L'Eveque 3716m - Überschreitung Süd-Nord


Publiziert von alpinos , 12. November 2014 um 20:14.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum:17 August 2014
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Klettern Schwierigkeit: 4+ (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 950 m
Abstieg: 700 m

Anspruchsvolle, kombinierte Tour für den langen Atem

Die Nacht im Refuge des Bouquetins war zwar sehr gemütlich, ruhig und erholsam, aber dauerte nicht lange. Die ersten waren noch mit dem Anfeuern des Ofens beschäftigt, als wir zusammenpackten und dank JetBoil innerhalb von wenigen Minuten heißen Tee und lecker Haferbrei gekocht hatten. Nach diesem üppigen Frühstücksmahl starteten wir in den beginnenden Morgen.

Schnell waren wir den Schotterhang hinab zum Haut Glacier d'Arolla gelaufen und betraten die, mit einer Schneekruste überzogenden Eisfläche. Der Gletscher begrüßte uns bald darauf mit einigen freundigen und erfrischenden Knacks, durchs Eis hallten - die Müdigkeit war schlagartig verflogen und alle Sinne auf den Weg gerichtet... wir überquerten den Gletscher, und kämpften uns dann nördlich von P. 2930 durch den Schotter der Moräne hinauf auf das nächste Gletscherplateau. Steigeisen wurden angeschnallt und der Pickel zur Hand genommen und weiter ging's in gerader Linie auf P. 3264 zu und dann rechts vorbei über den spaltenreichen Hang hinauf zum Col de l'Eveque (3392 m).

Über ein paar brüchige Felsen (I-II) erkletterten wir P. 3457 und konnten jetzt den Südgrat des l'Eveques in Augenschein nehmen. Der Einsteig oberhalb P. 3395 sah nicht einfach aus (im Topo von Daniel Silbernagel nicht so vermerkt). Wir versuchten zunächst links die Felsen im Firn zu umgeben, der Versuch endete aber an einer vereisten Felsstufe - also wieder zurück. Mit etwas Tüffeln erklommen wir doch noch die ersten Felsen (II-III) und fanden oben tatsächlich einen alten Bohrhaken. Über einfaches Gelände ging es links herum wieder zum Grat und dann schräg nach links hinauf an den Fuß des breiten Couloirs. Etwas links des Steinmanns kletterten wir ca. 45 m durch das Couloir hinauf zum Grat (3 Friends gelegt, zwei senkrechte Felsstufen III, sonst einfach), wo der nächste einsame Bohrhaken für einen Standplatz genutzt werden konnte.

Im Topo sind die beiden folgenden SL vertauscht: es kommt gleich die SL mit 4a, dann erst die leichte mit 3b. Unverhofft standen wir somit schon vor der Schlüsselstelle: einem plattigen Kamin mit Wulst in der Mitte und luftigem Ausstieg (4a). Mit Bergschuhen nicht ganz trivial, Friends können in einem Riss gut platziert werden, der Haken ganz oben hilft beim Ausstieg. Oben links gibt es dann eine Möglichkeit, einen Stand zu bauen. Die nächsten Meter waren wieder einfach. Anstatt wie im Topo angegeben nun nach Süden (rechts), querten wir durch den Firnschnee etwas nach links und kletterten durch eine Verschneidung nach oben (ca. III+, 2 BH), bevor wir wieder auf den jetzt ziemlich luftigen Grat zurückquerten. Wir konnten bereits einige Berggänger auf dem Vorgipfel erkennen, wir hatten jedoch noch einen weiten Weg: der Grat zog sich in die Länge und wartete noch mit einigen knackigen Kletterpassagen (bis 3c) in luftigen Höhen auf. Wir sparen uns eine genaue Beschreibung, einfach immer am Grat entlang, und das Genießen nicht vergessen ;)

Insgesamt lag ziemlich viel Schnee auf dem Grat, vor allem auf der Nordseite, so dass wir alles mit Steigeisen kletterten und öfters den Weg suchen mussten; daher benötigten wir auch statt der angegebenen 2h30min tatsächlich 4h für die Kletterei und standen erst nach 7h ab Refuge auf dem Gipfel des l'Eveques (3716 m). Die Anspannung viel von uns ab und wir genossen den Gipfelerfolg, das wunderbare Wetter und die eindrückliche Berglandschaft.

Aber es war noch nicht vorbei: der Abstieg vom Gipfel nach Norden gestaltete sich werden des lockeren Schnees auf den Platten und Felsstufen recht mühsam und kostete wieder einiges an Zeit. Aber schließlich erreichten wir das steile Gletscherfeld. Hier riefen 30 cm Pulverschnee den starken Wunsch nach Skiern hervor... die kamen aber nicht geflogen und so liefen wir hinunter zum Glacier du Mont Collon, überquerten das weite Gletscherplateau und stiegen, etwas erschöpft, die letzten Meter hinauf zur Cabane des Vignettes (3160 m).

Ein erfüllter Tag mit vielen Erlebnissen ging zu Ende! Wir empfanden den Südgrat des l'Eveques als recht anspruchsvoll, sowohl vom Klettern, der Exposition, als auch von der Wegfindung her; letzteres lag aber auch am Schnee, der zahlreiche Schattenstellen des Grates bedeckte. Insgesamt ein großes Abenteuer!

Tourengänger: alpinos

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Kommentare (4)


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Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 12. November 2014 um 20:46
Hallo Zusammen,

Super Tour! Ich werde wohl nächstes Jahr meinen "Göttibueb" auf die l'Evèque mitnhemen (natürlich Normalweg), es soll seine erste Tour auf einen hohen 3000er werden - hoffentlich ist dann der Gletscher noch schön Firnbedeckt.

Gruss, Sputnik

alpinos hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. November 2014 um 10:01
Hi Sputnik,

Vielen Dank! War wirklich eine tolle Tour. Auch über den Normalweg scheint der Berg nicht sehr häufig besucht, wird sicher ein super Einstand in die Welt der 3000er für Deinen Göttibueb.

Viele Grüsse,
A&R

morphine hat gesagt:
Gesendet am 14. November 2014 um 16:19
Hallo alpinos,

mal wieder eine geniale Tour. Respekt und Gratulation. Einmalig schöne Landschaftsaufnahmen. Ich kenne die Gegend ja auch ein bisschen noch vom letzten Jahr und war auch diesen Sommer zufällig am selben Tag nur wenig entfernt an der La Ruinette unterwegs.

Gruß
morphine


alpinos hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. November 2014 um 10:08
Hi morphine,

Wir haben Deinen Bericht von der Ruinette gesehen - die Gegend ist immer eine Reise wert. Schön, dass Dir die Fotos gefallen, das Kompliment geben wir gerne zurück. Du bringt ja regelmässig super Bilder mit von Deinen Touren. Einen guten Start in den Winter und viele Grüsse
A&R


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