Unnützüberschreitung scharf gewürzt


Publiziert von maxl , 23. Mai 2014 um 17:00.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Rofangebirge und Brandenberger Alpen
Tour Datum:22 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Kurz vor dem Achensee entweder am Cordial-Hotel (direkter Abzweig) oder am darauffolgenden (riesen Parkmöglichkeit, kostenlos) halten.
Unterkunftmöglichkeiten:keine. Jausn auf der Köglalm und der Zöhreralm

Eigentlich haben meine Pläne für diesen glühend heißen Donnerstag ja ganz anders ausgesehen - aber die Scherzkekse vom ORF haben doch tatsächlich gute Fernsicht angekündigt, was ich Vollidiot auch noch geglaubt hab.... so wähle ich also die Unnütze als schöne Panoramaberge heraus. Selbiges Panorama hat dann freilich der Saharasand erfolgreich vernebelt, nichtsdestoweniger hat sich eine durchaus abwechslungsreiche Überschreitung ergeben, die von lieblichen Blumenwiesen, Schrofenkraxelei, kleinen Klettereinlagen bis hin zu Latschengewühl alles zu bieten hatte. Das lag zum einen daran, dass die Unnützüberschreitung im Frühjahr auf dem Normalweg nur bedingt möglich ist, denn der Pfad führt vom Vorderunnütz in die steile Ostflanke, wo sich der Schnee recht lange hält. Zum zweiten muss man, wenn man den höchsten Punkt des Hinterunnütz mitnehmen möchte, einiges an Masochismus mitbringen, um sich durch die zachen Latschenfelder zu wühlen......

Start ganz gemütlich also um kurz vor zwölf in Achensee am riesigen Wellness-Hotel (glaube ich zumindest) kurz vorm See. Ein Stück weiter nördlich beim Cordial-Hotel zweigt der beschilderte Weg ab, es führen aber überall kleine Pfade zum richtigen Fahrweg. Etwas oberhalb der Bundesstraße schlage ich also den breiten Fahrweg zur Köglalm ein. Noch vor der ersten Spitzkehre zweigt nach rechts ein kleiner Steig ab, den man unbedingt vorziehen sollte, er führt im lichten Nadelwald stets mit guten Tiefblicken zum See durch die Westflanke, schrammt etwas weiter oben noch den Fahrweg ein wenig an, führt dann aber direkt zuletzt durch Wiesen zur großen Köglalm, gute Stunde bis hier (T2). An der Köglalm halte man sich links, wo ein gut beschilderter Pfad einen Rücken hinauf in den Wald zieht. Vorbei geht's an der ersten Abzweigung nach Steinberg, danach leider Gottes in die Latschen hinein, jetzt wird's heiß... Denn die Luft ist ziemlich warm, und die Latschen machen jedes noch so leise Windchen zum unerreichbaren Traum, so keuche ich mich den zachen, völlig unstrukturierten, aber sanften Südrücken gen Vorderunnütz hinauf. Irgendwann lasse ich gottseisgedankt die Latschen dann doch hinter mir, jetzt stürmt's ordentlich, aber dafür ist das neue GK vom Vorderunnütz auch schon sichtbar, also nix wie rauf. Knappe anderthalb Stunden ab der Köglalm habe ich gebraucht, konstant T2. Insgesamte Aufstiegszeit also etwa 2 1/2 h.

Hier oben mache ich nur kurz Pause, denn zu sehen gibt's net viel, außerdem weht mir der Wind bald alles, was nicht niet- und nagelfest ist, weg. Der markierte Weg würde in deutlichem Bogen ostseitig um den Gipfel herumführen, um dann die steile NO-Flanke des Vorderunnütz zu queren. Hier hält sich der Schnee wiegesagt ziemlich lange, also schaue ich mir den direkten Abstieg an. Das erste Stück am Grat ist noch recht mild, danach wird's aber steiler und ungemütlich. Ein paar Mal wage ich mich in die schrofige Westflanke herunter, die zwar oben gut zu gehen ist, nach unten hin aber ziemlich steil wird. Hier gäbe es sicherlich auch Durchstiege, aber keine ganz trivialen. Ich schaue also lieber zum Grat hoch, der einige steile Felsabsätze aufweist. Langsam taste ich mich von oben an sie heran, man weiß ja net, wie's weitergeht, aber sie erweisen sich alle als gangbar. Manchmal kann man sie ostseitig entlang der steilen Abbrüche gut umgehen, meist sind sie aber gut abkletterbar. Passieren darf hier wegen der Ausgesetztheit freilich nix, T4+ und I+ aus meiner Sicht. Etwas weiter unten kommt dann noch ein leichter II-er Absatz, allerdings nicht ausgesetzt. Vor dem letzten scharfen Gratstück robbe ich mich dann durch die Schrofen zum Weg herunter, der hier gerade die letzten Schneefelder hinter sich gelassen hat. Uff, das war spannend.....

