Zinalrothorn 4221,2m


Publiziert von Sputnik Pro , 14. August 2008 um 18:30.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 6 August 2008
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 2600 m
Abstieg: 2600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit der Bahn von Brig nach Zermatt.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Rothornhüte SAC (90 Plätze; Winterraum immer offen); Tel. 027 967 20 43.

AUF DEN SCHÖNSTEN KLETTER-4000er DER SCHWEIZ.

Mein CH-4000er Nummer 24.

Von den Schweizer ZS-4000er erschien mir das Zinalrothorn nach dem Führerstudium (R. Gödeke; 4000er - Die Normalrouten auf alle 4000er in den Alpen) als einen der einfacheren Sorte, ist er im Büchlein auch nur mit ZS- angegeben. Nach der Tour war mir klar, dass das Zinalrothorn schwieriger war und ein ZS eher zu vertreten ist - aber egal, mit unserem Umweg hatten wir ja unsere Tour noch schwieriger gemacht.

TAG 1:

Nach einer kleinen Stärkung in Zermatt machten wir uns nach 10 Uhr auf den langen Hüttenweg mit satten 1600 Höhenmeter. Oberhalb des Dorfes zweigt der Bergweg bald in die Schlucht vom Triftbach ab, steil geht's durch Wald und steile Wiesen zum Hotel Trift (2337m) hinauf. Unterwegs trifft man einige Hinweistafeln an, die einem die heimische artenreiche Pflanzenwelt erklären. In der Schlucht konnten wir auf der anderen Bachseite auch ein Murmeltier beobachten, entweder sah es uns nicht oder es störte sich nicht ab unserer Anwesenheit. Beim Hotel Trift weitet sich die Landschaft und saftige Alpwiesen prägen die Landschaft. Doch schon bald nach Querung einer Schwemmebene ändert sich das Gelände und in unzähligen Kehren geht es steil über eine Moräne zur schön gelegenen Rothornhütte (3198m) hoch.

TAG 2:

