Zwei Tage im tiefsten Karwendel - Speckkarspitze und Gamskarlspitze


Publiziert von Hade , 23. Juni 2014 um 21:34.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:18 Juni 2014
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2600 m
Abstieg: 2600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:von Mittenwald Richtung Scharnitz, kostenloser Parkplatz kurz vor der Grenze auf der rechten Seite
Unterkunftmöglichkeiten:Hallerangerhaus, Hallerangeralm

Dieses Mal hat es meinen Vater und mich ins urweltliche Gebirg' verschlagen. Es ging zum Hallerangerhaus, weit ab vom Schuss, und von dort auf die Speckkarspitze und die Gamskarlspitze. Zweitere ist auch dann lohnend, wenn man keine Ambitionen hegt, die Überschreitung zur Hochkanzel zu machen.

Wir parken bei dem gebührenfreien Parkplatz kurz vor der Grenze bei Scharnitz, packen unsere Radl aus und fahren in den Ort, wo wir bei den Ausschilderungen zu den Karwendeltälern links abbiegen und dann den Ausschilderungen zum Isarursprung folgen. Anfangs gibt es eine kleine Rampe, dann führt der Weg nur noch leicht steigend bis zur Kastenalm, wo wir unsere Radl deponieren, bevor es zu Fuß weitergeht zum Hallangerhaus. Manch hartgesottener Mountainbiker fährt diese Strecke mit dem Radl auf. Der Weg ist aber ziemlich steil und der Untergrund schlecht, so dass wohl bergauf und auch bergab wenig Spaß aufkommen dürfte. Bei der Hütte angekommen richten wir unser Lager ein und gehen nach einer kleinen Stärkung weiter Richtung Lafatscher Joch. Kurz vor dem Joch zweigt nach links der Steig zur Speckkarspitze ab, der durchgehend recht steil nach oben führt. Wirklich ausgesetzt ist es nirgends, aber das ganze Geröll fordert trotzdem Konzentration (T3+). Ein paar steilere Stellen sind dabei mit einem Stahlseil versichert. Oben angekommen, stellen wir erstaunt fest, dass der letzte Eintrag im Gipfelbuch vier Tage zurückliegt, obwohl ein markierter Weg auf den Gipfel führt. Da es aber so aussieht, als ob schlechtes Wetter aufziehen würde, bleiben wir nur kurz auf dem Gipfel, bevor wir uns an den Abstieg machen, der auf dem Aufstiegsweg erfolgt. Eine Alternative dazu wäre der WSW-Grat, der einen Tick schwerer ist. Das Wetter verschont uns, und so kommen wir trocken an der Hütte an.

Am zweiten Tag geht es hinüber zur Hallerangeralm und von dort auf dem Weg Richtung Überschalljoch weiter. Diesen verlassen wir aber bald auf Höhe eines großen Felsblocks nach links und gelangen auf dem teilweise nicht erkennbaren Pfad durch den Latschengürtel und erreichen die freie Wiesenfläche darüber. Von hier geht es schräg nach rechts ansteigend bis unter den Grat zur Gamskarlspitze. Ab hier findet man immer wieder verblichene rote Markierungen und Stoamandl. Es ist aber nicht möglich, von Markierung zu Markierung zu laufen, es ist also Orientierungssinn und ein Blick für das Gelände nötig. Den Grat erreicht man dann in einer kleinen Scharte, in der ein alter Wanderstock steckt. Jetzt geht es teilweise direkt am Grat, teils etwas südlich davon weiter. Hier hat es sehr brüchiges und teils auch ausgesetztes Gelände. Obwohl es sich größtenteils um Ier Stellen und Gehgelände handelt, ist äußerste Vorsicht notwendig (T5, I). Nur an einer Stelle wird der Grad II erreicht. Diese Stelle kann man normalerweise gut umgehen. Heute ist dort aber noch ein sehr ungünstiges Schneefeld, so dass wir die Kraxelvariante wählen. Bald kommt dann der Gipfel in Sicht, der kein Kreuz hat, sondern nur eine Gipfelbuch Schatulle. Nach einer letzten Querung sind wir dann oben und genießen die Aussicht. Viele waren dieses Jahr mit Sicherheit noch nicht hier oben, denken wir uns und wollen im Gipfelbuch nachschauen. Doch es ist weg! Schade... Wer macht denn sowas? Nachdem wir das Gipfelpanorama ausgiebig genossen haben, machen wir uns vorsichtig an den Abstieg. Hier sollte man darauf achten, nicht zu früh in die Südflanke abzusteigen, sondern erst wenn man wieder bei dem Wanderstock ist. So gelangen wir über die Wiese und das Latschenfeld wieder zurück zur Hallerangeralm, von wo wir nach einer letzten Rast absteigen. So erreichen wir bald wieder unser Radl-Depot und rollen das Tal hinaus.

Fazit:
Die Speckkarspitze ist Wandergipfel mit markiertem Weg, der die obligatorische Trittsicherheit verlangt, aber nicht sehr schwer zu erreichen ist. Die Gamskarlspitze ist dagegen in allen Belangen anspruchsvoller. Hier ist Orientierungssinn, Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und etwas Erfahrung in leichtem Kraxelgelände notwendig. Demjenigen, dem das nicht alpin genug ist, sei *diese Überschreitung empfohlen.
Zum Hallerangerhaus kann ich nur Positives sagen:  Die Wirtsleute sind nett, das Essen gut und die Hütte tipptopp. Zudem befindet man sich die ganze Zeit in großartiger Landschaft, weit weg vom nächsten Ort. Insgesamt eine Tour, die ich nur weiterempfehlen kann!

