Benediktenwand (1800 m) - "grande traversata"


Publiziert von 83_Stefan , 10. Juni 2014 um 21:56.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Bayrische Voralpen
Tour Datum:24 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Entweder vom Walchensee über die Mautstraße oder von Lenggries über die St2072 nach Jachenau. Gebührenpflichtiger Großparkplatz an der Kirche (im Sommer 2 Euro pro Tag).
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Von Lenggries auf der B13 in Richtung Süden bis zum Abzweig in die Jachenau; die Isar auf der TÖL16 überqueren zur Einmündung in die St2072; rechts weiter nach Wegscheid und links zur Kapelle St. Anton. Dort ausreichend kostenfreie Parkmöglichkeiten.
Kartennummer:Bayerisches Landesamt für Vermessung und Geoinformation - Bad Tölz Lenggries und Umgebung.

Der lange Kamm der Benediktenwand, der sich über die Achselköpfe bis zum Brauneck hinzieht um dort ins Isartal bei Lenggries abzufallen, beherrscht das Tölzer Alpenvorland - die gewaltige Mauer der Benediktenwand ist selbst von München aus bei guter Sicht problemlos zu identifizieren. Der gesamte Kamm ist durch markierte Steige erschlossen und ermöglicht somit dem gemäßigten Bergwanderer eine landschaftlich äußerst beeindruckende Gipfelüberschreitung auf der Grenze zwischen dem flachen Alpenvorland und den Kalkhochalpen von Karwendel- und Wettersteingebirge. Was für eine Szenerie! Ein unvergessliches Erlebnis wird die Tour dann, wenn man im hölzernen Unterstandshüttchen am Gipfel der Benediktenwand übernachtet und am nächsten Morgen in den Sonnenaufgang hineinwandert...

Start am Parkplatz in Jachenau. Der Wanderweg führt entlang der Großen Laine ohne Höhengewinn durch den Wald; bald trifft er auf einen breiten Fahrweg, dort rechts weiter. Kurz nach (!) einer Hütte verlässt man den Fahrweg nach rechts auf einem Steig, der wieder nahe an die Große Laine heran führt. Über dem wilden Gewässer geht es kurzweilig dahin, bis der Bach überquert wird und der Steig auf der anderen Seite in einen Fahrweg mündet. Diesem stets am Bachlauf bergauf zur Lainlalm folgen.

An der Alm wird die Schotterstraße nach rechts verlassen. Der gute Steig führt am Glasbach aufwärts und bald rückt der eindrucksvolle Glasbachfall ins Blickfeld. Rechts des großen Wasserfalls leitet der Steig steil den Hang aufwärts, sodass man weiter oben schöne Tiefblicke auf den großen Wasserfall genießen kann. Hoch über dem wilden Gewässer - ein Wasserfall folgt dem anderen - wird die Petereralm erreicht.

Der Steig führt über einen Seitenbach und dann im Wald - vorbei an der Quelle des Glasbachs - hinauf zur Glaswandscharte, wobei er zwei Fahrwege überquert.

In der Scharte geht's nach rechts anfangs recht steil durch Wald den Westrücken der Benediktenwand hinauf. Bald legt sich das Gelände wieder zurück und der Steig von der Tutzinger Hütte kommt herauf. Der Wald weicht den Latschen und durch Latschengassen geht's auf dem Gipfelplateau der Benediktenwand in Richtung des höchsten Punkts. Das große Gipfelkreuz tritt ins Blickfeld und einige Minuten später ist es erreicht.

Am Gipfel gibt es einen sensationellen Rundblick: absolut nichts wagt es, die Aussicht von der Benediktenwand zu verstellen. Das ist auch gut so! Ein paar Meter unterhalb des Gipfels steht die kleine Unterstandshütte, die als Quartier für die Nacht herhält. Jetzt kann man in aller Ruhe Brotzeit machen und auf den Sonnenuntergang warten. Die Sonne taucht hinter den oberbayerischen Seen unter den Horizont, wobei sie mit ihrem kräftigen Rot nicht nur die umliegenden Berggipfel einfärbt, sondern auch die Seen in den unterschiedlichsten Rottönen glänzen lässt. Das sollte man erlebt haben. Wenn man Glück hat, folgt eine sternklare Nacht und ein atemberaubender Sonnenaufgang... gute Nacht!

Am nächsten Morgen wartet der lange Ostkamm - wer früh genug das spartanische Quartier verlassen hat, der wandert direkt in das Rot der aufgehenden Sonne hinein. Der Steig leitet durch Latschen hinauf zum wenig ausgeprägten Ostgipfel der Benediktenwand und von dort teilweise etwas felsdurchsetzt hinunter zum Sattel zwischen Benediktenwand und Achselköpfen. An steileren Stellen sind zur Absicherung Drahtseile gespannt.

