Schwarze Wand 3105m - Die Todgeweihten grüßen


Publiziert von georgb Pro , 27. Juli 2014 um 22:28.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:27 Juli 2014
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Pustertal-Antholz Mittertal-Eggerhof
Kartennummer:tabacco 032 Antholzer Tal

Man muss keine Gletscher begehen, um auf die Schwarze Wand zu gelangen, zwei schöne, eisfreie Anstiege führen von Süden und von Westen hinauf. Wir wollen heute aber über Antholz und die Rieserfernerhütte gehen, um den Geltalfernern einen Besuch abzustatten. Wer weiß, wie lange das noch möglich ist, der untere der beiden ist jetzt schon so gut wie abgeschmolzen. Ganz nebenbei bedeutet das mindestens 100 Höhenmeter Mehraufwand im Vergleich zu früher, als man von der Hütte aus noch annähernd eben zum oberen Geltalgletscher queren konnte. Vor Jahren hat das Eis im Zuge des Abschmelzens sogar vorgeschichtliche Kleidungsreste freigegeben und der Hüttenwirt sucht immer noch nach dem dazugehörigen Ötzi, bzw. Rieserferni.
Wir nehmen uns nicht die Zeit, nach ihm zu suchen, denn der Weg ist auch so lang genug und die Schritte werden schwer bis zum Mühlbacher Jöchl. Wir haben die Steigeisen angelegt, so tritt es sich besser auf dem durchweichten Untergrund. Der Gletscher wäre aber auch ohne begehbar und die gelegentlichen Spalten sind noch sicher abgedeckt. Durch den kühlen Sommer hat sich die Schneeauflage gut gehalten, der Gletscher reicht heuer direkt bis aufs Jöchl. Auch der letzte Aufschwung bis zum Gipfel ist nicht allzuschwierig, nur eine etwas ausgesetzte Stelle erfordert kräftige Handarbeit (I+). Die Wolken lassen leider nicht viel Ausblicke zu, erst auf dem Rückweg zur Hütte zieht es kurz auf, so können wir noch einen letzten Blick auf den Geltalferner werfen. Ist es Wehmut und Trauer über den sterbenden Gletscher, die uns die Beine weich werden lassen beim Abstieg, oder sind es einfach nur die 1900 Höhenmeter, die in den Knochen stecken?
Aber auch das schmälert in keinster Weise den nachhaltigen Eindruck unserer zauberhaften Runde durch die wilden Rieserferner.

Aus gegebenem Anlass: Durch den optimistischen Bericht im deutschen Alpenvereinsmagazin vom Februar 2014 fühlen sich viele trotz der ungünstigen Bedingungen in diesem Sommer berufen, die Rieserferner zu durchqueren und vielleicht den ein oder anderen Gipfel "nebenbei" zu besteigen. So mancher hat sich schon dabei übernommen, die Hüttenwirte wissen ein Lied davon zu singen!

Tourengänger: georgb

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