Wänneli 1719 m - in vier Anläufen auf einen unbekannten Alpsteingipfel


Publiziert von Ivo66 Pro , 29. Mai 2014 um 20:01.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:29 Mai 2014
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Alpstein 
Aufstieg: 700 m
Abstieg: 700 m
Strecke:Scharten - Böstritt - Rietegg - P. 1682 m - Südwestflanke (Umrundung) - Südgrat - Wänneli - Südgrat - P. 1531 - Rietegg - Böstritt - Scharten
Kartennummer:1:25'000 Nesslau

Schön öfters ist mir bei Besteigungen des Lütispitz eine je nach Blickwinkel markante Felsbastion ins Auge gestochen, welche auf der Bergkette zwischen dem Neuenalpspitz und Lütispitz der Gmeinenwishöchi südlich vorgelagert ist. Beim genaueren Studieren der Landkarte konnte ich diesen Gipfel kürzlich als Wänneli P. 1719 m ausmachen. Und er war auf hikr.org. nicht einmal ein unbeschriebenes Blatt; Delta hatte ihn bereits zu Beginn des letzten Winters bestiegen .

Endlich wieder einmal galt es also, ein unbekannteres Gipfelziel mit Hilfe der Landkarte abseits von Wegen anzusteuern. Wir waren auf einige Überraschungen vorbereitet und stiegen zunächst östlich am Gipfelaufbau des Wänneli vorbei, in der Absicht, durch Rinnen in den Felswänden zum Gipfel hochzusteigen. Was aus der Ferne aussah wie ein Kinderspiel, entpuppte sich aus der Nähe als aussichtsloses Unternehmen; da hätte man schon Kletterausrüstung inkl. Bohrmaschine zur Einrichtung von Sicherungen mitführen müssen.

Dass wir uns regnerisches Wetter für diese Erkundungstour ausgesucht hatten, erwies sich allerdings weniger überraschend nicht als hilfreich. So scheiterte auch der erste ernsthafte Versuch der Gipfelbesteigung von P. 1682 m aus über den knackigen Nordwestgrat: Wildspuren waren hier zwar hilfreich, doch verlieh die Nässe dem Unternehmen nicht die notwendige Sicherheit. Ich meisterte diesen fast senkrechten Aufschwung (T6) zwar zu gut 3/4, da ich die Stelle aber auch im Abstieg bewältigen musste, mahnten die heiklen Verhältnisse zur besonderen Vorsicht und ich war mir der Sache nicht mehr ganz sicher, vor allem nach einem kurzen Blick zurück in die Tiefe. Rückwärts stieg ich im ausgesetzten Gelände wieder zur Scharte ab, die Tritte von oben ertastend, denn die waren aufgrund der Steilheit von Auge nicht auszumachen.

Wir stiegen anschliessend durch die steile Südwestflanke ab, stets mit dem Ziel, irgendwo einen Durchschlupf zum Gipfel zu finden. Die feuchten Verhältnisse liessen das Gelände steiler erscheinen, als es war, hinzu kam der tückische Umstand, dass immer wieder vermeintlich einfache Aufstiege im unteren Bereich harmlos begannen, je höher wir dann aber stiegen, desto steiler und heikler wurde es in der Folge. Weitere zweimal traten wir den Rückzug an, wobei wir uns beim insgesamt dritten Ausflug ebenfalls wieder im T6-Gelände fanden, wo der Abstieg im Zeitlupentempo zu erfolgen hatte und jeder Fuss sorgfältig im nassen Gras aufgesetzt werden musste, die Hände an Grasbüscheln, Felsrippen oder Wurzeln nach Halt suchend.

Als letzte Hoffnung blieb noch der Südgrat. Diesen erreichten wir ohne grosse Mühe; der Aufstieg über diesen teilweise bewaldeten Grat erschien von unten kinderleicht. Aber auch hier wurde das Gelände fast mit jedem Schritt steiler und die eine oder andere Stelle im nassen Untergrund erforderte auch hier besondere Vorsicht, vor allem im anschliessenden Abstieg (T4+). Schliesslich erreichten wir den Gipfel doch noch, nachdem wir kaum mehr daran geglaubt hatten. Nur rasch wieder hinunter, durchfuhr es uns, denn auch die einfachste Route wollte im Abstieg zuerst sicher gemeistert sein.

Routenbeschreibung / Routencharakter:

Aufgrund der kurzen Zustiege verzichte ich auf eine detaillierte Beschreibung. Wer hier unterwegs ist, wird sich selbst den für sich optimalen Aufstieg aussuchen können. Wir trafen heute von T1 - T6 alle Schwierigkeitsgrade an; der einfachste Aufstieg über den Südgrat ist im Bereich von T4 - T4+ anzusiedeln. Bei trockenen Verhältnissen kann auch die Südwestflanke dank guter Stufen über Schrofen und steiles Gras durchstiegen werden (T5 - T5+). Auch der Zustieg über den sehr steilen Nordwestgrat von P. 1682 m aus, kann bei trockenen Verhältnissen durchaus empfohlen werden (T6).

Wichtig zu wissen ist, dass der Zustieg, insbesondere zur Scharte bei P. 1682 m aus nun mehr und mehr infolge wuchernder Pflanzen mühsam wird.

Auf eine Angabe der Zeit habe ich aufgrund unserer verschiedenen Varianten verzichtet, ebenso auf die Schwierigkeitsbewertung.

Tourengänger: Ivo66, Lena


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (4)


Kommentar hinzufügen

bidi35 hat gesagt:
Gesendet am 29. Mai 2014 um 22:28
Nicht aufzugeben ist eine Sache
– eine andere ist zu wissen,
wann man aufgeben muss.

Toll gemeistert...
LG Heinz

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. Mai 2014 um 23:44
Danke Heinz. Wir haben heute beides erlebt und offenbar richtig gemacht:-)

LG Ivo und Lena

silberhorn Pro hat gesagt:
Gesendet am 30. Mai 2014 um 08:02
Ausdauer und Können wurde zu Recht belohnt. BRAVO!

Liebi Grüess
maria

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. Mai 2014 um 18:55
Danke. Ausdauer war allerdings mehr im Kopf gefragt, als körperlich;-).

Liebe Grüsse
Ivo und Lena


Kommentar hinzufügen»