Tourengänger: Hade

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (10)


Kommentar hinzufügen

83_Stefan hat gesagt:
Gesendet am 24. Juni 2014 um 09:00
Hallo Hade, schöne Bilder aus einer phantastischen Gegend! Keine Ahnung, warum jemand das Gipfelbuch auf der Gamskarspitze gestohlen hat... denjenigen soll jedenfalls der Blitz beim Sch... treffen! Eigentlich müsste man mal schauen, ob die Gipfelbücher auf Brantlspitze und Hochkanzel noch da sind, aber wer soll die schließlich auch klauen?!? Apropos: Ist es Absicht, dass du chaeppis Chaiserstuel-Tour verlinkt hast ;-) ?!?

Hade hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Juni 2014 um 22:29
Dankeschön!
Da hat sich bei dem Link doch tatsächlich eine 3 verdünnisiert ;-) Jetzt stimmt es.
Ja, da packt mich auch die Wut, wenn jemand so dreist ist... Ich mein, bei einem überlaufenen Gipfel ist mir das Buch recht egal, aber gerade bei einsameren Gipfeln ist es doch recht interessant zu lesen und man hat es sich ja auch verdient, sich einzutragen. Und dann kommt irgend so ein Hansi daher und meint, er kann es einfach mitnehmen..

VG Daniel

maxl hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Juni 2014 um 11:20
naja, im Karwendel scheint es Leute zu geben, die sämtliche noch so zarten Erschließungs- und Informationsversuche harsch kritisieren und wohl auch aktiv versuchen, die Leute von "Ihren" Gipfeln fernzuhalten. Leider kommt so was, scheint mir, im Karwendel besonders häufig vor. Demolierte Gipfelkreuze (Kawaka, Gamsjoch), zerstörte Sicherungen (3Zinken), einige Fälle sabotierter MTBs, grau übersprühte Markierungspunkte noch und nöcher.... da wird's einem anders. Zumal ich ja auch schon mal eine PM von einem Karwendeljünger erhalten hab, mit dem Hinweis, unsere "Generation" (also vermutlich die hikrs) würde durch das Publizieren das "Urtümliche", "Mystische" am Karwendel-Bergsteigen zerstören....

algi hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Juni 2014 um 12:57
Ist sehr traurig, wenn dies wirklich den Tatsachen entspricht.
Ich persönlich bin um jede Info dankbar, die über die oftmals sehr knappe Beschreibung des AV-Führers hinausgeht. Genau aus diesem Grund bin ich zufällig auf die Hikr-Site aufmerksam geworden. Persönliche Zusatzinformationen und Eindrücke zu Touren bereitzustellen, die oftmals nur alle paar Jahre mal begangen werden, ist auch meine Hauptmotivation zur Veröffentlichung von Tourenberichten in diesem Forum. Wäre doch jammerschade, wenn viele Touren die Ende des 19. - / Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind, in einen Dornröschenschlaf fallen, aus dem sie nie mehr erwachen.

Gruss Albert

Hade hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. Juni 2014 um 15:38
Absolut! Vor allem seit es die neuen AV-Führer gibt, geraten einige Touren in Vergessenheit. Da steht ja schon in der Einleitung "auf die Beschreibung nicht empfehlenswerter oder nicht mehr begangener Routen wird verzichtet"

VG Daniel

Hade hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. Juni 2014 um 15:33
Von der Nachricht, die du mal bekommen hast, wusste ich schon. Das ist ja schon krank! Aber dass das sogar bis zum Vandalismus geht...

maxl hat gesagt: RE:
Gesendet am 26. Juni 2014 um 21:36
zu den Sicherungen an der Dreizinken siehe hier... ist scho a bisserl her, das macht's aber auch net besser...:-(

Luidger hat gesagt: RE: Gipfelbuch
Gesendet am 26. Juni 2014 um 22:26
Da hätten wir uns ja fast getroffen. Eine tolle Tour und besser beschienen als bei Sonndwend kriegt man die Speckkar- und Lafatscher-Nordwände nie ;)

Ich fand auch schade, dass das Gipfelbuch gefehlt hat, hätte mich gefreut, die Namen von Bekannten dort zu finden.

Gruß Luidger

Hade hat gesagt: RE: Gipfelbuch
Gesendet am 27. Juni 2014 um 16:51
Das sind schon Zufälle, dass du die allergleiche Tour nur 3 Tage darauf gegangen bist :-) Die Abendstimmung bei der Hütte war schon der Hammer!

VG Daniel

maxl hat gesagt: Richtigstellung
Gesendet am 27. Juni 2014 um 00:35
hab grad wieder Post bekommen (s.o.). Der Schreiber, der mich/uns damals kritisiert hatte, bestreitet energisch, für den Vandalismus verantwortlich zu sein. Das glaube ich ihm auch. Etwas kritisch zu diskutieren (ob nun berechtigt oder unberechtigt) und tatsächlich Hand anzulegen, ist ja wirklich etwas anderes!

Wir sind uns aber wohl alle einig, dass die viel zu zahlreichen Fälle mutwilliger Zerstörung auf jeden Fall zu verurteilen sind!


Kommentar hinzufügen»