Wildes Valchiavenna: La Valle Lobbia


Publiziert von Seeger Pro , 15. Mai 2014 um 22:11.

Region: Welt » Italien » Lombardei
Tour Datum:13 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 650 m
Abstieg: 650 m
Strecke:Somaggia Friedhof 208m – Motta di Branco ca. 670m - Bivio Fiume 778m – gleicher Weg zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto : Parkplatz beim Friedhof südöstlich von Somaggia
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Ferienwohnung aus dem Internet in Vigazzolo sehr zu empfehlen
Kartennummer:Swissmap 1:50‘000

1935 ist in einem italienischen Alpinführer eine Route von Somaggia durch das Valle Lobbia zur Sella Sparavera beschrieben worden mit  Diruppissimo(ungeheuerlich abschüssig) – und das ist es auch! Frank von www.alpi-ticinesi.chhat auf einer alten Militärkarte ansatzweise eine Route(„difficile“) gefunden, die dazu passen könnte.
Die offizielle Aufstiegsroute nach Sparavera geht von San Cassiano aus. Jedoch ist dieser Weg durchs Valle Lobbia noch begangen und weist Schnittspuren auf.
Wir starten beim Somaggia Friedhof 208m und finden in Hangrichtung eine Strasse, welche oberhalb eines Rasenplatzes nach Rechts abbiegt. In der Mitte oberhalb des Platzes verschwindet ein unscheinbares Weglein im Wald, welches an den Fuss des Berges führt, wo der eingezeichnete Weg von rechts herkommend (Häusergruppe) eine Rechtskurve macht. Durch alten Kiefernbestand steigen wir, so wie die Karte es wiedergibt, nach der Stallruine  Es handelt sich um Motta di Branca, P.676 IGM / P.671 MCL  . Aussichtsterrasse hoch über dem Tal und noch mit einigen Resten von Weiden. Eine stillgelegte Seilbahn mit neuerem Seil (Drahtseil) ist an einem riesigen Brocken befestigt. Heu oder Weide (=Milch/Käse) ? – das ist hier die Frage.
Weiter oberhalb der Ruine und links die zerklüftete Rippe umgehend auf einen kleinen Pass mit eindrücklicher Aussicht in den zerrissenen Lobbia-Graben. Bis hierher ist es nicht sehr schwierig und die Höhe grosso modo erreicht.
Nun haben wir zwei Möglichkeiten: Nach links beginnt ein nicht mehr begangener Weg nach Mottali. Da er sehr überwachsen ist, raten wir von dessen Begehung ab. Nach rechts führt ein begangener Weg vorerst einige Höhenmeter ab, um dann zu einer steilen Felswand aufzusteigen. Enorme und zahlreiche Steinbrech, sowie Feuerlilien, schmücken die kahle Wand von oben bis unten. Exponiert schlängelt sich der Weg, unterstützt mit eingemeisselten Tritten (Tacche) und horizontale Risse ausnützend leicht steigend hindurch, dann steil hinunter ins folgende Waldstück. (T5+). Keine Sicherungsmöglichkeiten.
Nun kämpft sich der Weg mit wenig Steigung durch den Wald. Einige Passagen sind abgerutscht und erheischen Vorsicht. Kurz vor dem Einstieg in den Flussgraben muss auf vagen Spuren rechts abgestiegen werden, um den  Bivio Fiume 778m zu erreichen.
Es ist nun anzunehmen, dass der  Weg dem Fluss folgt, um weiter oben auf einer Rampe nach links hoch nördlich den Corno di Piodalancia (welch gruseliger Name:  Der Steinplatten werfende!) umkurvt. Dort trifft er auf den „offiziellen Weg“, wie eingangs erwähnt.
Zwei weitere interessante Ziele wären: Mottali über die Waldrippe und Pt. 1042 mit einem eventuellen Übergang ins Val Codera.
Unglaublich, wie so ein zerklüftetes Tal von den Älplern und Hirten erschlossen wurde.
War es Not? War es Pioniergeist? War es Besitzen wollen?
Die Antworten sind hier nicht so bekannt wie im Val Bavona.
Aber es gibt sie noch in hundertfacher Ausführung im Alpenraum und auf der ganzen Welt.
Gleicher Weg zurück: Ein drohendes Gewitter ruft uns zurück in die Gegenwart. Wir wollen die Piode noch „trockenen Steines“ zurück balancieren.
  

Tourengänger: Seeger


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Kommentare (4)


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ABoehlen Pro hat gesagt:
Gesendet am 16. Mai 2014 um 09:39
Ich freue mich sehr, endlich mal einen Bericht über dieses wilde Gebiet zu lesen; vielen Dank!

Bei den Nachführungsarbeiten an der swisstopo und bei meinem Aufenthalt in Verceia 2007 hat mich diese enorm steile 2500m-Flanke über Somaggia schon immer mächtig beeindruckt. Leider findet man bisher kaum Informationen und Wegbeschreibungen zu dieser Zone, ganz im Gegensatz zu Valle Ossola/Val Grande, obwohl die Charakteristik der Gebiete sehr ähnlich ist.

Selber habe ich mich 2007 allerdings nicht in diese Wildnis gewagt und für spontane Ausflüge ist diese Gegend von mir aus leider viel zu weit weg, weshalb ich seither nie mehr dort war.

Freue mich über weitere Berichte aus dem Valchiavenna.

LG Adrian

Seeger Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. Mai 2014 um 16:33
Hallo Adrian
Du wirst auf der Website von Frank Seeger in der nächsten Zeit viel über das Valchiavenna erfahren.
www.alpi-ticinesi.ch
Auch ich bin fasziniert von dieser Region. Erstaunlich viele wilde Wege sind tatsächlich begangen!
Gruss
Andreas

itineralp hat gesagt:
Gesendet am 16. Mai 2014 um 10:49
Molto bravi!
Ero arrivato alla placca di quota 800m, ma la pioggia mi aveva fermato.
Attendo news da questa valle dimenticata

Corrado

Seeger Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. Mai 2014 um 16:36
Ciao Corrado
In www.alpi-ticinesi.ch trovera prossimamente escursioni in questa zona.
Peccato ch'è in Tedesco.
Ma le foto non bisognono traduzione :-))
Saluti
Andreas


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