Kackenköpfe und Gatterkopf


Publiziert von quacamozza , 25. Mai 2014 um 11:30. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:20 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1100 m
Strecke:Außerschwende-Gasthaus Hörnlepass-Osterbergalpe-Kackenköpfe-Buchgraben-Gatterkopf-Gattertal-Außerschwende (14 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Oberstdorf ins Kleinwalsertal; kurz vor Riezlern im Ortsteil Westegg rechts abbiegen nach Schwende; an der Verzweigung rechts nach Außerschwende
Kartennummer:AV-Karte Bayerische Alpen BY 2 1:25 000 Kleinwalsertal Hoher Ifen, Widderstein

Eine Tour weit abseits des Mainstreams: Die Kackenköpfe werden zwar von Insidern in letzter Zeit häufiger mal bestiegen, bleiben aber vom Massentourismus sicher noch auf unabsehbare Zeit verschont.

Touristisch sind die kleinen Gipfel ohnehin nicht interessant. Ausgetretene Wege findet man nur in Talnähe. Meist geht es weglos durchs Gelände, in welchem eine gute Karte, ein GPS-Gerät und das sichere Auge für die einfachste Route hilfreich sind.
Der Weg von Rohrmoos zu den Gottesackerwänden ist nicht mehr markiert und schwer aufzufinden. Insgesamt also eine rustikale Tour für Individualisten, die bereit sind, die eine oder andere Schramme an Armen und Beinen wegzustecken.


Zur Schwierigkeit:

Kackenköpfe-Überschreitung bis Hörnlegraben: Stellen T 4, eine Stelle I-II im Abstieg, ansonsten T 3
Gatterkopf: eine Stelle I-II, ansonsten T 3-4
Gattertal: T 2-3


Zum Zeitbedarf:

Außerschwende-Kackenkopf Hauptgipfel: 1 Std 20 min
Hauptgipfel-Westgipfel: 25 min
Westgipfel-Hörnlegraben: 1 Std
Hörnlegraben-Gatterkopf: 1 Std 10 min
Gatterkopf-Außerschwende: 1 Std


Vom kleinen Parkplatz in Außerschwende (1076m) folgen wir dem asphaltierten Sträßchen in nördliche Richtung und erreichen nach einem knappen Kilometer die Abzweigung ins Gattertal. Nach weiteren 800 Streckenmetern sind wir am Gasthaus Hörnlepass (1165m; Montag Ruhetag). In einer großen Rechtskehre weiter, zunächst mit wenig Höhengewinn, später steiler aufwärts zur Osterbergalpe (1268m; bewirtschaftet) mit schönem Blick ins Kleinwalsertal und die Walser Berge.

Auf dem nun nicht mehr geteerten Forstweg steigen wir noch einige Minuten aufwärts, bis sich dieser verflacht, dann verabschieden wir uns aus der Zivilisation und verschwinden ins Unterholz. Tendenziell halten wir uns etwas Richtung Nordosten. Die Schwierigkeiten übersteigen nie den T 3-Bereich. Vorsicht ist bei zeitweise moosigem Geläuf geboten, wo man sich je nach Höhe der Schuhschäfte nasse Füße holen kann. Deswegen und wegen der späteren Kletterstellen rate ich zu festem Schuhwerk.

Eine T 4-Stelle unterhalb des Grates nehmen wir mit, dann befinden wir uns knapp östlich des höchsten Punktes. Dieser liegt auf 1560m Meereshöhe. Mangels näherer Angaben nennen wir ihn mal Hauptgipfel. Gegenüber zeigt sich der etwas höhere Piesenkopf über dem Rohrmooser Tal. Auf die andere Seite haben wir vorerst keine Sicht.
Die Kackenköpfe sind stark bewaldet. Nach Norden brechen die Waldhänge abrupt und in senkrechten Felsmauern ab, ähnlich wie die Gottesackerwände, wenn auch bei weitem nicht so imposant.

Nach einem kurzen Abstieg durch den dichten Wald treffen wir erstaunlicherweise auf (zugegebenermaßen nur schwache) Wegspuren, die von unten heraufkommen und uns aufwärts zum Mittelgipfel (1558m) führen. Auch dieser hat wenig ausgeprägten Gipfelcharakter. Kreuze und Bücher sucht man auf den Kackenköpfen vergebens. Und auch die Wegspuren verlieren sich schnell wieder.

