Mittagsfluh, Vertigo am Liegstein und die große Alpgang-Runde


Publiziert von Grimbart , 1. Juni 2014 um 23:07.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Bregenzerwald-Gebirge
Tour Datum:31 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 920 m
Abstieg: 900 m
Strecke:Au, Jaghausen - Berngat - Berbigen - Liegstein - Mittagsfluh - Stoggersattel - Wikatobel - Au, Rehmen
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der Landbus-Linie 40 von Dornbirn, Bahnhof, nach Au, Jaghausen, Hst. Hotel Krone oder mit dem PKW auf der L200 (Bregenzerwald-Landesstraße) bis Au, Jaghausen. Parkplätze bei der Kirche bzw. beim Hotel Krone.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit der Landbus-Linie 40 von Au, Rehmen, Hst. Kaufhaus Gorbach, nach Dornbirn, Bahnhof oder bei Anreise PKW zurück nach Au, Jaghausen, Hst. Hotel Krone.
Kartennummer:f&b WK 5364 - Hinterer Bregenzerwald, Kleinwalsertal, Damüls (1:35.000)

Eingezwickt zwischen Kanisfluh und Diedamskopf hat es die Mittagsfluh nicht leicht sich zu behaupten. Doch ohne Sie gäbe es das einzigartige Tor in den Hinteren Bregenzerwald nicht. Zusammen mit der Ostwand der Kanisfluh sind die mehrere hundert Meter hohen Westwände des Liegsteins und der Mittagsfluh für die Talenge zwischen Schnepfau und Au verantwortlich. Wer frei von Schwindel ist, sollte sich die Ein- und Tiefblicke beim Liegstein in die Westwand der Mittagsfluh nicht entgehen lassen. Ein weiterer Reiz der hier beschriebenen Runde ist der Alpgang, der die traditionelle bäuerliche Wirtschaftsweise des Bregenzerwaldes erlebbar macht. In Steinen am Wegesrand sind Texte zu Alpleben und Kulturlandschaft hinterlegt. Auf der Sonnseite des Auer Talkessels gelegen, wartet der Alpgang zudem mit traumhaften Ausblicken auf das grandiose Bergrund des Hinteren Bregenzerwaldes auf.

Die Bergkulisse des Auer Talkessels in seiner ganzen Pracht zu Gesicht zu bekommen war mir allerdings, der Wolken wegen, nicht vergönnt. Es war dennoch eine eindrückliche Tour, die es Wert ist aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.

Um 7:00 Uhr in der Früh ging es mit dem „Wälderbus“ hinein in den „Wald“. In Au-Jaghausen angekommen, war die Mittagsfluh bereits frei von Nebeln. An der gegenüberliegenden Kanisfluh zogen allerdings noch die Hangnebel herum. Auch an der Brendler Lug hingen sie noch tief.

Über den Parkplatz beim Hotel Krone gelangt man hinter dem Gebäude auf ein kleines Sträßchen. An einem Bauernhof vorbei bis zu einem Wegweiser. Hier nach rechts ab und über einen Wiesenpfad an den Waldrand, wo man auf einen deutlichen Steig trifft. An einem Fischteich vorbei und zwischen mehr oder weniger großen Felsblöcken hindurch überquert man ein – trotz der Regenfälle der vergangenen Tage – ausgetrocknetes Bachbett. Es wartet nun der erste von zwei längeren Steilanstiegen des Tages. Ein mehr oder weniger durchnässter Steig zieht nun sehr steil im Zick-Zack nach oben.

Nach gut 200 Höhenmeter Aufstieg erreicht man eine Weidelichtung, wo sich der Pfad in den Wiesen verläuft. An einer Markierungsstange orientierend gings über die feuchte Wiese und danach wieder an den Waldrand. Am Waldrand entlang erspäht man bald einmal eine weitere Markierungsstange. Von dort hinauf zu einer gut sichtbaren Wildfütterungsstelle, wo man auf einen Güterweg trifft. Nach wenigen Metern ist dann schon das Vorsäß Zipfel erreicht.

Beim Vorsäß Zipfel gibt ein Wegweiser die weitere Richtung vor. Nach links, an einem Haus vorbei, auf eine bewaldete Anhöhe mit einer kleinen Kapelle. Nach diesem Waldpfad trifft man auf ein Sträßchen, das in einer weiten Schleife die Vorsäße Berngat und Berbigen verbindet. Wären die gegenüberliegenden Gipfel des Lechquellengebirges nicht in der Wolkendecke versteckt gewesen, so hätte man bei der folgenden Wanderung über die Almwiesen hinauf zum Vorsäß Berbigen bereits die grandiose Landschaft des Hinteren Bregenzerwaldes genießen können. So konnte man dem Wolkenspiel zusehen, das minütlich für unterschiedliche Szenerien sorgte.

