, dass es sich hier um letztlich gut 10 Meter handelt, die mich scheitern ließen.

Auf dem Gipfel hat man eine schöne Rundsicht, da er auch höher als der im Norden befindliche Pizzo Gararesc ist. Ich verstehe sowieso nicht, warum der Gipfel keinen Namen hat. Er hat immerhin eine Schartenhöhe von 75 bzw. 79 m zu den beiden ihn begrenzenden Pässen.

Von Südosten zogen Wolken auf. Ich entschloss mich zum Abstieg über den Nordostgrat vorbei an P. 2729. Dieser Grat ist leicht zu begehen und weist nur gerade bei P. 2729 kurze Stellen I auf. T3+, 0 h 20 min.

Am Passo Gararesc befindet sich ein altes Biwak (Bivacco Calabrese), wo zwei Arbeiter mit großem Lärm tätig waren. Ich konnte allerdings nicht feststellen, ob sie dabei waren es abzureißen oder es wieder herzustellen. So nah an der Capanna Cristallina wäre der Zweck ja eher weniger einleuchtend.

Vom Pass führt ein breiter Weg zur Hütte hinab. T1, 10 min.

Dort nahm ich den normalen Hüttenweg nach Ossasco auf, zweigte aber bei P. 2436 (kein Wegweiser mehr) zur Bassa di Folcra ab. Diese wird über einen guten Weg erreicht, der oben durch Erosion bedroht ist. T2, 0 h 40 min. 

Hier zweigte ich auf den Rücken ab, der zum Pizzo Folcra führte. Sollte ich hier schnell voran kommen, hätte ich noch einen Gipfel in der Tasche. Aber nach wenigen Minuten stellt sich ein kleines grasdurchsetztes Felswändchen in den Weg. Letztlich fehlten mir hier nur 2 Meter, um meinen Weg fortzusetzen. Ich hätte mich mit etwas Kraft durch einen Riß hochziehen können, aber ohne Backup und ohne Seil wollte ich mich dem Stress nicht aussetzen, hier wieder runter zu müssen. Man kann der Stelle zwar rechts durch Steilgras ausweichen, aber auch hier fehlte der Hauch der Überzeugung, den man haben sollte, wenn man in solchem Gelände unfallfrei durchkommen möchte. Der restliche Aufstieg hätte herzlich leicht ausgesehen, aber man muss seine Grenze kennen (auch wenn sie eher tagesformabhängig ist). Dieser Umweg kostete ca. 10 min.

So machte ich eine ausgiebige Pause auf dem Grat und tröstete mich damit, dass es sowieso immer mehr eintrübte und der Gipfel wohl nicht der Genuß gewesen wäre.

Von der Bassa di Folcra führt ein guter Weg in Kehren hinab. Weiter unten orientiert er sich rechts, während man im Grund Schneefelder vorfinden kann, die den Abstieg erleichtern bzw. beschleunigen. Ich konnte einem flinken Wiesel beim Hüpfen über die Felsen zuschauen und fand später zwei Steinbockweibchen mit jeweils einem Jungen, die sich aber schnell von mir entfernten. Auf ca. 2130 m findet sich ein schöner See, der zu einer zweiten Pause einlädt. T3, 1 h 00 min.

Weiter unten bot sich das nicht mehr so an, weil man nun im "Kuh-beherrschten" Gebiet unterwegs ist, was den Wegen und Wiesen mehr als deutlich anzusehen ist. Die Schlüsselstelle der Wanderung war dann auch bei den Häusern von Stabiello Grande, die umgeben waren von tiefem Matsch. Man konnte sich gerade so durchmogeln, ohne im Morast zu versinken. T2, 0 h 45 min.

Dahinter befindet man sich auf einer Straße. An P. 1775 muss man sich entscheiden, weiter abzusteigen oder den kurzen Gegenanstieg zur Alpe Cristallina in Kauf zu nehmen. Dort setzt nämlich der Wanderweg an, der direkt an Ossasco links des Ri di Cristallina hinabführt. Wenn man die Straße absteigt, erreicht man den Weg bei P. 1675. Bis Ossasco nun in vielen Kehren und kurzen Querungen hinab. T2, 0 h 55 min.

Tourengänger: basodino


Galerie


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