Hoher Freschen und Dornbirner First - von Bad Laterns nach Mellau


Publiziert von dulac Pro , 25. Juni 2014 um 01:32.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Bregenzerwald-Gebirge
Tour Datum:19 Juni 2014
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 7:45
Aufstieg: 1550 m
Abstieg: 2000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bus Nr. 65 von Rankweil nach Innerlaterns Hst. Bädle
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Bus Nr. 40 von Schoppernau nach Dornbirn Hst. Mellau-Sonne
Kartennummer:Kompass 1:50.000 Bregenzerwald Westallgäu

Bei den Überlegungen für eine gemeinsame Tagestour war im letzten Jahr auch die Gesamtüberschreitung des Dornbirner First mitsamt des Hohen Freschen ins Spiel gekommen. Neben dem 1000m-Abstieg am Ende von der Hangspitze schien uns dabei aber insbesondere die Logistik problematisch, sprich vom Endpunkt mit öV wieder zurückzukommen.

 

Während die Idee damals deshalb schnell wieder verworfen wurde, hatte ich sie dennoch weiterhin im Hinterkopf. Vor allem auch deshalb, weil ich im Gegensatz zu milan, der zumindest Teilstrecken des Dornbirner Firsts (siehe *hier oder *hier) schon begangen hatte, diesen, längeren Teil der Tour noch gar nicht kannte. Er, diversen Berichten zufolge, aber sehr attraktiv sein sollte.

 

Heute wollte ich es einfach einmal probieren. Mit der Möglichkeit oder Notwendigkeit von Abbruch oder Verkürzung der Strecke durchaus als ernstzunehmender Alternative.

 

Die früheste Verbindung zum Ausgangspunkt würde Innerlaterns-Bädle wenige Minuten vor 9 Uhr erreichen, der späteste Bus Mellau kurz vor 19 Uhr 30 verlassen. Insgesamt hätte ich also 10½ Stunden zur Verfügung. Überschlägig und theoretisch schien mir dies durchaus machbar.

 

Ob auch praktisch, das sollte der heutige Tag zeigen.

 

Es gibt eine Reihe von Aufstiegsmöglichkeiten auf den Hohen Freschen: aus dem Norden oder Westen über Binnel- oder Valüragrat oder aus östlicher bzw. südlicher Richtung vom Furkajoch bzw. Laterns/Innerlaterns.

 

Für diese Tour konnte es aus praktischen Erwägungen jedoch nur Innerlaterns sein.

 

Start also gegen 9 Uhr am (nicht bei allen Kursen bedienten) Endpunkt der Busstrecke von Rankweil nach Innerlaterns-Bädle.

 

Wenige Meter entlang der Fahrstraße zum Furkajoch, dann über eine Brücke und nach links auf einen Forstweg abgebogen, zunächst dem Garnitzabach entlang, dann zur Vorderen und zur Hinteren Garnitzaalp und weiter zur Unter-Saluveralp.

 

Kurz vor dem Freschenhaus kommt auch der Gipfel in Sicht. Bis hierher war die Zahl der Gipfelaspiranten mehr als überschaubar. Das ändert sich ab dem Freschenhaus schlagartig: Auf dem letzten Stück des Aufstiegs kommen nun zahlreiche Wanderer entgegen, die ihren Gipfelaufenthalt bereits hinter sich haben.

 

Der Gipfel ist nach exakt 2 Stunden erreicht, was ziemlich genau meiner Planung entsprach. Für die Mittagsrast ist es noch zu zeitig. So mache ich einige Fotos, trage mich ins Gipfelbuch ein, schmunzle über einen grenzwertigen Eintrag und steige nach einer Viertelstunde über den Binnelgrat wieder ab und weiter.

 

Hätte ich nicht erst neulich diesen *Bericht vonGrimbart über den Alpkopf gelesen, so hätte ich diesen aus dieser Richtung (zu Unrecht) eher unbedeutend wirkenden Graskopf nicht nur im übertragenen Sinne links liegen gelassen. So aber nehme ich die nicht wirklich ins Gewicht fallenden Höhenmeter in Kauf und mache anschließend beim Gipfelkreuz Mittag.