Beim Vorsäß Berbigen angelangt folgt man dem Alpweg bis zum letzten Stall und biegt dort nach rechts ab. Es folgt nun der zweite Steilaufstieg hinauf zum Sattel zwischen Mittagsfluh und Auf der Platte. Die erste Hälfte des Aufstiegs erfolgt auf einem schmalen, teilweise feuchten Pfad über offenes Alpgelände. Im Unteren Teil erleichtern Markierungsstangen die Orientierung. Der zweite Teil des Anstiegs führt dann wieder auf einem gut sichtbaren Steig durch lichten Nadelwald. Beim Sattel trifft man auf einen Alpweg, zu dem man ein paar Meter absteigen muss. Auf diesem in ein paar Kehren hinauf zur Oberen Sattel Alpe.

Am Wirtschaftsgebäude der Oberen Sattel Alpe vorbei gehts über karstiges Alpgelände – einem alten Ziehweg folgend – nach Westen bis zu einem gut sichtbaren Wegweiser auf einem Absatz. Nach rechts durch eine Baumgruppe hindurch erreicht man eine kleine Mulde. Durch diese nun weglos, auf die spärlichen Markierungen achtend hinüber zur Abbruchkante beim Liegstein. Bei der Abbruchkante nach rechts und über den höchsten Punkt zu einer Holzbank.

Zu meinem Pech war die gegenüberliegende Ostwand der Kanisfluh von dichtem Nebel umgeben. Auch an der Mittagsfluh zogen ein paar Nebelschwaden herum. Mit der Aussicht war es also nichts. was blieb waren die Tiefblicke vom Liegstein, die mich dann doch an den Hitchcock-Klassiker „Vertigo“ erinnerten. Es bleibt wagemutigeren Hikern vorbehalten ihre Digitalkamera so über die Abgründe zu halten, dass auch die gähnende Tiefe auf einem Foto abgelichtet ist.
 

Vom Liegstein auf bekanntem Weg wieder zurück zum Wegweiser. Von hier direkt auf den Gipfel der Mittagsfluh zuhalten und ja nicht dem alten Ziehweg hinein in den Wald folgen. Nach wenigen Höhenmetern trifft man auf einen Mini-Steinmann, dessen oberster Stein eine weiß-rot-weiße Markierung aufweist. Beim Steinmann nach rechts und schon hat man einen deutlichen Steig vor sich. Auf diesem nun in einem nach links ausholenden Bogen hinauf auf den mit Bäumen bestandenen Gipfel der Mittagsfluh.

Ich hingegen blieb dem gut sichtbaren Ziehweg treu, der mich nach Westen in eine Mulde führte. Da ich schon länger keine Markierungen mehr gesehen hatte, kamen mir dann doch Zweifel an diesem Weg. So hielt ich dann auf den bewaldeten Westrücken der Mittagsfluh zu und kam dabei in den Genuss die Ostwand der Kanisfluh erstmals an diesem Tag zu erblicken. Am Westrücken angelangt gings dann durchs Unterholz stets etwas rechts haltend hinauf zum Gipfel der Mittagsfluh. Wenige Meter unterhalb des Gipfels, bei einer Lichtung traf ich dann auf den „Normalweg“, den ich im Abstieg benutzte.

Vom Gipfel selber hat man wegen der Bäume keine wirkliche Rundsicht. Diese muss man sich holen, indem man über ein paar Karrenplatten zu einer Lichtung absteigt. Dort eröffnen sich dann die Blicke auf Mohnenfluh und Hochkünzel (so diese sich nicht in den Wolken verstecken). Nach Norden war die Sicht wegen des Nebels stark eingeschränkt. Von einer Lichtung westlich unterhalb des Gipfels genießt man die Aussicht in die Berge rund um das Faschinajoch.

Nach einem kurzen Gipfel-Snack machte ich mich dann an den Abstieg über den „Normalweg“. Zurück beim Wegweiser wandert man auf dem Ziehweg – mit Blick auf den Diedamskopf (so seinem Gipfel kein Hut aus Wolken aufgesetzt ist) – hinab zur Oberen Sattel Alpe. Auf dem vom Anstieg her bekannten Alpweg gehts hinunter zur Unteren Sattel Alpe und in leichtem Auf und Ab weiter zur Sattelegg Alpe. An dieser vorbei ist nach wenigen Minuten der weitläufige Stogger Sattel erreicht. Dieser markiert die Grenze zwischen dem Bregenzerwaldgebirge und den Allgäuer Alpen. Auf diesem Wegabschnitt hätte man durchgehend den Diedamskopf im Blickfeld, doch dieser wollte heute nicht – zumindest nicht rund um die Mittagszeit.

