Saisonabschluss am Rotstock und Blauberg


Publiziert von Bergamotte Pro , 27. Mai 2014 um 13:27.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:25 Mai 2014
Ski Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   CH-UR   Gruppo Pizzo Centrale 
Zeitbedarf: 4:45
Aufstieg: 1260 m
Abstieg: 1260 m
Kartennummer:255S / 265S (R. 940b, Kombination 921a/920a)

Noch gestern Samstag fiel der geplante Saisonabschluss zünftig ins Wasser (*klick). Wegen Schneetreiben und Whiteout konnte ich von der geplanten Gotthard-Trilogie bloss den Monte Prosa besuchen, um anschliessend auf umständlicher Route zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Natürlich wollte ich meine Skier nicht auf diese Art und Weise in den Sommerurlaub verabschieden - also nochmals Aufstehen in aller Herrgottsfrüh. Und tatsächlich hat im zweiten Anlauf dann alles gepasst.

Die heutige Gotthard-Rundtour ähnelt stark dem letztjährigen Saisonabschluss. Ab Gotthardpass ziehe ich über das Gloggentürmli weit ostwärts zum Kulminationspunkt der Tour, dem Rotstock (Vorjahr: Pizzo Centrale). Auf dem Rückweg führt mich ein kurzer Wiederaufstieg zum Blauberg (Vorjahr: Pizzo Fortünei), um nachher direkt zum Ausgangspunkt abfahren zu können. Bei Bedarf kann der Monte Prosa auf dem Hinweg ohne grosse Zusatzschlaufe mitgenommen werden.

Auch dieses Jahr staune ich über die ungleiche Verteilung der Türler im Gebiet. Während Heerscharen Richtung Pizzo Lucendro pilgern, dominiert östlich vom Gotthardpass die Einsamkeit. Kaum zu glauben, aber kein einiziger Türler sollte mir auf meinem Weg übers Gloggentürmli folgen. Und das, obschon die Touren auf Lucendro und Centrale durchaus vergleichbar sind.


Im Gegensatz zu gestern hat die Abstrahlung über Nacht tiptop funktioniert. Das hat natürlich nicht nur Vorteile. Ab Beginn montiere ich die Harscheisen. Und sie sollten sehr lange drauf bleiben. Das ist die Kehrseite einer Tour, welche landschaftlich sehr viel zu bieten hat, aber unzählige Steiltraversen aufweist.  Ich komme zügig voran und überhole vor der Bassa della Prosa (2592m) ein Pärchen, welches den Monte Prosa anpeilt. Dieser kann ohne grosse Zusatzschlaufe mitgenommen werden. Doch ich war bereits gestern oben und skifahrerisch hat der formschöne Kamm eher wenig zu bieten.

Auf der Alpe della Prosa - einem idyllischem Fleckchen Erde, bevölkert mit zahlreichen Murmeli - beginnt mich der kalte Südwind zu plagen und ich muss bereits alle Kleiderschichten montieren. Die Traverse unmittelbar vor dem Gloggentürmli ist auch dieses Jahr mühsam, aber nicht ausgesetzt. Wer den Pizzo Centrale anvisiert, muss nun nochmals einen Kilometer ostwärts queren. Rotstock-Aspiranten haben da zumindest eine Alternative. So steige ich kurz zu P. 2728 auf, wo ich abfelle, um dann möglichst höhenneutral Richtung Rotstock Südfuss zu gleiten. Nur ganz knapp schaffe ich es aber über das oberste Felsband der Chrummegg. Anschliessend anfellen und Aufstieg in die Guspislücke (2833m), herrlich am Fuss des Pizzo Centrale gelegen. Aber hier unschwierig über den breiten Südrücken zum Rotstock Südgipfel (2951m), die letzten Meter circa 35°.

Wann immer die Sonne hinter den langsam aufziehenden Wolken verschwindet, wird es sofort empfindlich kalt. Das ausgiebige Frühstück lasse ich mir aber nicht vergällen. In der Abfahrt halte ich mich wiederum an den Südrücken, wobei auch die SW-Rampe fahrbar wäre (zuoberst ca. 40°). In beliebiger Linie durchquert man anschliessend die riesige Mulde richtig Sunnig Lücke (2585m). Diese erreicht man mit einem kurzen Wiederaufstieg von knapp 200 Hm. Vorsicht: Während alle Hänge auf dieser Tour sehr spät auffirnen, erhält dieses kurze Stück früh Sonne und sollte rechtzeitig begangen werden.

Wer mag, besteigt ab dem Pässchen noch den Blauberg (2729m). Dessen SE-Grat apert sehr schnell aus und kann dann unschwierig in leichter Kraxelei begangen werden. Bei blöden Verhältnissen können aber auch Pickel oder gar Eisen nötig werden. Es kann sich aber durchaus lohnen, die Skier gut zur Hälfte hochzutragen, denn dort zieht ein schneesicheres Couloir (bis ca. 38°) direkt gegen Süden runter. Meine Bretter blieben hingegen unten. Von der Lücke fahre ich anschliessend über schöne Westhänge Richtung Passstrasse ab. Wer wie ich in Nähe Passhöhe parkiert hat, sollte bei Barch (2232m) die Brücke über den Ri die Fortünei benutzen. Weiter unten ist das nicht mehr möglich. Anschliessend über Cassinetta direkt bis zum Auto.

Zeiten
3:00  Rotstock
1:10   Blauberg
0:30  Gotthardpass


Saisonfazit: Die Gotthardrunde bildet den passenden Abschluss einer erfolgreichen ST-Saison. Viel wurde reklamiert in diesem Winter über die mageren Schneeverhältnisse am Alpennordhang. In der Tat waren zahlreiche Voralpengipfel mit tiefem Ausgangspunkt kaum je machbar. Und das Material wurde teils arg in Mitleidenschaft gezogen. Persönlich bin ich aber äusserst zufrieden mit dem Saisonverlauf, konnte ich doch eine Reihe von anspruchsvollen Zielen begehen, die noch vor kurzem ausser Reichweite lagen. Besonders gerne erinnere ich mich an Mieserenstock, Widderfeld Stock, Ybriger Quartett, Rotondo-Trilogie, Säntis-Überschreitung, Ruch-/Laucherenstock, Wissigstock und als Saisonhöhepunkt natürlich die Tödi-Überschreitung in einem Tag.
 


Tourengänger: Bergamotte


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