Hüttenwanghorn 2620m, Gross Litzner 3109m und Gross Seehorn 3122m


Publiziert von Sputnik Pro , 1. September 2008 um 16:49.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Prättigau
Tour Datum:31 August 2008
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2300 m
Abstieg: 2300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Chur oder Zürich mit der Bahn nach Landquart. Von dort weiter mit der RhB nach Klosters Platz. Von Klosters besteht die Möglichkeit mit dem Ortsbus bis Monbiel zu fahren.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Biwak auf dem Unghürboden oder Übernachtung in der Seetal Hütte SAC (16 Plätze; offen Jul.-Sept.); Telefon 00870 761 983 263.
Kartennummer:LKS Nr. 1178, 1197 und 1198

EINE DER SCHÖNSTEN KLETTERTOUREN IN DER SILVRETTA.

Endlich klappte es mit dieser Tour, Alpin-Rise und ich planten die grandiose Überschreitung vom Gross Litzner und Gross Seehorn schon länger in diesem Sommer. Aber bisher klappte es wegen dem Wetter oder aus Termingründen einfach nicht. Zum Glück war der das Wetter an diesem Wochende perfekt und wir hatten beide Zeit für das Unternehmen.

Das für schweizer Vehältnisse sehr abgelege und ursprüngliche Seetal über dem sich unsere Gipfel auftürmen liegt über 10km von Klosters entfernt. Wir kürzten deshalb die lange Strecke von Klosters Platz (1191m) entlang der Landquart und dem Verstanclabach zur Alp Sardasca (1646m) mit dem Fahrrad ab. Da wir keine Radprofis sind, schoben wir allerdings die Drahtesel in den steileren Passagen. Dafür war der Rückweg dann reiner Luxus - zu Fuss 10km Asphalt und planierte Piste zurück nach Klosters wären sonst nach der tollen Klettertour der Wanderhorror gewesen!

Bei der Alp Sardasca beginnt der schöne Hüttenweg zur kleinen Seetalhütte welche die kleinste bewartete SAC-Hütte ist. Für den Aufstieg benötigten wir etwas mehr als die normale Zeit da die Heidelbeeren im Überfluss direkt am Wegesrand im Reifezustand waren. Nach einer Rast in der Seetal Hütte (2065m) machten wir aus mit unserem schweren Gepäck weiter auf den Weg auf den Unghürboden. Der malerische Ort Unghürboden ist eine kleine Ebene mit 6 Seen in einem Seitental vom Seetal direkt unter den Seehorngipfel. Während Alpin-Rise ein (Nach-)Mittagsschläfchen machte, erkundete ich die Umgebung mit einem Aufstieg zum Hüttenwanghorn.

Hüttenwanghorn (GR; 2620m): Vom Unghürboden erkennt man den Hauptgipfel an seinen nach Westen schief hängenden Platten. Über feste Blöcke gelangt man zum unteren Ende der Platten über diesen eine Felswand ist. Die Felswand gegen das rechte (westl.), untere Ende ein Couloir durch das man zur Westflanke gelangt (T4). Über einige Plattige Stufen (T5; Fels I+) und zuletzt über Geröll gelangt man dann auf den Hautgipfel).

Vom Hauptgipfel erkannte ich dass es im Gratverlauf nordöstlich zwei unvermassene höhere Punkte gibt. Kurzerhand machte ich eine kleine Überschreitung. In leichter Kletterei (T5; Fels I) gings auf den Felskopf und danach auf den noch etwas höheren Grasbuckel wo ich einen Steinmann baute. Über erdiges Gelände und das Blockfeld stieg ich dann schnell wieder zum Biwak ab. Nach einem gemütlichen Abendessen und einer sternenklaren Nacht starteten wir tags darauf um 5 Uhr zu unserer Überschreitung:

Gross Litzner (GR/A; 3109m): Über ein Blockfeld und ein immer steiler werdendes Schuttweglein gelangt man vom Unghürboden in die Scharte (2689m). Weiter geht's von dieser Lücke alles über den Grat zum Winterberg.Westgipfel (P.2924m). Der unterste Teil von diesem Grat erklettert man am einfachsten direkt (T5; Fels bis II), anschliessend umgeht man eine plattige Stufe auf Steigspuren nördlich und gelangt zum Schluss über ein Blockfeld zum P.2924m. Hier zweigt der Grat zum Gross Litzner ab. Man hält sich auf der Ostseite des Grates (Schutt und Bänder; T5) bis man ein Couloir erreicht; etwa 25m von dessen oberen Ende erkennt man eine Rinne die nach oben führt. Über diese Rinne (T5; Fels I-II) gelangt man zu den Schuttfelder südöstlich P.3060m wo man auf die Normalroute von Österreich her trifft. Auf einem Weglein steigt man zum Vorgipfel P.3060m der unterhalb links über Geröll umgangen wird (T5). Hier beginnt die Kletterei: Zuerst wir der Vorturm gutgriffig in einer Seillänge (II-III) erklettert. Vom Vorturm wird in die Litznerscharte 10m abgeseilt. Aus der Scharte klettert man etwas links (III+; schwierigste Stelle) auf eine Platte und weiter 10m hinauf zu einem Stand. Die nächsten zwei Steilstufen werden eher rechts nahe der Gratkante überklettert (III), die letzten Meter zum Gipfel mit dem riesigen Kreuz sind dann einfaches Gelände (T4).