Vom Stogger Sattel mit Blick ins wolkenverhangene Lechquellengebirge wandert man dem Alpweg folgend bergab zu einer Wegverzweigung nahe des Rehmer Baches. Geradeaus würde man das vom Anstieg her bekannte Vorsäß Berngat erreichen. Die große Alpgang-Runde führt aber nach links über das in den Allgäuer Alpen gelegene Vorsäß Wika. Nach dem man den Rehmer Bach überquert hat, geht’s flach über die Almwiesen der Unteren Stoggen Alpe und im Anschluss in ein paar Kehren hinunter zu den blühenden Bergwiesen des Vorsäß Wika. Ein feiner Rastplatz für eine Jause. Endlich war an diesem Tag auch der Gipfel der Hochkünzelspitze zu sehen. Der an sich imposante Talschluss des Dürrenbachtals mit Zitterklapfen und Trabanten blieb hingegen so wie den ganzen Tag ein von den Wolken gut gehütetes Geheimnis.

Nach einem Brunnen mit kleinem Marterl achtet man auf einen Wegweiser und biegt dort nach links auf einen Wiesenpfad ab. Über die Bergwiesen steil hinab an den Waldrand. Ein wurzeliger Zick-Zack-Steig leitet nun durch den Wald bergab zum Wegweiser beim Kobel. Hier nach rechts und auf einem matschigen und rutschigen Steig steil hinunter in den Wika-Tobel. Ein paar Stufen erleichtern den Abstieg. Wegen der Nässe war dennoch Vorsicht geboten.

Den Wika-Tobel-Wasserfall sollte man sich nicht entgehen lassen. Zu diesem Zweck verlässt man den Steig und folgt dem Bachbett des Rehmer Bachs zu einer (Wehr-)Mauer. Von dieser genießt man dann den Tiefblick auf den Wika-Tobel und den Wasserfall. Zurück beim Steig müssen wieder ein paar Höhenmeter hinauf zu den Rehmer Viehweiden überwunden werden. Nach diesem kurzen Gegenanstieg geht’s auf einem Güterweg hinunter zu einer Scheune. An der Scheune links vorbei und weglos, diagonal zum Hang über die Wiese bergab, bis man auf einen Feldweg trifft. Auf dem Feldweg in zwei Kehren bergab zu den ersten Häusern von Au-Rehmen. Den Rehmer Bach noch einmal überquerend hat man nach wenigen Minuten das (kleine) Zentrum von Au-Rehmen erreicht.
 

Anmerkung:

Um zur Bushaltestelle an der L200 zu kommen, hält man sich bei der Kirche in Au-Rehmen nach links und spaziert auf dem Sträßchen vor zur Bushaltestelle beim Kaufhaus Gorbach (ca. 5-10 Minuten). Die Wartezeit bis zur Abfahrt des „Wälderbusses“ kann auf der Terrasse des nahen Hotel Schiff überbrückt werden.

Wer in der Früh mit PKW angereist ist und diesen auf dem Parkplatz bei der Kirche von Au-Jaghausen bzw. beim Hotel Krone geparkt hat, kann entweder mit dem Bus zurück (Wegbeschreibung s.o.) oder hält sich bei der Kirche in Au-Rehmen zunächst nach rechts und dann nach links. Auf einem Sträßchen spaziert man vor zur Bregenzer Ache bzw. zur L200. Man wechselt auf die andere Seite der Bregenzer Ache und wandert auf dem Rad- und Fußweg entlang der Bregenzer Ache hinaus nach Au-Jaghausen (ca. 20 Minuten).
 

Gehzeiten:

Au-Jaghausen – Vorsäß Zipfel (ca. 45'') – Vorsäß Berbigen (ca. 35'') – Obere Sattel Alpe (ca. 50'') – Liegstein (ca. 20'') – Mittagsfluh (ca. 30'') – Untere Sattel Alpe (ca. 35'') – Stogger Sattel (ca. 25'') – Vorsäß Wika (ca. 45'') – Wika-Tobel (ca. 20'') – Au-Rehmen (ca. 20'')


Tourengänger: Grimbart


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