Piz Linard über den Südgrat


Publiziert von Ivo66 Pro , 31. Mai 2014 um 18:47.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Albulatal
Tour Datum:31 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1660 m
Abstieg: 1660 m
Strecke:P. 1109 m (Brienz) - Pigni - Propissi Sot - Arsa Pintga - P. 2232 m - Südgrat - Piz Linard
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Grosszügiger Parkplatz bei P. 1109 m auf der Strasse etwa 700 Meter östlich von Brienz/Brinzauls. Grosses Schild: "Burgruine Belfort" und Wanderwegweiser.
Kartennummer:1:25'000 Filisur

Der Piz Linard ist bekannt als mächtiger Berg im Unterengadin und ist in Graubünden aufgrund seiner Höhe und seiner dominanten Form von den meisten höheren Bergen gut zu sehen. Kaum Notiz genommen wird hingegen von seinem gut 35 km südwestlich gelegenen Namensvetter, dem Piz Linard im unteren Albulatal. Er hat kaum etwas mit seinem grossen Bruder gemeinsam und wird weit weniger häufig bestiegen als der "richtige" Piz Linard, obwohl die Schwierigkeiten einer Besteigung des "Kleinen" weit geringer sind. Erarbeitet will sein Zustieg aber allemal sein, sind doch immerhin 1660 Meter Höhendifferenz zu leisten, womit auch schon gesagt ist, dass auch der "kleine" Piz Linard ein mächtiger Berg ist. Auf hikr.org. war er bis heute ein unbeschriebenes Blatt, zu Unrecht...

Genug der Verwirrung: Unser Piz Linard im Albulatal liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des berühmteren Lenzer Horn; ein Grat von etwa einem Kilometer Länge verbindet die beiden genannten Gipfel. Der Südgrat, welcher einen ziemlich einfachen Aufstieg vermittelt, ist in der Regel früh im Jahr schneefrei und deshalb gut begehbar. Da die Spuren des harten Winters in Graubünden noch allgegenwärtig sind, lag es heute nahe, diese prächtige Route einmal zu begehen, ansonsten ist das Angebot an Gipfelbesteigungen zur Zeit aufgrund der grossen Schneemengen in der Höhe noch sehr stark eingeschränkt.

Wir konnten es kaum erwarten, endlich wieder die Bündner Bergwelt ohne Skis zu geniessen, die einzigartige Ruhe und Einsamkeit zu erleben, den Duft der Arven einzuatmen und einfach frei zu sein. Und wie so oft in Graubünden ging es auch heute gleich zu Beginn der Tour mitten hinein ins Paradies. Der vermeintlich langweilige Aufstieg durch die bewaldete Bergflanke verlief fast ausschliesslich durch herrlichen Arvenwald, welcher stets seinen unverwechselbaren Duft ausströmt und immer wieder Blicke auf die verschneiten Berge frei lässt.

Aufgrund des hartnäckigen Hochnebels, welcher am Morgen noch um die Berggipfel hing, war nicht auszumachen, welche Verhältnisse uns auf dem Grat erwarten würden. Vorsichtshalber hatten wir die Pickel mitgeführt, um auf allfällige Überraschungen vorbereitet zu sein. Sobald wir das Alpgelände erreicht hatten und erstmals der Blick auf das Gipfelziel frei wurde, war klar, dass die wenigen Schneereste kaum ein Hindernis im Auf- und Abstieg bilden sollten. Dem war dann auch so; ohne je mit Schnee in Kontakt zu kommen, bewältigen wir die heutige Tour.

Der Schlussaufstieg über den Südgrat verläuft in besonders beeindruckender Manier: Die nähere Umgebung um den Piz Linard herum ist derart offen, dass man das Gefühl hat, auf einen Vulkan aufzusteigen, der einst aus dem flachen Boden ausbrach und einen alleinstehenden Berg formte. Beeindruckend ist auf dem Gipfel der Blick zum grossen Nachbar, dem Lenzer Horn.

Die vom Piz Linard zum Lenzer Horn weiterführende Grattour wird im SAC-Clubführer "Ringelspitz Arosa / Rätikon" mit T5 bewertet, sieht aber recht furchterregend aus. Ob man dieser Bewertung Glauben schenken darf? Immerhin ist der Aufstieg über den Südgrat zum Piz Linard im gleichen Führer mit T4 um mindestens einen Grad überbewertet; lediglich der letzte Gratabschnitt und vielleicht noch der Umstand, dass die Route nicht markiert ist, rechtfertigten hier ein T3.

Mit den aufkommenden Quellwolken, welche die Hochnebelfetzen ablösten, veränderte sich der Kontrast zwischen den hellgrünen Alpweiden, den dunkeln Bergwäldern und den eingeschneiten Gipfeln.  Das Panorama auf dem Piz Linard ist unglaublich weitläufig, trotz seiner bescheidenen Höhe von 2768 m. ü. M.  Die Luft war inzwischen eiskalt geworden, der bissige Wind brachte uns dazu, im Schlussaufstieg die Wollmützen und Handschuhe anzuziehen. Der Sommer hat noch nicht begonnen..

Routenbeschreibung:

Von P. 1109 m an der Strasse östlich von Brienz/Brinzauls folgt man dem gut ausgebauten, breiten Bergwanderweg in Richtung Pigni. Weiter oben trifft man auf ein Fahrsträsschen, welchem man folgt, vorbei an den Häuschen von Propissi Sot. Ein Wegweiser zeigt Richtung "Hetta da las Nuorsas". Diesem Strässchen folgt man weiter, es wird in der Folge schmaler.

Auf etwa 1880 m. ü. M. verlässt man den deutlichen, breiten Weg vor einer Wegmarkierung (Stange) und steigt auf zu Beginn undeutlicher Spur zunächst wenig ansteigend nach Norden auf. Der Weg wird in der Folge ziemlich deutlich, ist aber nicht markiert oder ausgeschildert. Wir haben diesen Weg zunächst verpasst und haben den Wanderweg erst etwas später verlassen, wobei wir weiter oben auf den Steig gestossen sind. Dieses Wegstück ist der Aufstieg durch die Arsa Pintga, eine mit vielen Legföhren bewachsene Runse. Der Steig führt stets im westlichen Teil der Runse durch und ist in den neueren Landkarten sogar eingezeichnet.

Nach und nach wird der Aufstieg wieder flacher und man erreicht offenes Alpgelände. Hier ist der weitere Routenverlauf klar: Der Südgrat ist der Grat, welcher von links zum Gipfel hinaufführt. Er ist meistens breit, zwischendurch sind relativ steile, schuttige Stellen zu bewältigen, ohne dass das Gelände ausgesetzt ist.  man ist in der Routenwahl ziemlich frei, wird aber immer wieder auf deutliche Wegspuren treffen.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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