Wasenhorn und andere


Published by eugen Pro , 14 August 2008, 12h04.

Region: Monde » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:13 August 2008
Waypoints: Spitzhörnli 2601m. 8531 ft. (1) Wasenhorn/ Punta Terrarossa 3246m. 10647 ft. (8) Mäderhorn 2852m. 9355 ft. (3) Hohture 2409m. 7902 ft. (1) Tunnelspitz 2903m. 9522 ft. (1)
Geo-Tags: CH-VS   I 
Mountaineering grading: F
Route:Berisal - Spitzhörnli - Tunnelspitz - Wasenhorn - Mäderhorn - Hohture
Maps:1289

Unglaublicher Misserfolg am Spitzhörnli

Das Sptitzhörnli beim Bortelsee ist auf keinen Fall zu verwechseln mit dem weltbekannten Spitzhorli auf dem Simplon. Letzteres besteigt man winters gerne mit Skis. Vom Spitzhörnli habe ich erst vernommen, als ich meine Gipfelliste für diesen Sommer zusammenstellte. Solltest du es einmal besteigen wollen (tu das nicht!), dann steig am besten zum Bortelsee auf und folge dann dem Zickzackpfad bis zu seiner Südlücke. Ich bin die ganze NW-Flanke vom Berisal (Färrich) hochgestiegen, was mehr als mühsam war. Ewig lang musste ich mich durch allerlei Stauden (Alpenrosenstauden, Heidelbeerstauden, Nesseln, ...) hochkämpfen. Im Führer wird das Spitzhörnli als kühner Felsgipfel an der Verlängerung des NW-Grates des Furggubäumhorns beschrieben. Das Unterholz überwunden, komme ich dann recht gut voran. Bleibt nur noch der Schlussaufstieg. Ich freue mich auf meinen achtzigsten Gipfel innerhalb meines Alpenstadt Projektes. Ein erster Versuch scheitert. Ich habe einfach keine Lust einen nassen Dreier alleine und ungesichert hochzuklettern. Auch weiter links tropft mir Wasser auf die Nase. Es folgt ein dritter und vierter Versuch. Wie kann ein so kleiner Felsgupf um diese Jahreszeit nur so nass sein! Und der Führer sagt, dass es hier leicht hoch gehe. Darum habe ich ja auch diese Flanke gewählt. Etwas konsterniert begebe ich mich in die Lücke im Süden, wohlwissend dass es hier noch schwieriger sein wird. Das Spitzhörnli hat nur einen Vorteil: Man kann es fast 360 Grad umgehen (aber auch das nicht ganz). In der Südlücke angekommen, wird mir auch gleich klar, was ein Vierer in alpinem Gelände ist - aussichtslos! Die Hoffnung schwindet, doch sie stirbt zuletzt. Ich steige noch das Couloir gegen W ab und meine eine Aufstiegsmöglichkeit zu sehen. Der Führer schreibt dazu "ausgesetzt". Nachdem ich den Rucksack deponiert hatte und recht gut hoch kam, verlässt mich auf den letzten drei Metern jeder Mut. Wieder tropft von überall Wasser herab. In Gedanken an meine Angehörigen versunken, klettere ich das Erstiegene wieder äusserst vorsichtig ab, bis ich sicheren Boden unter meinen Füssen habe. Dieses Hörnli, dass ja nicht einmal ein Horli, geschweige denn ein richtiges Horn ist, hat mich viel Nerven und Zeit gekostet. Wie komme ich nur auf die Idee, Hörnlis zu besteigen, wo es in unserer Gegend doch so viele interessante Hörner gibt! Die ganze Übung diente wohl nur der Statistik. Und diese wird nun auch nicht bereichert. Also steige ich etwas gewurmt wieder ab. Der einzige Trost: Ich sammle doch diesen Sommer eigentlich gar nicht Hörnlis.

Nichts gefunden?

Oft überlege ich mir meinen Tourenbericht für HIKR schon auf der Tour. Als ich heute zum Spitzhörnli hochstieg, nahm ich mir denn auch vor etwa folgendes zu schreiben: Schon fast den ganzen Sommer laufe ich im Gebirge umher, schaue dabei meistens zu Boden und finde nichts. Da muss doch irgendwo ein Schatz, vielleicht ein grosser Klumpen Gold oder sonst was Wertvolles herumliegen, sonst würde man sowas doch nicht tun. Also fahre ich fort, Hänge zu begehen, die vorher bestimmt noch von keiner Menschenseele begangen wurden. Ein paar Mini- oder Mikro-Bergkristalle habe ich bereits gesehen - aber es lohnte sich nie, sich danach zu bücken. Einmal hatte ich aber einen Kamm gefunden, der nun, sauber gewaschen, durchaus seine Dienste tut. Das waren die Gedanken beim Aufstieg. Nun die unerwartete Fortsetzung der Geschichte: Beim Abstieg vom Hörnli funkelt es plötzlich vor mir im Dreck. Und diesmal lohnt es sich, sich zu bücken - liegt da tatsächlich ein gut fünf Zentimeter langer Bergkristall auf dem Boden. Hatte noch nie so etwas gefunden. Meine Lust nach mehr ist geweckt. Ich steige nochmals auf und nehme den Abhang etwas genauer unter die Lupe. Ohne weiteren Erfolg! Ist ja auch logisch, dass da jetzt nicht haufenweise Kristalle herumliegen müssen, wenn man vorher jahrelang keine gefunden hat. Soviel von der Wahrscheinlichkeitsrechnung müsste man verstanden haben. Und doch bin ich jetzt der Meinung, dass sich in diesem Hang sicher etwas ergraben liesse. Mit schwindendem Permafrost kommt eben mehr und mehr zu Tage. Und dass der Permafrost dahinschmilzt, kann ich auf fast jeder Tour eindrücklich beobachten.

Beim Aufstieg zum Wasenhorn finde ich dann noch ein Paar sehr gute Tourenstöcke, die jemand, dem der Grat zu steil wurde, dort zurückgelassen hatte. Wohl hatte der Besitzer den Abstieg über den NO-Grat, der sich oben tatsächlich recht aufbäumt, nicht mehr gewagt. Also nehme ich die Stöcke mit. An diesem Tag liess sich an diesem Horn sonst niemand mehr blicken - das Wasenhorn war ja auch den ganzen Tag in dichten Nebel gehüllt. Sollte also jemand Stöcke vermissen, soll er/sie sich bitte bei mir melden.

Höhenmesser versagt seinen Dienst

Auf Hunderten Touren konnte ich mich auf meinen Thommen Höhenmesser verlassen. Doch heute beim Aufstieg zur Tunnelspitze machte er plötzlich schlapp. Kein gutes Gefühl im Nebel! - Und prompt realisierte ich erst am NW-Grat des Wasenhorns, dass ich die Tunnelspitze schon vor einiger Zeit überschritten haben musste. Da bin ich immer etwas abergläubisch, wenn Uhren plötzlich stehen bleiben, oder wenn sich Höhenmesserzeiger ohnen Grund nicht mehr bewegen.


Hike partners: eugen

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