Il Nes 2951 m Corn Chamuotsch 3017 m Corn Suvretta 3072 m - Windige Grattour auf der Nullgradgrenze


Publiziert von Ivo66 Pro , 22. August 2014 um 18:37.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum:22 August 2014
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1030 m
Abstieg: 1030 m
Strecke:Alp Güglia - Valletta dal Güglia - Il Nes (Südwand) - Corn Chamuotsch - Fuorcla Chamuotsch - Corn Suvretta - Valletta dal Güglia - Alp GügliaG
Kartennummer:1:25'000 Bivio

Temperaturen nahe der Nullgradgrenze mit eiskaltem Wind: Das ist der Sommer 2014 in den Bergen. Immerhin gesellten sich heute einige Sonnenstrahlen hinzu und mehr und mehr lachte sogar ein blauer Himmel auf uns herunter. Auch das Wetter stand heute Kopf und hielt sich an keine aller möglichen Prognosen noch vom frühen Morgen, sondern drehte den Spiess um: Statt zuerst blauer Himmel und dann Wolken gerade umgekehrt...

Mit etwas ungläubigen Blicken zum Himmel entstiegen wir auf der Alp Güglia dem Auto und wanderten gemütlich das einsame Valletta dal Güglia hoch. Immer grauer und dunkler wurden die Wolken, die um die Gipfel hingen und bald schon rieselte daraus ein Regenschauer zu Boden. Wir beschlossen, weiterzugehen und sollten im späteren Verlauf für diesen Entscheid auch belohnt werden. 

Im nicht besonders dichten Nebel stiegen wir der Felsbastion Il Nes entgegen - einer Dolomitburg am Fusse des Piz Julier. Spontan kam bei mir die Idee, den Zustieg zum Gipfel auf einer neuen Route zu versuchen, die im SAC-Clubführer nicht erwähnt ist: Den direkten Durchstieg durch von unten nicht allzu steil in Erscheinung tretende Südwand. In unserer Euphorie wichen wir etwas gar früh vom Talboden ab und sahen uns bald inmitten endlos scheinendem Moränengeröll wieder. Ohne technische Schwierigkeiten, aber mit einem enormen Zeitverlust erreichten wir den Gipfelaufbau des Il Nes.

Nun galt es, einen guten Zustieg durch die Südwand zu finden. Das Gelände - im unteren Teil aus felsdurchsetzten Grasbändern bestehend - wurde gegen oben stets etwas steiler. Unsere Route war geschmückt mit dutzenden von Edelweissen, eines schöner als das andere. Im felsigen Bereich erblickten wir zwei Couloirs, die einen möglichen Zustieg erlauben könnten und versuchten uns spontan am linken der beiden. Mit etwas Kletterei standen wir schliesslich bald direkt an einer schroffen Felswand, welche aber auf der linken Seite eine Schwachstelle aufwies und gut zu überklettern schien. Zu unserer Überraschung und Bestätigung fand sich denn am Einstieg auch ein Steinmann.

Der Schlussaufstieg im Felsgelände - eine Mischung aus einer Art Grat und Wand - bot herrliche Kletterei mit einigen Stellen im 2. Schwierigkeitsgrad und in bombenfestem, aber messerscharfen Dolomitfels; die Handschuhe boten hier nicht nur Schutz vor der bissigen Kälte. Zuletzt erfolgte der kurze Aufstieg zum höchsten Punkt in Gehgelände.

Das Wetter wurde nun tatsächlich freundlicher - da und dort zeigten sich erste blaue Flecken am weiss-grauen Himmel. Wir setzten die Tour fort zum Corn Chamuotsch in Umgehung des Verbindungsgrats auf der Südseite. Am Gipfel angekommen, fanden wir eine etwas windgeschützte Stelle, um uns kurz zu verpflegen.

Weiter ging es im direkten Abstieg durch grosse Geröllblöcke zur Fuorcla Chamuotsch, wo wir sogleich den Schlussaufstieg zum dritten Gipfelziel, dem Corn Suvretta, antraten. Dieser Gipfel ist, wie fast alle in dieser Region, mehr als Skigipfel bekannt. Jetzt - in den schneefreien Monaten - ist der Aufstieg über den Südostgrat ähnlich wie bei guten Verhältnissen im Winter kaum mit Schwierigkeiten verbunden. Bei unserer Ankunft auf dem Gipfel zeigte sich, dass das Wetter immer besser wurde. Unaufhörlich aber peitschte uns der unangenehm kalte Wind weiter ins Gesicht. 

Wir stiegen vom Gipfel direkt durch die steile Südwestflanke ab, im feinen Geröll ein wahrer Genuss. Wir erreichten wieder das Valletta dal Güglia und stiegen gemütlich zum Ausgangspunkt ab. Es versteht sich schon fast von selbst, dass wir auf der ganzen Tour keinem Menschen begegnet waren. In gut vier Monaten wird das hier wieder ganz anders sein...

Routenbeschreibung:

Alp dal Güglia - Il Nes (Südwand) T5, Stellen II

Von der Alp Güglia (Parkplatz an der Julierstrasse) wandert man rechts des Bachs talaufwärts, wo man früher oder später auf eine Wegspur trifft, welche immer noch rechts des Bachs die erste Steilstufe überwältigt. Gleich anschliessend überquert man den Bach über eine Holzbrücke und geht über eine Hochebene weiter taleinwärts.

Kurz vor dem Fusse des Il Nes überquert man den Bach nach rechts und steigt über Schutt und Geröll in östlicher Richtung etwas hoch. Beliebig kann man dann Richtung Südwand aufsteigen unter Benützung von Grasbändern und einfachen Felsstufen. Man hält sich am besten stets linkshaltend aufwärts. 

Man erblickt im felsigen Bereich zwei markante, nicht besonders steile Couloirs und wendet sich dem linken zu, welches man auch durchsteigt. Unter der Felswand im oberen Bereich geht man ganz nach links zum Abgrund, wo sich der Einstieg in den kurzen felsigen Bereich befindet.

In sehr gutem Fels steigt man nun hoch, man hält sich mit Vorteil auch hier nach links. Je nach Variante sind zwei bis drei Stufen im 2. Klettergrad zu meistern. Man erreicht danach bald flaches Gelände und begibt sich in Gehgelände zum höchsten Punkt.

Weiter zum Corn Chamuotsch (T4)

Wir umgingen den direkten Verbindungsgrat grossräumig, indem wir gut 100 Meter vom Gipfel abstiegen und entlang der Gratfelsen durch Geröll weiter gingen. In der Folge steigt man wieder zum Grat hoch und steigt ohne besondere Schwierigkeiten weiter zum Gipfel.

Corn Chamuotsch - Corn Suvretta (T4)

Vom Gipfel stiegen wir direkt durch Geröll zur Fuorcla Chamuotsch ab und folgten dort dem Südostgrat zum Gipfel. Es ist im Aufstieg einige Male der Gebrauch der Hände erforderlich; am besten hält man sich auf der Grathöhe und kann gegebenenfalls einige Aufschwünge beliebig umgehen.

Corn Suvretta - Valletta dal Güglia (durch die Südwestflanke) T3

Durch feinen Schutt steigt man sehr bequem aber steil ab und erreicht dann flaches Gelände. Beliebig steigt man in die Valletta dal Güglia ab, wo man früher oder später wieder auf die zuvor begangene Aufstiegsroute trifft.


Tourengänger: Ivo66, Lena

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