 

Die Wetteraussichten für den heutigen Tag waren etwas vage, mit Niederschlägen durfte sehr wohl gerechnet werden. Dazu ins Bild passten die mittlerweile immer bedrohlicher wirkenden Wolken, die sich insbesondere im Süden aufgebaut hatten. Ich hatte zunehmend Zweifel, ob ich mein Vorhaben würde durchführen können oder nicht besser abbrechen und nach Ebnit absteigen sollte.

 

Da auch zum Ende meiner Mittagsrast die dunklen Wolken noch Abstand gehalten hatten, schien es mir nun jedoch vertretbar, noch etwas in Richtung Dornbirner First weiter zu gehen. Wie ich auf der Karte sehen konnte, existierten auch nach den Salzböden noch gute Abstiegsmöglichkeiten nach Ebnit.

 

Nach der Verpflegungspause nun also zunächst den Grashang hinab zum Fluhjöchle, über das der Weg von der Unterfluhalpe heraufkommt. Die im o.a. Bericht beschriebene Abkürzung habe ich leider übersehen bzw. nicht als solche wahrgenommen. Der Umweg hielt sich allerdings in Grenzen.

 

Dann etwas oberhalb der Altenhofalpe vorbei und nahe der Abrißkante hinauf zum Salzbödenkopf, wobei die Querung allerdings leicht unterhalb des latschenüberwachsenen höchsten Punkts erfolgt.

 

Nach kurzem Abstieg werden die Salzböden erreicht, mit 1600 m etwa auf gleicher Höhe wie das Fluhjöchle (1620 m). Hier hätte es eine weniger steile Abstiegsalternative zur Unterfluhalpe gegeben. Erfreulicherweise schienen mir die Wolken jedoch noch einen weiteren Aufschub gewähren zu wollen, und so rückte nun auch die Mörzelspitze noch in greifbare Nähe. :-)

 

Der Weg wurde zunächst schmäler und steiler, insgesamt sind es 230 Höhenmeter, die von den Salzböden bis zum Gipfel zu überwinden sind. Eigentlich keine große Sache, zumindest isoliert betrachtet.

 

Während dieses Aufstiegs fällt der Blick auf einen formschönen Grat, der von Norden her ebenfalls zur Mörzelspitze hinaufführt: Der Laubachgrat, der auf hikr auch schon beschrieben worden ist, u.a. *hier. (Eine Woche später habe ich ihn auch selbst begangen).

 

Es ist mittlerweile kurz nach 14 Uhr, die reine Gehzeit bis hierher knapp 4½ Stunden. Rund um die Mörzelspitze ist die Aussicht Richtung Bodensee und Dornbirn besonders schön, wenn auch etwas diesig wie heute generell.

 

Ein besonders attraktiver Rastplatz, finde ich. Zugleich entspinnt sich eine nette Unterhaltung mit drei anderen Wanderern, die zeitgleich mit mir den Gipfel erreicht haben, aber über den Laubachgrat aufgestiegen waren. Aus ihrer Sicht nicht unbedingt die Route, die sie auch ein zweites Mal nehmen würden.

 

Mit der Mörzelspitze war nun auch der point of no return gekommen: Würde ich weiter dem Grat folgen, wäre eine Umkehr Richtung Ebnit etwa gleich weit wie die Fortsetzung nach Mellau. Die Entscheidung war mittlerweile nicht mehr ganz so schwer wie noch wenige Stunden zuvor, hatten doch die zuvor bedrohlichen Wolken im Süden den Rückzug angetreten. Dafür kam allerdings aus Norden etwas heran, doch mit vielleicht 3 Stunden Gnadenfrist meinte ich noch rechnen zu dürfen.

 

Was für eine Schande, daß ich bisher noch nie auf diesem attraktiven Berg gewesen war! Trotzdem, heute wollte ich mir nicht mehr als 20 Minuten Pause gönnen, sicherheitshalber. Und hierher zurückkommen, das werde ich demnächst sicher noch einmal.

 

Also den Dreien Adieu gesagt und weiter zum nächsten Gipfel, dem Leuenkopf, gleich hoch und nur durch einen 30 m tieferen Sattel getrennt. Was zunächst wie ein (kleines) Gipfelkreuz aussah, entpuppt sich aus der Nähe als Gedenkkreuz für einen in einer Lawine hier ums Leben gekommenen Gymnasiasten aus Wolfurt. Tragisch! Auch ein zweites Kreuz, nicht weit davon entfernt, erinnert an einen ähnlichen Unglücksfall.