Um weiter zum Gross Seehorn zu gelangen seilt man insgesammt drei Mal ab ins Hochjoch (zirka 2980m). Einige Meter unterhalb vom Gipfel des Gross Litzners befindet sich die erste Abseilstelle, nach einem kurzen Abstieg über einfaches Gelände die Zweite. Danach gelangt man über einfache Felsen (I-II) zur dritten Abseilstelle, einem überhängendem Fels. Über 23m (50m Seil) gelangt man so an den Fuss vom Gross Litzner. Zu Fuss (T4-5) geht's weiter hinunter ins Hochjoch wo der Aufstieg zum Gross Seehorn beginnt.

Gross Seehorn (GR/A; 3122m): Vom Hochjoch leitet ein einfacher, gut gestufter Grat zum Gross Seehorn. Zuerst ist oft ein Pfad erkennbar, weiter oben geht's in munterer Kletterei (WS; Fels II) zum Gipfel. Der einfachste Abstieg vom Gross Seehorn führt über die Westwand, hier ist eine Abseilpiste über 8 Seillängen eingerichtet. Unten angelangt gelangt man über Firn und Schutt (T5) auf den Seegletscher.

Wir stiegen nicht ganz bis zum Gletscher ab, sondern querten mühsam über Firn und Geröll in die Seehornscharte (2862m). Die Scharte bietet der schnellste Abstieg zum Unghürboden (T4-5) über eine Geröllrinne, Grasnarben und ein Blockfeld.

Mit dem Gross Litzner und Gross Seehorn habe ich alle 3000er der Silvretta nach dem Buch "3000er in den Nordalpen" von R. Gödeke bestiegen. Im Buch sind alle Gipfel mit >400mPr beschrieben sowie einige ausgewählte interessante 3000er mit weniger als 400mPr; die neun Gipfel sind: Piz Linard (3410,3m; 1028mPr), Fluchthorn / Piz Fenga (3398,0m; 647mPr), Piz Buin (3312,1m; 514mPr), Silvrettahorn (3244m; 201mPr), Augstenberg / Piz Blaisch Lunga (3230m; 431mPr), Gross Seehorn (3122m; 433mPr), Gross Litzner (3109m; 130mPr), Flüela Wisshorn (3085m; 632mPr) und Piz Murtera (3044m; 458mPr).

Genaue Route: TAG 1: Klosters Platz - P.1207m - Bündelti - Monbiel - Baretschrüti - Auetli - Pardenner Boden - Cholplatz - Untersäss - P.1416m - P.1487m - Chrätzer - P.1575m - P.1613m - Sardasca (P.1646m)  - P.1849m - P.1935m - Seealp - Seetal Hütte - P.2099m - Augstberg - Unghürboden - Hüttenwanghorn - Unghürboden (Biwak). TAG 2: Unghürboden - Scharte - P.2924m - P.3060m (westl. Umgehen) - Litzner Vorturm - Litznerscharte - Gross Litzner - Hochjoch - Gross Seehorn - Gross Seehorn Westwand - Seehornscharte - Unghürboden - Abstieg nach Klosters wie Aufstieg.

Tourenbericht von Alpin-Rise: http://www.hikr.org/tour/post8362.html


Tourengänger: Sputnik, Alpin_Rise

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Kommentare (2)


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KFV hat gesagt:
Gesendet am 3. September 2008 um 20:34
Erstmal Gratulation zu dieser wahnsinnig tollen Tour u. den tollen Witterung- u. Sichtbedingungen !!!

"...Im Buch sind alle Gipfel mit >400mPr beschrieben sowie einige ausgewählte interessante 3000er mit weniger als 400mPr..."
Seltsam, dass die hohen Südsilvrettagipfel Piz Fliana (3281 m), Plattenhörner (3220 m) u. der dritthöchste Silvrettagipfel überhaupt, das Verstanclahorn (3298 m) dort nicht aufgeführt sind ???
Ok, die Schartenhöhe zum Piz Linard (3410 m) ist wohl < 400mPr, aber gerade das schöne Verstanclahorn ist (mit Litzner-Seehorn) der schwierigste Klettergipfel der Gruppe überhaupt !?!?!

Ciao.

Sputnik Pro hat gesagt: R. Gödeke: 3000er der N-Alpen
Gesendet am 3. September 2008 um 21:16
Danke für die Gratulation, die Tour war wirklich wunderschön.

Im Büchlein sind insgesammt 141 Gipfel beschrieben, dabei sind alle über 400m Schartenhöhe sowie einige "besondere" 3000er mit Farbe und meist gut beschriebenem Normalweg beschrieben. Das Büchlein ist extra so gehalten um es auf die Tour mitzunehmen. Da stellt sich die Frage wieviel "besondere" Gipfel unter 400m Schartenhöhe in den gesammten Nordalpen aufgenommen werden sollte...

Die Schartenhöhen vom Verstanclahorn (360mPr) und der Plattenhörner (200mPr) sind kleiner als 400Höhenmeter. Die vom Piz Fliana wäre 406mHm, womit dieser tolle Gipfel wirklich irrtümlich vergessen wurde!

Auf jeden Fall habe ich den Piz Fliana und das tolle Verstancla trotzem in Zukunft auf meinem Tourenprogramm nachdem ich sie schon öfters auf meinen Touren bestaunen konnte...

Viele Grüsse

Sputnik


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