Marmolada (3343m) - "Expedition" auf die Königin der Dolomiten


Publiziert von felixbavaria , 3. September 2014 um 13:46. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:22 August 2014
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettersteig Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 2 Tage 7:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:Stausee - Rif. Pian dei Fiacconi - Ghiacciaio della Marmolada - Punta Penia - retour
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zum Fedaia-Stausee, über die Staumauer und bis zum Ende der asphaltierten Straße. Großer kostenfreier Kiesparkplatz.
Unterkunftmöglichkeiten:Rif. Pian dei Fiacconi (privat, Ü/F 24 EUR)
Kartennummer:Tabacco 06 (1:25'000)

Wer sich immer schon mal wie ein Expeditionsbergsteiger fühlen wollte, der im "Basecamp" auf ein geeignetes Schönwetterfenster zur Besteigung des Gipfels wartet, aber nicht weit fahren will, der kommt im Sommer 2014 in den Alpen auf seine Kosten! Bei winterlichen Verhältnissen im August wurde dann auch der Normalweg auf die Marmolada recht spannend.

Am Vorabend steigen wir vom Fedaia-See zum Rif. Pian dei Fiacconi auf, einer Hütte, die als Bergstation einer Seilbahn hauptsächlich durch ihre inneren Werte (kompetenter Hüttenwirt, gutes Essen, geräumige und warme Zimmer) glänzt. Am nächsten Tag soll das Wetter eigentlich bis mittags gut sein - wir wollen den Vormittag für eine Gletscherübung nutzen. Leider setzt bereits gegen 10 Uhr heftiger Schneefall ein, weswegen wir uns in die Hütte zurückziehen und dort die Spaltenbergung mit Fixpunkt am Stuhlbein geübt wird. Der heftige Schneefall dauert bis Abend an - dann aber plötzlich ein Wetterumschwung, überzuckerte Gipfel zeigen sich im Abendlicht, fantastische Stimmung!

Am Gipfeltag sind bei Nordföhn ebenfalls Regenschauer für den Nachmittag vorhergesagt. Auf dem Marmolada-Gletscher zahlreiche Nassschneerutsche vom Vortag, darunter festgefrorener Schnee. Aufgrund der winterlichen Verhältnisse sehen wir von einer Begehung der Westgrat-Ferrata ab. Jedoch ist auch auf dem Normalweg ein "Klettersteig" geboten, denn vom Gletscher müssen wir durch eine versicherte, aber mit Schnee und Eis gefüllte Rinne zum oberen Firnfeld aufsteigen. Durchaus spannend, aber praktischerweise kann man so die Steigeisen gleich anlassen. ;-)

Beim Gipfelaufstieg ziehen die Wolken bereits zu, daher und wegen des eiskalten Windes gibt es statt ausgiebiger Gipfelrast nur ein paar Gipfelfotos mit leicht gequältem Lächeln, bevor wir auf gleichem Weg den Abstieg antreten.

Die Schlüsselstelle im Abstieg ist der Übergang zwischen Gletscher und Rinne - hier staut es sich bei mittlerweile gut 100 Gipfelaspiranten erheblich. Da sich der Einstieg in einer steilen Passage des Gletschers oberhalb einer Randspalte befindet, ist der Stau auch nicht ganz ungefährlich. Überhaupt ist es angesichts des Verhaltens einiger Besteiger verwunderlich, dass hier nicht mehr passiert.

Am Ende steht dann aber doch das Glück, trotz widriger Verhältnisse einen zwar "leichten", aber doch ganz großen Berg der Ostalpen bestiegen zu haben (Rang 9 in der Liste der prominentesten Alpengipfel), was mit einem Franziskaner-Weißbier für 6 EUR auf der Hütte gebühend gefeiert wird.

Routenbeschreibung:

Vom Stausee auf markiertem Weg (606) über Karst, Gletscherschliff und Schotter zum Rif. Pian dei Fiacconi. Über Treppenweg über Gletscherschliff zum Nordende des Gletschers (Anseilpunkt). Im Rechtsbogen unter Umgehung der  Spaltenzonen nach Westen, zuletzt im Aufstiegssinn links um eine mächtige Randspalte herum zum Einstieg des versicherten Steigs durch die Ostflanke der Punta Penia. Der Steig führt gut versichert durch eine Rinne zum steilen Firnfeld unterhalb des Gipfels. Über dieses unschwierig zum Gipfel. Abstieg wie Aufstieg.

Hinweise:

Der Marmolada-Gletscher hat relativ wenige, dafür aber große Spalten. Es sollte bei Firnverhältnissen eigentlich selbstverständlich sein, hier nur in Seilschaft und mit Gletscherausrüstung unterwegs zu sein. Dennoch trifft man immer wieder auf Alleingänger.

Die Tour kann auch als Tagestour durchgeführt werden, mit Übernachtung hat man allerdings die Chance auf etwas Bergeinsamkeit an einem sonst völlig überlaufenen Gipfel, ohne allzu früh aufbrechen zu müssen. Viele Tagestouristen fahren auch mit der Seilbahn zur Hütte (erste Bergfahrt 8.30).

Schwierigkeiten:

Vom See zur Hütte: T3 (Vorsicht bei Nässe!)
Normalweg auf die Punta Penia über Marmolada-Gletscher: WS- (Hochtour), L (Klettersteig).


Links:

Bericht von Steffi (gipfelglueck.de) zur gleichen Tour.

Bericht von Kireko.

Tourengänger: felixbavaria, Kireko


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Kommentare (2)


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georgb Pro hat gesagt: make the best of it
Gesendet am 3. September 2014 um 16:08
So ists richtig, nicht übers Wetter jammern, sondern was Originelles draus machen. Tolles Unternehmen, bravo!
Gruß, Georg

felixbavaria hat gesagt: RE:make the best of it
Gesendet am 3. September 2014 um 17:04
"Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch" (Karl Valentin)

:-)


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