Zugspitze (2964m) - Höllental rauf, Stopselzieher runter


Publiziert von simba , 31. August 2014 um 14:05.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Tour Datum:29 August 2014
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettersteig Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Aufstieg: 2320 m
Abstieg: 2320 m

Einer Wegbeschreibung bedarf weder der Höllentalanstieg auf die Zugspitze noch der Abstieg über den Stopselzieher - ev. sieht das aber die Gruppe, die uns noch in Hammersbach an einem Wegweiser auf dem "Zugspitze" sowie "Höllentalklamm" stand, nach dem richtigen Weg fragte, anders. Solche Geschichten gehören aber auf diesem - selbst ohne eine erleichternde Hüttenübernachtung auf der im Umbau befindlichen Höllentalangerhütte - immer noch ungeheuer frequentierten Anstieg einfach dazu ;)

Auch ansonsten sieht man allerhand: Aspiranten mit Rucksäcken klein wie Brieftaschen im Laufschritt (ev. Gekko ;) ), Aspiranten mit Expeditionsrucksäcken im 8000er-Schritt, Aspiranten mit zwei Eispickeln und solche ohne Steigeisen, Aspiranten mit Schalenschuhen und solche, die versuchen auf ihre Trailrunner irgendwie Körbchensteigeisen zu montieren. Auch kleidungstechnisch ist vom Modell aus dem Bergsport-Katalog bis zur legeren Freizeitkleidung aus Jeans und Trainingsjacke alles vorhanden - aber, dass man auch in der Lewis-Jeans Berge besteigen kann, wissen wir ja spätestens seit Bernd Kullmanns Everest-Besteigung. Aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen gibt es vom Beschriebenen natürlich keine Fotos.

Einige Anmerkungen und (hoffentlich hilfreiche) Tipps:

- Nach starken Regenfällen empfiehlt es sich vor der Höllentalklamm eine Jacke anzuziehen. Ansonsten verlässt man diese völlig (!!) durchnässt
- Wasser auffüllen kann man (vom eher nicht zu empfehlenden Gletscherwasser abgesehen) letztmals vor dem Gipfel in einer offensichtlichen moosigen Gufel, die einige Minuten nach dem Ende der Sicherungen am Brett rechts des Weges liegt.
- Für den Gletscher sind mit Abschmelzen des Firns (idR wohl ab Mitte Juli) Steigeisen wirklich obligatorisch. Das Rumgeeiere der Aspiranten ohne Steigeisen im Blankeisteil war selten lustig und oft haarsträubend anzuschauen!!! Derzeit verläuft der Anstieg zu mehr als 50% im Blankeis.
- Einen Pickel braucht man selbst bei Blankeis bei etwas Erfahrung im Steigeisengehen nicht. Ob man ein KS-Set mitnimmt, muss jeder für sich selbst wissen. Wir haben ein solches benutzt.
- Die Randkluft wird ca. 30 Meter oberhalb des alten Übergangs überquert. Sie ist dort vllt. 30-40cm breit, also breit genug um Material zu versenken. Es gibt ein Drahtseil (+ einen normalen Seilstrang) direkt vom Schnee weg. "Klettertechnisch" ist es die schwerste Stelle, da 2, 3mal kleine Tritte angetreten werden müssen, bis man bequem im Fels steht.
- Aus dieser Angabe kann auch entnommen werden, dass der Übergang über die Randkluft derzeit absolut kein Problem ist!
- 10 Meter rechts des Übergangs an der Randkluft gibt es eine geräumige Nische im Fels. Dort kann man bequem die Steigeisen ausziehen und die Stöcke verstauen. Gerade bei Gedränge ist das viel angenehmer und auch ungefährlicher als diese Aufgabe direkt unterhalb des Einstiegs im steilen Schneegelände zu erledigen. Direkt als wir von der Randkluft loskletterten, rutschte hinter uns jemand aus und 30 Meter den steilen Gletscher hinunter ehe er (gottseidank) gerade noch 5 Meter vor einer großen Spalte bremsen konnte.
- Zur Gehzeit: Wir haben in entspanntem Tempo inkl. aller Kurz- und drei langer Pausen knapp unter 6,5 Stunden bis zum Gipfel gebraucht. Die reine Gehzeit dürfte zwischen 5 und 5,5 Stunden gelegen haben.

Auf dem Gipfel gabs leider von Aussicht nichts zu sehen. Immerhin sagte die Wetter-App noch einige Stunden stabiles bewölktes Wetter voraus, weshalb wir uns gegen die Abfahrt mit der Bahn und für den Abstieg entschieden. Eine halbe Stunde später standen wir nach dem Abzweigung zum Stopselzieher-Klettersteig hinab zur Wiener Neustädter-Hütte im Regen. Dieser gestaltete den Abstieg über die glatten und jetzt auch wunderbar nassen Platten ziemlich "interessant" und etwas zeitraubend. Noch dazu muss immer wieder auf beschädigte Klettersteigsicherungen geachtet werden. Im beeindruckenden Stopselzieher selbst war es dann dank "Überdachung" trocken.

Der Abstieg von der Hütte zum Eibsee ist schon für sich allein eine lohnende Bergtour mit allerlei ausgesetztem Gelände im oberen Bereich, ehe man die ausgedehnten Geröllfelder unterhalb der Wände des Zugspitzmassivs erreicht. Im unteren Teil zieht sich der eigentlich sehr schöne Abstieg durch den Wald (immer mehr oder weniger entlang der SkiPiste vom Riffelriß zum Eibsee) leider etwas, besonders auf dem Forstweg vom Eibsee zurück nach Hammersbach - doch das schöne, fast schon als spätsommerlich zu bezeichnende Wetter ließ auch diese abschließende Strapaze vergessen.

Tourengänger: simba


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Kommentare (2)


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scan hat gesagt:
Gesendet am 31. August 2014 um 17:58
Glückwunsch zur Tour und der inspirierende Beschreibung :-)

simba hat gesagt: RE:
Gesendet am 3. September 2014 um 19:56
Besten Dank. Hoffe die Beschreibung ist nur inspirierend und nicht eher bremsend ;)
Beste Grüße
Si


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