Sustenhorn (via E-Grat) 3503m - SAC Uto


Publiziert von Bombo , 2. September 2008 um 01:54.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:31 August 2008
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-UR 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 1640 m
Strecke:Voralpkurve - Voralphütte SAC - Sustenhorn 3503m - Tierberglihütte SAC - Hotel Steingletscher
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV: Bhf Göschenen, anschl. mit Rufbus (obligate Reservation: 041 885 11 80 oder 079 343 01 09) (Alternative: Alpentaxi 041 / 885 10 16) zur "Voralpkurve". PW: Parkplatz Hotel Steingletscher, anschl. mit Postauto nach Göschenen, dann wie oben.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV: Postauto-Station beim Hotel Steingletscher PW: Parkplatz Hotel Steingletscher
Unterkunftmöglichkeiten:Voralphütte SAC
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1211 "Meiental"

Sustenhorn Ost-Grat - Eine Kombi-Tour aus Fels, Eis, Schutt und nicht ganz Asche (ZS III, 2 Stellen IV)

Ich geb's zu, ich bin nicht unbedingt der Bilderbuch-ÖV-Benutzer, welcher sich an den Wochenenden in die sonst schon überfüllten Züge und Postautos quetscht. Lieber bevorzuge ich meine eigene Benzin- und Dieselschleuder, verzichte dafür aber unter der Woche fast gänzlich auf das Auto. Heuer stand aber ein weiteres SAC-Uto-Abenteuer auf dem Programm und da sich unsere Sektion sehr für den Umweltgedanken einsetzt, liess auch ich meine Metallkutsche im Stall.

Mit der SBB geht es von Zürich bzw. Zug nach Göschenen, wo ein mir bekanntes Hikr-Gesicht zu unserer Gruppe dazustösst: es ist Ironknee - was für ein Zufall. Noch vor wenigen Stunden habe ich seine Berichte aus dem Wallis gelesen und schon steht eine gemeinsame Tour bevor. Da freu ich mich natürlich erst recht drauf.

In Göschenen gehts per Postauto bzw. Rufbus
(obligate Reservation: 041 885 11 80 oder 079 343 01 09) (Alternative: Alpentaxi 041 / 885 10 16) bis Station "Voralpkurve".

Von der Voralpkurve 1402m stiegen wir auf einem schön angelegten Wanderweg hoch zur Voralphütte SAC 2126m, welche einen erstklassigen Service bietet - sei das bei der Begrüssung, im persönlichen Gespräch mit dem Hüttenwart, in der Qualität des Essens und auch was Sauberkeit und Ordnung in der Hütte betrifft. Ich könnte jetzt schreiben: "kein Wunder, ist ja auch eine SAC-Uto-Hütte" - aber wer die meist überfüllte Domhütte im Wallis kennt, würde mir mit dieser Aussage den Krieg erklären :-)

Um 03.40 Uhr krächzte der erste elektronische "Güggel" (nächstes Mal bitte richtig einstellen...) und um 04.00 Uhr ging dann gleich ein mehrstimmiges Wecklied durch den vor Müdigkeit verhangenen 12er Schlafsaal. Ein stilles - ja schon fast spirituelles - Frühstück folgte und um 04.50 Uhr standen wir alle mit leuchtender Stirnlampe und Tatendrang bereit zum Abmarsch.

Man verlässt die Hütte nordwestlich durch den "Gartenzaun" - eine Pfadspur ist vorgegeben - und stösst dann wenige Minuten später auf den "offiziellen" blau-weissen Wanderweg, welcher nach Nordwesten richtung Sustenjoch verläuft. Nach ca. 15 Minuten überquert man über eine Metallbrücke (Leiter) die Voralpreuss und steht dann gleich am Fuss einer markanten Moräne. Hier ist es in der Dunkelheit nicht einfach, den genauen Weg zu finden - doch falsch machen kann man eigentlich nicht viel, denn die Moräne führt direkt zum Einstieg in die erste Felsstufe P. 2478. Wichtig: Den genauen Einstieg mit dem ersten Bohrhaken findet man von der Moräne aus gesehen auf der linken Seite. In zwei 3er-Seilschaften erkämpfen wir über den beinahe senkrecht sich hochziehenden Felsriegel  (III, 3 Klebeanker) die nächste Etappe: den Brunnenfirn.

