Skiabfahrt von der Valluga nach Zürs


Publiziert von Michael26 , 29. Mai 2014 um 20:14.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Lechtaler Alpen
Tour Datum:10 April 2010
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   Arlberg 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 100 m
Strecke:Gondel Valluga Mittelstation, Vallugagrat, Abfahrt durchs Pazueltal nach Zürs

Diese Abfahrt ist legendär und ich wollte sie schon lange machen, aber sie ist auch berüchtigt. Früher konnte jeder mit der Gondel auf den Vallugagipfel und von dort ins Pazueltal nach Zürs abfahren. Als Folge gab es wiederholt Unfälle, Lawinen und Abstürze, daher ist die Gipfelauffahrt mit der Gondel nur noch OHNE Ski oder MIT Führer erlaubt. Will man trotzdem MIT Ski und OHNE Führer die Abfahrt machen bleibt einem nichts anderes übrig als von der Mittelstation der Vallugabahn selbst auf den Gipfelgrat hinauf zu kraxeln. Dies ist bei den Einheimischen üblich und scheint nicht allzu schwierig zu sein. Erreicht man den Grat hat man zwei Möglichkeit. Entweder man folgt dem Grat nach links Richtung Westen, überschreitet auf dem Grat einige Felsabbrüche, überwindet eine Engstelle direkt am Grat und fährt schließlich über ideale Hänge nach Norden ab. Oder man folgt dem Grat nach rechts weiter auf den Vallugagipfel und fährt von dort ab. Ob linke oder rechte Variante, das weiß ich noch nicht, jedenfalls ist genau das mein Plan, nämlich von der Valluga-Mittelstation auf den Grat zu klettern und von dort nach Zürs abzufahren.
Ostern 2010 ist es soweit. Es gibt genug Schnee, Wetter und Sicht sind ausgezeichnet und der Lawinenwarnbericht meldet ´geringe´ Lawinengefahr, lediglich am Nachmittag sei mit Anstieg auf ´mäßig´ zu rechnen. Also steht einem Versuch nichts im Wege, lediglich zu spät sollte ich nicht dran sein.
Die Preise in St. Anton sind saftig, also frage ich nach einer Einzelfahrt oder Tourenkarte zur Valluga-Mittelstation. Mit Tiroler alpenländischem Charme erklärt mir die junge Dame am Schalter, dass es so etwas nicht gäbe und ich nur eine Tages- oder Halbtageskarte kaufen könne. Zähneknirschend muss ich nachgeben, wild entschlossen, St. Anton zukünftig als Tourenstandort zu meiden (seit dem war ich tatsächlich nicht mehr in St. Anton unterwegs, statt dessen in Zürs, wo es Touren-/Einzelfahrten gibt).
In der Gondel komme ich mir mit meinem Eispickel etwas deplaziert vor, aber vielleicht brauche ich das Teil ja am wilden Vallugagrat. Da ich sowohl vom Grataufstieg als auch von der ganzen  Route eine nur sehr vage Vorstellung habe, steigt langsam die Spannung.
Ausstieg Valluga Mittelstation. Vor mir eine reichlich steile Firnflanke, die zum Grat hinauf zieht, die Höhe ist nicht wirklich einzuschätzen, Aufstiegsspuren sehe ich im weichen Firn auch keine. Egal, ich will es jetzt wissen. Also Ski auf den Rucksack geschnallt, Pickel in die rechte, Stöcke in die linke Hand, ich beginne mich durch den Firn hinauf zu wühlen. Schwer zu sagen wie steil das ist, vielleicht um die 45 Grad, auf jeden Fall kraxle ich mit Armen und Beinen durch den völlig aufgeweichten Firn und versinke bis zur Hüfte im Schnee. Na ja, wir sind schon im April, es ist ein Südhang und die Sonne brennt um ca. 10 h sehr ordentlich herunter. Es ist saumäßig anstrengend, aber umzudrehen erscheint mir noch komplizierter als weiterzuklettern. Ehrlich gesagt wundert es mich, dass ich nicht mit dem ganzen durchweichten Schnee nach unten rausche. Irgendwann bin ich dann wirklich oben, es waren wahrscheinlich nicht einmal 100 Hm, aber ich bin platt. Weil der Schnee so durchweicht gewesen ist, war der Pickel nicht wirklich erforderlich, ich wäre mit den beiden Skistöcken auch hinauf gekommen, aber bei niedrigen Temperaturen und Harsch oder sogar Eis in der Flanke würde ich ihn nicht missen wollen. Hier bei eisigen Verhältnissen abzurutschen wäre aus meiner Sicht lebensgefährlich.
Also endlich oben am Grat, jetzt muss ich mich für die linke oder rechte Variante entscheiden, in beide Richtungen gehen Spuren. Nach einer kurzen Pause schnalle ich die Ski an und folge dem abfallenden Grat nach links (in der Richtung muss ich wenigstens keine Höhenmeter mehr machen :-). Schon nach kurzer Zeit erreiche ich die bereits oben erwähnte Engstelle, die noch einmal volle Aufmerksamkeit erfordert. Erst fällt der Grat ein Stück sehr steil ab, dann geht es sehr eng rechts neben dem Grat weiter, wobei es rechterhand gleich in die Felsen hinunter abbricht. Bei dem griffigen Schnee ist das aber kein Problem und ich fahre einfach drüber weg. Jetzt sind alle Hindernisse überwunden, vor mir ziehen herrlich geneigte Hänge mit Pulverschnee ins Pazueltal hinunter, die weitere Abfahrt wird ein pures Vergnügen.
Letztendlich erreiche ich am Ende des Pazueltals das Zürser Skigebiet, nach einer weiteren Liftauffahrt und Pistenabfahrt das schöne Dorf Zürs und finde sogar problemlos die Bushaltestelle zur Rückfahrt nach St. Anton. Die Busse fahren auch pünktlich und nicht einmal 4 h nach meinem Start bin ich zurück in St. Anton und kann am Nachmittag sogar noch meine sündteure Tageskarte im St. Antoner Skigebiet ausnutzen. Tatsächlich hat mich das mit der St. Antoner Preispolitik dann wieder etwas versöhnt.

Tourengänger: Michael26


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