Mittlere Arnspitze Südpfeiler – „Arbeitseinsatz“ über‘m Schlüsselblumenmeer


Publiziert von algi , 26. Mai 2014 um 13:38.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Tour Datum:25 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Mittenwald nach Leutasch bis zum Ortsteil Ahrn. Die erste Straße links abbiegen, direkt hinter der Brücke über die Leutascher Ache gibt es ein paar Parkmöglichkeiten.

Nachdem wir letzten Herbst einige plaisir-mäßig abgesicherte Touren im Gebirge durchgeführt hatten, stand heute die erste alpine Kletterfahrt für Waltraud an. Wir entschieden uns aufgrund des gemäßigten Schwierigkeitsgrades, der südseitigen Ausrichtung und den vergleichsweise „moderaten 800 Hm bis zum Einstieg“ für den Südpfeiler der mittleren Arnspitze. Da ich die Tour bereits kannte, und mir einige, von Latschen überwucherte Passagen, in Erinnerung geblieben sind, habe ich gleich noch eine Astsäge und die Gartenschere mit eingepackt.

Da wir beide seit mind. 6 Monaten nicht mehr im Gebirge waren, schlendern wir ganz gemütlich die Forststraße zum hohen Sattel hinauf. Bereits hier überrascht uns der Gebirgsfrühling mit seiner Blütenpracht, Enziane und andere, mir nicht bekannte Blumen, säumen farbenfroh den Wegesrand. Die folgende Querung hinüber zur großen Arnspitze erlaubt immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die südseitigen Abstürze der Arnplattenspitze und der mittl. Arnspitze.

Unmittelbar nachdem wir den Latschengürtel verlassen haben, geht es rechts der Geröllreiße, die von der mittl. Arnspitze herabzieht, weglos, steil und anstrengend über einen felsdurchsetzten Rücken aufwärts. Waltraud ist begeistert, der gesamte felsige Rücken ist mit tausenden von blühenden Schlüsselblumen „übersät“, so dass er in einem graugelben Farbton erscheint. Auf Höhe der ansetzenden SO-Wand queren wir linkshaltend über einen Gamssteig das Geröllfeld, und erreichen nach kurzem An- / Abstieg den Einstiegsbereich, knapp rechts unterhalb des auffälligen Kamins des Südpfeilers.

Ein schmaler Latschengürtel trennt uns noch von der Wand, mit meiner Gartenausrüstung habe ich uns in wenigen Minuten einen schmalen, freien Durchgang verschafft.

Gestufter Fels führt hinauf an den rechten Rand eines schmalen Bandes, das nach links zum Kamin hinüber führt. Heute, als es darum geht, auch Zwischensicherungen anzubringen, wird mir erst bewusst wie  kompakt der Fels der Arnspitzgruppe ist. Es findet sich kaum eine Ritze, in der ich einen Keil oder Friend unterbringen kann. Dank eines umfangreichen Sortimentes an mobilen Sicherungsmitteln, gelingt es mir wenigstens halbwegs brauchbare Standplätze einzurichten. Über eine weitere leichte Seillänge gelangen wir an den unteren Rand des Kamines.

Fünf Meter oberhalb versperrt ein wuchernder Strauch den Weiterweg, die Gartenschere „macht den Weg frei“, anschließend geht es stemmend und spreizend in teilweise luftiger Kletterei den Kamin hinauf. Nun linkshaltend zur nahezu komplett mit Latschen überwachsen Gratkante hinauf. Nach einem Großeinsatz der Gartenschere lässt sich auch diese Stelle wieder weitgehend ohne Stolper- und Absturzgefahr begehen. Nun über gestuften Fels weiter bis zu einer markanten steilen Kante, von der aus linkshaltend so eine Art Rampe zu einem luftigen Felskopf hinauf zieht. Weiter in etwas schwierigerer Kletterei bis zu dem Absatz direkt unterhalb der plattigen, von zwei schrägen Rissen durchzogenen, Schlüsselstelle. Das Einrichten eines sicheren Standplatzes erscheint mir hier mit mobilen Sicherungsmitteln nicht möglich, so dass ich kurzerhand einen Normalhaken und einen Fix-Keil „versenke“. Im abgesicherten Zustand lässt sich die nachfolgende Stelle nun wesentlich entspannter klettern, als damals bei meiner Solo-Begehung. Danach kurz gerade hinauf, und weiter leicht rechtshaltend, unter maßvollem Einsatz der Gartenschere, bis unter den plattigen Gipfelaufbau, der schließlich zum Vorgipfel führt.

Ab hier kann man sich getrost ausbinden, und den kurzen Übergang zum Hauptgipfel seilfrei begehen. Ich staune nicht schlecht, als ich im Gipfelbuch einen Eintrag von ADI, Yeti69, … sehe, die wohl vor ein paar Stunden ebenfalls hier vorbeigekommen sind.

Der Abstieg über die Schotterreiße östl. der mittl. Arnspitze ist technisch zwar kein größeres Problem, aber auch nicht gerade ein Schmankerl, da das Geröll leider nicht seinem Namen gerecht wird, und wir uns somit etwas mühsam hinabkämpfen müssen.

Fazit: kleines alpines Kletterabenteuer ( 7 Seillängen ), bei dem man bis auf 4 Zwischensicherungen und einen Standplatz alles selbst absichern muss. Ein gutes Klemmkeil- und Friend-Sortiment ( Größe 2 – 4 ) ist obligatorisch. Da die Tour nicht abgeklettert ist und noch einiges an losem Material rumliegt, ist ein Helm ebenfalls empfehlenswert.
Uns hat die Tour gut gefallen, die angegebene Zeitdauer lässt sich freilich deutlich verkürzen.


Viele Grüße
Albert

Tourengänger: algi


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Kommentare (4)


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Andy84 Pro hat gesagt:
Gesendet am 26. Mai 2014 um 14:17
Schon lustig.
Da hocken wir ein paar Stunden vorher auf diesem Gipfel und reden über deine frühere abenteuerliche Besteigung und dann verpassen wir uns nur ganz knapp ;-)
Freu mich schon auf deine Fotos. Unser Bericht folgt auch bald.
VG Andy

Nic hat gesagt:
Gesendet am 26. Mai 2014 um 15:10
Wieder einmal eine klassische Algi-Tour. Freu mich auf weitere Berichte.

VG Nico

ADI hat gesagt:
Gesendet am 26. Mai 2014 um 21:29
Hallo, Albert!

Gratulation zu Deiner schönen Klettertour, auf deren Bilder ich schon sehr gespannt bin.
Schad', daß wir uns nicht getroffen haben......
Vielleicht das nchste Mal.

VLG aus "Monaco"

ADI

algi hat gesagt: RE:
Gesendet am 27. Mai 2014 um 08:29
Hallo Gunter,

ja schade, dass wir uns so knapp verpasst haben.

Kletterbilder hab ich leider nicht anzubieten, wenn man sichern muss, ist das mit der Fotographiererei so eine Sache. Und die 'nackten' Routenverlauf-Fotos sind dann meist auch nicht so prickelnd.

Aber bei der nächsten Tour werd ich mich wieder etwas mehr bemühen.

Bis bald.

Viele Grüße aus der Fränkischen,
Albert


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