Mit Steigeisen und Pickel gehts in nordwestliche Richtung, teilweise mitten durch die Gletscherabbrüche und nur wenige Fusstritte neben den Gletscherspalten, hoch in die Scharte westlich von P. 2914. Der Einstieg für diesen Gratzustieg befindet sich halbwegs im Bergschrund - hier gilt es auf Steinschlag von evtl. Vorsteigern zu achten. In einer nun ziemlich anspruchsvollen Kletterei
(IV, keine künstlichen Sicherungen) erobert man so den Ostgrat, welcher während den nächsten Stunden die "Himmelsleiter" zum Sustenhorn 3503m darstellt.

Der Grat würde nicht Ostgrat heissen, wenn dieser nicht gegen Westen zieht (kleines Wortspiel, sorry..) und so dürfen wir mit der langsam aufgehenden Sonne im Rücken stets unseren eigenen Schatten beobachten. Oder sind es die Schutzengel, welche mit uns aufsteigen? Diese benötigt man vorerst noch nicht, in angenehmer Kletterei und Kraxelei (II bis III) zieht man langsam und stetig hoch. Hin und wieder gilt es auf ausgesetzten Felsbändchen kleinere Gratwände zu durchquären - dank vielen Alpin-Sicherungs-Möglichkeiten und einzelnen Klebeanker sind diese Hürden meist problemlos zu bewältigen.

Weiter oben erscheint ein weiteres kleines Firnfeld, dieses kann jedoch links am Fels gut umgangen werden (so spart man sich die Zeit, um erneut die Steigeisen zu montieren). Dann folgt erneut eine weitere interessante und genussvolle Kletterei (II bis III), welche einem nicht selten über brüchigen Fels führt. In der Wahl der Route ist man mehrheitlich frei, am besten bleibt man jedoch in Gratnähe. Hin und wieder ein Ausweich-Manöver in die Nordflanke, dann aber später wieder zurück auf den Grat. Ungefähr 1 Stunde, evtl. ein bisschen weniger, bevor der Gipfel erreicht ist, folgt nochmals eine weitere Schlüsselstelle (III, -IV), welche einerseits gewisse akrobatische Fähigkeiten und andererseits dann nach geglückter Bewältigung auch noch Schwindelfreiheit voraussetzt. Ohne Seil würde man hier ziemlich exponiert auf der Südseite des Grates stehen, mit Seil ändert sich zwar die Position nicht, dafür aber die innere Ruhe :-)

In einer weiteren sehr angenehmen Kletterei und Kraxelei gehts dem Gipfel entgegen und gerade wo man die letzte leichte Felsstufe bewältigt hat, erscheint auch schon das ersehnte Gipfelkreuz des Sustenhorn 3503m, welches wir seit Abmarsch exakt in 6 Std 55 Min erreichen.

Die Aussicht ist einfach phänomenal, überwältigend und unvergesslich...

... sagt man, für uns bleibt dieser Wunschsegen jedoch unerfüllt, denn leichte Gewitterwolken und Hochnebel machten sich während den letzten Stunden über dem Gipfel breit, sodass wir mit viel Glück gerade noch das Gwächtenhorn 3420m auf der gegenüberliegenden Westseite sehen. Hin und wieder taucht die Tierberglihütte SAC 2795m auf, welche wir schon bald auf unserem Abstieg passieren werden. Diese unsichere Wetterlage hat aber auch seinen Vorteil, denn das sonst so rege besuchte Sustenhorn dürfen wir heute für uns ganz alleine geniessen - das gibt's hier wohl auch nicht alle Tage (und erst noch an einem Sonntag).

Vom Sustenhorn 3503m steigen wir nach einer Gipfelrast über den Normalabstieg in westliche Richtung über den Steingletscher richtung Tierberglihütte SAC 2795m ab. Dabei queren wir ettliche Gletscherspalten, springen über hell schimmernde Schneebrücken und staunen immer wieder über die mächtigen und tiefen Spalten, welche der Gletscher in den vergangenen Jahren hinterlassen hat. Vorbei an der Tierberglihütte geht's auf blau-weiss markiertem Wanderweg in den Schlussabstieg richtung Hotel / Restaurant Steingletscher (direkt an der Sustenpass-Strasse), welches wir um 16.00 Uhr und somit nach exakt 10h (inkl. Pausen) erreichen. Gerade noch rechtzeitig vor einzelnen wenigen Regentropfen können wir alle zusammen auf eine gelungene, spannende und absolut empfehlenswerte Tour anstossen.