Steil geht es in die nächste Lücke und wieder gut 30 Höhenmeter hoch zum Westgipfel (1525m), immer noch ohne nennenswerte Ausblicke.

Ist die Tour bisher eher als einfache Übung einzustufen, so steigert sich nun langsam die Schwierigkeit. Auf dem Grat muss eine schrofige Stufe (I-II) mit abwärtsgeschichteten Tritten hinuntergeklettert oder (einfacher im Gras, T 4, aber trotzdem steil) umgangen werden.

Der folgende Grathügel wird noch überstiegen, dann geht es links etwas unterhalb der Kuppenhöhe weiter. Achtung: nicht auf den links hinab führenden Rücken wechseln, auf dem ein Hochsitz sichtbar ist.

Auf ca. 1380m wird ein Forstweg gequert, der, scheinbar vom Nichts kommend, ins entgegengesetzte Niemandsland führt. Leider geht es auf diesem bequemen Weg nicht vorwärts. Ein Blick in die Karte zeigt, dass nun vielmehr der mühsamste Teil des Tages ansteht, nämlich die Durchschreitung des Hörnlegrabens. Nicht nur teilweise, sondern komplett bis zur Mündung auf ca. 1200m dürfen wir diesen Hochgenuss aus mannshohen Sträuchern, Gräsern und glitschigem Moos erleben. Es ist batzig, und das bleibt so. Zwischendurch queren wir den Weg, den wir wenige Minuten weiter unten bewandern.
Wir müssen oft ins Bachbett ausweichen und aufpassen, dass wir nicht ins kühle Nass ausrutschen.

Nach gefühlten Stunden nimmt uns der Fahrweg ins Rohrmooser Tal auf. Eine Rechtskehre, dann heißt es aufpassen auf die richtige Abzweigung zum Gatterpass. Eine erste Verzweigung mit alten Wegweisern (Hörnlepass) ignorieren wir und gehen weiter geradeaus.
An der Lichtung danach finden wir im zweiten Anlauf die Pfadspuren, die uns sicher Richtung Gatterpass bringen. Oben finden sich sogar alte Markierungen. Die Schneefelder unter dem Pass stören nicht. Wir können wieder etwas Zeit gutmachen und uns die verdiente Rast auf dem oberen Gatterpass (1604m) genehmigen.

Eindrucksvoll erhebt sich der Gatterkopf über uns. Durch welche von den Rinnen soll es jetzt hochgehen? Schnell sind wir an den Felswänden und queren westlich unter diesen hindurch zu einer ersten Stufe, die aber nicht nach Ier-Kletterei aussieht.
Weiter westlich finden wir eine weitere Stufe, die uns deutlich einfacher erscheint. Hier entscheiden wir uns für den Durchstieg der Wand. Es sind nur wenige Meter (I-II), ausgesetzt, aber in recht guter Felsqualität, dann sind die Schwierigkeiten bereits überwunden. Gut, einen Tick schwerer als im AVF beschrieben.
Zunächst etwas rechts haltend, dann gerade hoch über plattige Stufen kommen wir auf den Grat und kurz nach rechts zum Gipfel des Gatterkopfs (1659m) mit GK und GB.

Das Buch ist von Oktober 2010. 10 Seiten pro Jahr reichen aus, wir sind die fünften Begeher in 2014. Viel besucht wird der Berg also nicht, obwohl sich ein prachtvoller Nahblick auf die Unteren Gottesackerwände und ein interessanter Tiefblick ins Rohrmooser Tal bietet. Auch der Bodensee ist in der Ferne zu sehen.

Zurück geht es nun vom oberen zum unteren Gatterpass (1567m; hier befinden sich weitere alte Wegweiser) und dann durch das Gattertal hinab. Oben noch weglos findet sich bald eine gut ausgetretene Spur durch das urige Tal. Zügig und zum Schluss in ziemlich steilem Abstieg kommen wir wieder auf die Fahrstraße zum Hörnlepass und zum Ausgangspunkt.











Tourengänger: quacamozza, Nic


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