 

Den weiteren Weg bis zum Hangköpfle mit seinem stetigen Auf und Ab, dem Abschnitt über den schmalen, schrofigen Grat und der jetzt von rot auf blau gewechselten Markierung habe ich nicht mehr mit allen Details in Erinnerung. Ich zitiere deshalb aus dem *Bericht von blackforre, der mir in dieser Beziehung einiges voraus hat:

 

"Der Weiterweg ist von der Mörzelspitze gut zu erkennen. Leuekopf, Guntenspitze, Hangköpfle, Hangspitze. Zuerst abwärts in eine Senke, dann auf den Leuekopf, dieser kann auch in der Flanke umgangen werden. Auf und Ab geht`s zum Wegpunkt “Firstgrat“, auch auf diesem Wegabschnitt ist es hilfreich Ab und Zu die Hände zu Hilfe zu nehmen. Am Pkt.1733 verzweigen sich die Wege, rechts geht`s nach Mellau, links zurück zum Ausgangspunkt (gemeint ist sein Ausgangspunkt; eigene Anmerkung), geradeaus über die Guntenspitze Richtung Hangspitze. Hier wird`s nochmal anstregend, die nicht besonders gute Kondition macht sich so langsam bemerkbar. Leichte Kraxelstellen und oben ein Handtuch schmaler Grat mit schuhbreitem Pfad erfordern nochmal Trittsicherheit und Konzentration. Anschließend steil Abwärts in die Einsattelung zwischen Guntenspitze und Hangköpfle. Der weitere Weg zur Hangspitze über`s Hangköpfle ist dann recht einfach und bald geschafft. Von der Hangspitze bietet sich eine gute Aussicht nach Mellau, ins Mellental und auf die schräg gegenüberliegende Kanisfluh (Holenke)."

 

Ich auf meiner Tour erreiche die Hangspitze um 16 Uhr. Die Aussicht ist so gut wie von blackforre beschrieben. Wie auch schon auf der gesamten Strecke ab der Mörzelspitze treffe ich auch hier auf dem Gipfel keinen anderen Wanderer. Welch Kontrast zu heute Vormittag rund um den Hohen Freschen.

 

Eine Viertelstunde bleibe ich auf dem Gipfel, dann mache ich mich auf den Abstieg nach Mellau, für den ich anderthalb Stunden veranschlagt hatte. Zunächst sieht es so aus, als ließe sich diese Zeit noch unterbieten, denn der schmale Steig führt überaus zügig nach Unten. Ich bin froh, daß das Wetter noch immer gehalten hat, denn bei Nässe hätte ich ihn nicht begehen wollen. Was im übrigen für die gesamte Wegstrecke ab dem First gilt.

 

Die Doseggalpe auf 1000 m ist in deutlich weniger als einer Stunde erreicht. Doch hier mache ich den Fehler - wie ich später mit Blick auf die Karte feststellen muß -, daß ich einer Wegweisung „Mellau Fußweg“ folge und nicht zunächst dem „Fahrweg“. Die vermeintlich kürzere Strecke über den Fußweg führt nämlich zum Dösvorsäß und beschert mir ab da einen langen Hatsch nach Mellau auf einem zunächst recht staubigen Fahrweg. Bei der Alternative auf der Doseggalpe hätte ich nach einem kurzen Stück „Fahrweg“ zwei deutlich kürzere Optionen gehabt – zumindest lt. Karte.

 

Bis ich dann nicht nur in Mellau bin, sondern auch bei der Bushaltestelle Sonne, ist es mittlerweile 18 Uhr geworden. Noch genügend Zeit für ein Weizen bis der Bus mich eine halbe Stunde später nach Hause bringen wird.

 

Wer für die Wegstrecke von der Guntenspitze nach Mellau eine genauere Beschreibung sucht, findet eine außerordentlich detaillierte – allerdings in Gegenrichtung, dafür aber ohne meinen Verhauer – in diesem *Bericht von Grimbart.