Wieso muss am Morgen auf 4000er-Touren in der Hütte immer so Gedränge sein! Wären wir, wie wir es üblicherweise tun, doch auch diesmal 1-2 Stunden früher als die Masse aufgestanden... Also starteten wir im Gänsemarsch mit weiteren Seilschaften um 4Uhr von der Hütte. Über ein Schotterweglein gelangten wir auf den Rothorngletscher. Wir stiegen der linken Felswand entlang auf dem spaltenarmen Gletscher bis etwa 3500m auf. Hier erkennt man ein deutliches, 10m hohes Couloir durch das man die Felsstufe kletternd (II) überwinden kann. Über Schutt und kleine Felsen kommt man zu einem Schneefeld über das man nach links oben zur zweiten Felsstufe gelangt die problemlos überwunden wird (I-II). Inzwischen wurde es langsam Tag und wir standen auf der Felsrippe die vom P.3786m zur Rothornhütte herunterzieht. Auf der breiten Rippe wühlten wir uns durch Blockgelände nach oben bis zu einem Firnfeld. Über den Schnee ging es nun deutlich einfacher hinauf und wir erreichten den Südostgrat etwas oberhalb vom P.3786m. Die Sonne ging nun auf und das Zinalrothorn grüsste uns als wir auf dem schmaler werdenden Firngrat aufstiegen. Beim P.3912m endet der Firnteil und die spannende Kletterroute beginnt vor einem ersten Gratturm. Wir umgingen den ersten Gratturm in abschüssigem Gelände (I-II) auf dessen linken Seite. Wieder auf dem Grat, folgten wir diesem ein kurzes Stück bis zu einem Aufschwung. Hier verlässt man den Südostgrat und quert über Schutt und kleine Schneefelder bis unter das deutliche Couloir das durch die Südwand auf den Südwestgrat zur Gabel leitet. Unter dem Couloir seilten wir uns an und versorgten die Steigeisen. Bei Schnee könnte man im Couloir aufsteigen, bei aperen Verhältnissen wie wir sie antrafen sollte man wegen Steinschlag die linken Begrenzungsfelsen (Fels bis III-) benutzen.  Etwa in der halber Höhe verstiegen wir uns da wir zu fest nach links oben hochkletterten,  wir verloren dabei fast eine Stunde da wir heikel (Fels bis IV!) zum Couloir zurückqueren mussten. Als wir endlich unter der Gabel auf dem Südwestgrat ankamen, stank es gewaltig - scheinbar macht hier jeder zweite Bergsteiger eine Pinkelpause! Also schnell weiter... Auf dem Grat geht's über tollen Fels (II+) 30m nach oben bis unter einen senkrechten Aufschwung. Diese Stelle wird überwunden indem man über Platten (Binerplatte) nach links oben auf eine Rippe klettert. Diese gut mit Bohrhaken abgesicherte Stelle ist im Führer als Schlüsselstelle (III) beschrieben. Die Stelle war trocken und wir hatten richtig Spass dem Riss entlang über die Platten kraxeln. Ziemlich luftig und steil ging's danach über eine vereiste Rippe (III) mit drei Sicherungsstangen wieder auf den Südwestgrat. Der Gipfel ist jetzt schon recht nahe, aber wenn man alles gesichert Gehen will dauert die Kletterei noch 30 Minuten. Der Höhepunkt dabei war ein Gendarm (Kanzel) unmittelbar vor der letzten Scharte. Man umgeht ihn rechts auf einem abdrängenden Bändchen mit guten Griffen - und 700m Luft unter den Füssen! Nach etlichen Stunden standen wir dann endlich auf dem Traumberg mit der ganzen 4000er Kulisse drum herum. Nach einer verdienten Rast machten wir uns auf den Abstieg. Für den Kletterteil brauchten wir für den Abstieg fast die gleiche Zeit wie für den Aufstieg nach dem Motto:  Lieber immer schön sichern, es sollte ja nicht unser letzter 4000er sein. So dauerte der Abstieg eine Weile und wir erreichten ohne Hektik die Rothornhütte.

TAG 3:

Wieder standen wir in der Nacht auf und stolperten müde in der Dunkelheit hinunter nach Zermatt. Nach einigen Kaffee fuhren wir dann mit dem zweiten Zug an diesem Tag nach Hause. Einen 4000er ohne Bergbahn ist einfach gemütlicher wenn man sich drei Tage Zeit lässt...

Genanue Route: TAG 1: Zermatt - Bodmen - Alterhaupt - Stellistein - Trift - P.2453m - Vieliboden - P.2908m - Rothornhütte. TAG 2: Rothornhütte - Rothorn Gletscher - P.3786m - Südostgrat - P.3912m - Couloir - Gabel - Südwestgrat - Binerplatte - Südwestgrat - Kanzel - Gipfel - Abstieg bis Hütte wie Aufstieg. TAG 3: Hütte - Zermatt wie Aufstieg.

Tourenbericht von Dani: http://www.hikr.org/tour/post7927.html 
 


Tourengänger: Sputnik, ironknee

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ZS III
6 Aug 08
Zinalrothorn (4221) · ironknee

Kommentare (2)


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Razerback hat gesagt: Gratulation
Gesendet am 15. August 2008 um 07:59
Möchte euch zu diesem wirklich tollen 4000er Gratulieren. Ein kleines Stück bin ich ja auch schon gelaufen. Aber es ist noch nicht aller Tage abend.

Grüsse
Dani

Sputnik Pro hat gesagt: Zinalrothorn 4221,2m
Gesendet am 15. August 2008 um 08:48
Hej Dani!

Vielen Dank, das Zinalrothorn war wirklich ein Stück Arbeit! Aber dank der stets schönen Bergkulisse wird man immer abgelenkt :-)

Es lohnt sich, wünsche Dir viel Gllück wenn Du's versuchen willst.

Gruss Andrej


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