Mit dem Postauto (Abfahrt 16.50 Uhr beim Hotel Steingletscher) fahren wir nach Meiringen, wo wir dann mit dem Zug in einer beinahe 3-stündigen Fahrt unser Zuhause erreichen (umsteigen in Luzern).

Hier nochmals unsere Zwischenzeiten:

Voralphütte - Gipfel: 6h 55 Min
Gipfel - Tierberglihütte: 1h 15 Min
Tierberglihütte - Hotel Steingletscher: 1h 45 Min
Total ca. 10h

Ein Dank von meiner Seite geht an die Organisation (Marianne, welche gesundheitsbedingt nicht teilnehmen konnte) sowie an unsere Vorsteiger Markus und Felix, welche uns souverän auf den Gipfel führten und auch in den Schlüsselstellen keine Spur von Unsicherheit oder Fehlverhalten zeigten. Danke auch Dir, Ironknee, für die hilfreichen Ratschläge, wenn ich mal wieder dringend einen Felsvorsprung brauchte, wo ich meine Füsse abstellen konnte :-).

Alternative: Für Benzin-Schleuderer wie mich, welche lieber in 1 1/2h statt in 3h zu Hause sind (dafür dann aber das örtliche Gastronomie-Gewerbe unterstützen!), gäbe es noch folgende Variante: Mit dem Auto am Vormittag zum Hotel Steingletscher und parkieren. Anschliessend mit dem Postauto nach Göschenen. Mit dem Rufbus zur Voralpkurve und dann die Tour wie oben beschrieben. Aber eben, ist sicher nicht die zu bevorzugende Variante.

Tourbericht von ironknee









Tourengänger: ironknee, Bombo

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ZS IV
31 Aug 08
Sustenhorn (3503) Ostgrat · ironknee

Kommentare (5)


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Sputnik Pro hat gesagt: Tolle Sache!
Gesendet am 2. September 2008 um 07:14
Eine geniale Tour habt Ihr da gemacht, vor Allem ist's lustig dass ihr Euch zufällig getroffen habt :-)

Weiter so, der Herbst ist noch lange!

Gruss Sputnik

Bombo hat gesagt: RE:Tolle Sache!
Gesendet am 2. September 2008 um 18:31
Stimmt, die Welt ist manchmal klein :-) Freuen wir uns jetzt auf den farbenfrohen Herbst, welchen dank dem Sonnenstand wieder geniale Fotos bescheren wird.

Gruss Bombo

danueggel hat gesagt: Ach wie schön !
Gesendet am 2. September 2008 um 15:50
Danke dir für den tollen Bericht. Ich war am 23./24. August dort. Leider hatte es in der Nacht vorher noch geschneit. Bereits der erste Felsriegel war sehr mühsam und rutschig, den Einstieg bei der Scharte gelang uns dann nicht mehr und wir mussten bei schönstem Wetter den Ostgrat sausen lassen ;(.
Dein Bericht und deine Fotos trösten mich etwas und ich weiss nun ganz genau, was ich nächsten Sommer tun werde...

I'll be back!!!

Greez danueggel

Bombo hat gesagt: RE:Ach wie schön !
Gesendet am 2. September 2008 um 18:33
Oje, ja das sind die Momente, welche niemand von uns so richtig lustig findet. Vorallem noch, wenn das Wetter optimal mitspielt. Ihr hättet theoretisch noch via Chelenalplücke und Sustenlimi das Sustenhorn erreichen können, aber logo, ist natürlich nicht der Ost-Grat :-)

Freu Dich auf die bevorstehende Tour, die wird Dir ganz bestimmt gut gefallen. Nimm auf jede Fall noch 2 Friends und 3 Express mit, Keile benötigt man eigentlich keine.

Gruss
Bombo

danueggel hat gesagt: Chelenalplücke
Gesendet am 2. September 2008 um 20:05
Wäre durchaus eine Variante gewesen. Wir wollten nicht mehr den gleichen Weg hinabsteigen und so folgten wir dem Gletscher hinauf bis zum brüchigen Felsriegel, den wir mit Ach und Krach überquerten. Von dort aus würde auch ein Grat auf den Gipfel führen, aber wäre wohl unwesentlich schwieriger. Für die Chelenalplücke und das Sustenlimi fehlte dann doch die Motivation ;)

P.S: Ich hätte das Tourenprogramm des SAC-Uto besser studieren sollen, wäre nämlich auch Mitglied und hätte so mein "Trauma" eine Woche später überwinden können ;)

Greez
Daniel


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