 

Fazit: Ein ausgefüllter Tag in eindrücklicher Landschaft, Freude darüber , daß das Wetter gehalten hat, und nicht zuletzt Befriedigung, es tatsächlich geschafft zu haben. Den Muskelkater am folgenden Tag lassen wir jetzt erst mal außen vor. ;-)

 

Eine lange, eindrückliche Tour, die allerdings auchTrittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert wie etwa am Binnelgrat oder auf dem Abschnitt um den First. Bei Nässe nicht zu empfehlen.

Als Tagestour mit öV ist weiter zu beachten, daß die an den Wegweisern angeschriebenen Wegezeiten zumeist unterboten werden müssen (etwa Laterns – Hoher Freschen 2h statt der 3¼h wie angeschrieben) sonst wird es zu knapp.

Die Summe der Höhenmeter für Auf- und Abstieg ist meine persönliche Schätzung,  infolge der vielen Auf und Abs ist sie ohne GPS kaum präzise zu ermitteln.


Tourengänger: dulac


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Kommentare (7)


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AlpinHero hat gesagt: Gelungen.....
Gesendet am 25. Juni 2014 um 20:54
Interessante Tourenidee welche mir; obschon in allen Teilstrecken bekannt - in dieser Form noch gar nie in den Sinn gekommen ist.
Werde ich auch mal machen.......
Danke für den Bericht und die Anregung.

Gruss aus dem Rheintal
Reinhard

dulac Pro hat gesagt: RE:Gelungen.....
Gesendet am 26. Juni 2014 um 00:31
Herzlichen Dank für die Blumen, die ich aber gleich an milan weiterreichen möchte. Denn diese Kombination war einzig und allein seine Idee.
Dir wünsche ich jedenfalls gutes Gelingen und noch mehr Glück beim Wetter als ich es hatte, also insbesondere weniger Dunst in der Luft, damit beim Wandern über die Grate auch die Aussicht ein einziger Genuss wird.

LG vom Bodensee
Wolfgang

Grimbart hat gesagt: Gratulation ...
Gesendet am 27. Juni 2014 um 15:27
... zur ganz großen Grattour.

Meines Wissens der erste Bericht auf Hikr zur großen Firstüberschreitung.

Weniger stressig wird die ganze Sache, wenn man daraus eine Zwei- oder Mehrtagestour macht. Die Lustenauer Hütte und das Freschenhaus bieten sich dann als Übernachtungsmöglichkeiten an.

Das Schauspiel eines Sonnenuntergangs am Freschenhaus hat seinen besonderen Reiz.

Beste Grüße
Erwin

dulac Pro hat gesagt:
Gesendet am 29. Juni 2014 um 13:16
Hallo Erwin,

besten Dank für die Gratulation!

Wenn möglicherweise der Eindruck entstanden sein sollte, die Tour hätte mir Stress gemacht, dann war das nicht beabsichtigt: Ich bin mein normales Tempo gegangen, habe dabei aber schon immer wieder kontrolliert, ob ich mich noch innerhalb des (ungefähren) Zeitplans bewege. Lediglich um über einen etwas größeren Puffer für Unvorhergesehenes zu verfügen, habe ich die Pausen, speziell die Mittagsrast, etwas verkürzt. Andernfalls hätte ich auf dem Alpkopf mindestens eine ganze Stunde verbracht.

Daß der Sonnenuntergang von der Freschenhütte sehr eindrücklich sein muß, habe ich mir schon häufiger gedacht, wenn im Rheintal die Sonne schon verschwunden war, das Plateau aber umso heller in der untergehenden Sonne lag.

LG Wolfgang

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 19. Januar 2015 um 08:32
auch meinerseits - nach einiger Zeit - Gratulation zu dieser schönen, schön langen, Grattour!

Ich merke mir die Tour - auch für Teilabschnitte; sind wir doch über Pfingsten in dieser Gegend ...

lg Felix

dulac Pro hat gesagt:
Gesendet am 20. Januar 2015 um 00:56
besten Dank für Deinen Glückwunsch!

Und für Pfingsten wünsche ich Euch schon jetzt schöne Touren.

LG Wolfgang


Felix Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 20. Januar 2015 um 06:29
besten Dank Wolfgang!

mal sehen, welche Gipfel und Touren dann möglich sein werden ;-)

lg Felix


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