Jetzt wird's aber easy. Durch schönes, mildes Gelände geht's durch die Scharte zwischen Vorder- und Hochunnütz, danach in weitgehend gemütlicher Steigung zu diesem merkwürdig benannten Gipfel (der Vorderunnütz ist schließlich höher) hinauf. Unter diesen Bedingungen knappe Stunde ab Vorderunnütz, zuletzt nur noch oberes T2. Hier oben hat's nur eine kleine Markierung, dafür ist der Blick zurück auf den Vorderunnütz sehr schön, auch der fjordartige Achensee präsentiert sich hier recht eindrücklich.

Nach kurzer Rast und dem Ärgern einer Dohle schlendere ich weiter gen Hinterunnütz. In der sanften Nordflanke hat's noch viel Schnee, meist allerdings guten Firn, so kann ich schnell runterrutschen. Nur unten ist's wegen der Latschen etwas unübersichtlich, geht aber trotzdem ganz gut. Die Markierungen leiten durch die Scharte hindurch und zum knapp darüber gelegenen großen Kreuz. Von hier ist's freilich noch ein gutes Stück zum Hinterunnütz. Ein paar Meter werden die Markierungen gipfelwärts noch verfolgt, danach biegen sie in die steile, latschige Westflanke ab (mein Abstiegsweg). Ich hingegen strebe zunächst weiter gen Hinterunnütz, den ich natürlich auch noch mitnehmen will. Zunächst geht's ganz passabel, durch breite Latschengassen, bald stehe ich aber laut fluchend mitten im Gemüse, so ein Mist....! Es sei gleich gesagt: der Hinterunnütz ist ohne Gewühl nicht zu haben. Es hält sich aber in Grenzen, wenn man die richtige Linie erwischt. Im ersten Teil halte man sich unten in den breiten Gassen, sobald diese aber schmaler werden, sollte man sich richtung Grathöhe orientieren, Hier hat's haufenweise Gassen, in die man sich bisweilen nur über kleine Absätze hineinkämpfen muss, das letzte Stück geht dann direkt an der ostseitigen Abbruchkante wieder tadellos. Eine weitere Stunde ab Hochunnütz bin ich also am besteinmannten Hinterunnütz und blicke zufrieden auf das bisher geleistete. T3, bzw. LKK3, bei guter Routenwahl.

Kleine Stärkung also, dann nix wie zurück. Zunächst natürlich durch die Latschen gewühlt, kurz vor dem Kreuz aber dann den frischen Markierungen nach, die mitten in die steile Westflanke hineinleiten. Der Weg ist schon ziemlich geschickt angelegt, aber steil und ruppig, die drückende Hitze hilft auch nicht unbedingt (unteres T3). Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich aber aus der Latschen-/Felsflanke heraus, in schöneres Gelände hinein und bald an die kleine Zöhreralm (knappe Stunde ab Hinterunnütz). Ab hier führt ein schöner Steig einen steilen Rücken hinab zu einem Fahrweg (T2), dessen zahlreiche Serpentinen man aber auch über einen Steig abkürzen kann und sollte. Kurz vor dem Tal verfolgt man den Fahrweg noch ein paar Schritte südwärts. Dreiviertel Stunde ab Zöhreralm bin ich unten, durchgehend max. T2.

Jetzt steht mir gottseidank noch ein Hatsch an der Bundesstraße bevor, super! Den Panoramaweg zu wählen lohnt sich nicht, denn das sind wieder gute 50m Aufstieg, und ich bin ob der Hitze ziemlich platt. Also gehe ich am Straßenrand, das geht aber ganz gut. Nach etwa 20min komme ich wieder am riesigen Parkplatz in Achensee an, und bin ganz froh darüber, dass sich inzwischen ein undurchdringlicher milchiger Schleier vor die Sonne geschoben hat, so ist das Auto nicht zu aufgeheizt und ich kann entspannt nach München zurückrollen. Insgesamt hat die Tour sechseinhalb Stunden gedauert, bei normalen Verhältnissen (und bei Verzicht auf den Hinterunnütz) sicher nicht deutlich über T2, so allerdings um einiges schärfer gewürzt. Naja, immerhin bin ich auf diese Weise zu einer Tour gekommen, die zwar nicht durch ihr eindrückliches Panorama bestochen hat, aber durch die innovative Routenführung sicher noch ein bisschen in Erinnerung bleiben wird...!

Tourengänger: maxl


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Kommentare (2)


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Fabse_94 hat gesagt:
Gesendet am 23. Mai 2014 um 18:41
Na, da hast doch ne ziemlich spannende Tour hingelegt!
Die Sicht war zwar anscheinend net die beste, aber allemal besser als die Sicht aus dem PC-Raum in meiner FH, die ich diese Woche 10 Stunden pro Tag "genießen" durfte, dem Projekt sei Dank..:(

maxl hat gesagt: RE:
Gesendet am 24. Mai 2014 um 14:01
oje, das klingt net gut....aber jedes Projekt geht mal vorbei, und die nächste Alpstein-Tour ist bestimmt nicht mehr so weit weg?! Hoffe ich...


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