Rechts weiter und bald darauf steil hinauf zum Westgipfel der Achselköpfe; in einigem Auf und Ab leitet der Steig am Kamm durch Latschen entlang und überschreitet dabei die Achselköpfe. Eine Leiter hilft über einen schrofigen Absatz hinunter in begrüntes Gelände.

Man folgt dem Kamm weiter in Richtung Latschenkopf, wobei eine Felsgasse Abwechslung in die Unternehmung bringt. Dort, wo der Steig den Kamm überschreitet, der nach Norden zum Hinteren Kirchstein abzweigt, lohnt der Abstecher auf diesen überraschend einsamen Gipfel: an einer markanten Kehre mit Wegtäfelchen wird der Steig nach links auf Spuren durch eine schmale Latschengasse verlassen, die zu einer Wiese und weiter zum Gipfelaufbau leiten. Durch Latschengassen wird bald der höchste Punkt erreicht, der sich als ungemein lohnend präsentiert - der Blick auf den gesamten Ostgrat der Benediktenwand, der spektakuläre Abbruch nach Norden und ein altes Gipfelbuch lohnen die Anstrengung!

Wieder zurück am markierten Steig geht es durch Latschen hinauf zum Latschenkopf - nomen est omen. Am nun begrünten Kamm leitet der Steig weiter zum Vorderen Kirchstein, der auf deutlicher Spur in wenigen Minuten erreicht ist. Nach dem lohnenden Abstecher geht's am Kamm weiter über das Stangeneck und südlich vorbei am Schrödelstein hinüber zum Brauneck, dem bekannten Eckpfeiler hoch über Lenggries. Das hiesige Skigebiet ist keine Augenweide und verschandelt die Landschaft enorm. Ein riesiger, neu errichteter Speichersee für die Wasserversorgung der Schneekanonen hat schlichtweg den Flair einer Betonbadewanne. Schade um dieses wunderbare Fleckchen Erde!

Nach Süden auf breiter Wanderautobahn durch freies Gelände hinunter zur Bergstation der Seilbahn und weiter zur Brauneckalm. Dort links auf schönem Steig durch Wald - vorbei an der Florianshütte der Berufsfeuerwehr München - abwärts, bis der Steig auf die Schotterstraße trifft, der man hinunter nach Obermurbach folgt. Im Ort hält man sich links und erreicht bald die Kapelle in Wegscheid.

Schwierigkeiten:
Anstieg zur Benediktenwand von Jachenau via Westrücken: T2.
Über Ostkamm, Achselköpfe und Latschenkopf zum Brauneck: T3+ (kurze versicherte Stellen beim Abstieg von der Benediktenwand sowie an den Achselköpfen, sonst einfacher).
Abstecher zum Hinteren Kirchstein: T2 (weglos, aber deutlich erkennbare Pfadspuren).
Abstieg vom Brauneck via Florianshütte: T2 (problemlos).

Fazit:
Als Zweitagestour mit Übernachtung auf dem Gipfel der Benediktenwand eine unvergessliche 4*-Unternehmung, nur das hässliche Skigebiet am Brauneck stört. Am Kamm wird es nie langweilig, beste Ausblicke und eine abwechslungsreiche Szenerie sind garantiert. Der Besuch des Hinteren Kirchsteins ist lohnend!

Mit auf Tour: Delphi.

Anmerkungen:
Diese Tour ist als Überschreitung angelegt - entweder hinterlegt man am Ankunftspunkt ein zweites Auto, oder man reist mit öffentlichen Verkehrsmitteln an (Jachenau: Bus von Lenggries; Wegscheid via Bahnhof Lenggries).
Eine Rundtour mit Übernachtung auf der Benediktenwand ist hier beschrieben:
*Benediktenwand (1800 m) - dunkle Nacht über dem weiten Land.

Tourengänger: 83_Stefan


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Kommentare (4)


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algi hat gesagt:
Gesendet am 11. Juni 2014 um 07:23
Servus Stefan,
tolle Überschreitung und fabelhaft schöne Bilder. Da könnte ich mir mal eine Scheibe abschneiden.

VG Albert

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. Juni 2014 um 07:45
Hallo Albert, vielen Dank für dein Lob! Deine Bilder finde ich aber auch immer gut und auf schwierigen Touren fällt das Fotografieren sowieso nicht so leicht wie auf der Benediktenwand. Viele Grüße vom Kochelsee!

©bergundradlpeter hat gesagt:
Gesendet am 11. Juni 2014 um 19:16
Hi Stefan,
coole Nummer, Gratulation. Bin ich auch mal vor längere Zeit mal in umgekehrter Richtung von Wegscheid nach Urfeld gegangen - dickes Brett.

Viele Grüße aus Herrsching
Peter

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. Juni 2014 um 07:49
Danke Peter! Mir gefällt die Gegend sehr gut, schließlich wohne ich ja auch um die Ecke...
Die ganz schön lange Tagestour von Wegscheid nach Urfeld wurde mal in der Mitgliederzeitschrift der Sektion München/Oberland beworben, seitdem machen das reativ viele Leute. Gruß an den Ammersee!


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