Marweesüberschreitung - Frühling im Alpstein


Publiziert von Ivo66 Pro , 10. Mai 2014 um 19:28.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:10 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-AI   Alpstein 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Wasserauen - Bogartenlücke - Marwees Ostgipfel - Marwees Westgipfel - Widderalpsattel - Kreuzböhl - Seealpsee - Wasserauen
Kartennummer:1:25'000 Säntis

Die Marwees ist ein gleichermassen massiger Berg wie auch ein langgezogener Grat hoch über dem Seealpsee im Alpstein. Seine Überschreitung ist eine sehr lohnende Gratwanderung auf einem als alpine Route gekennzeichneten Pfad. Die Tour bietet nebst gewaltigen Tiefblicken auch schöne Eindrücke mitten im Alpsteingebirge und meistens Begegnungen mit Steinböcken und Gämsen, die sich hier gerne abseits der grossen Menschenströme aufhalten. Dass sie so früh im Jahr relativ bequem begangen werden kann, ist eher ungewöhnlich.

Im frühlingshaften Wasserauen starteten wir die heutige Rundtour mit etwas gemischten Gefühlen, denn die Wetterprognosen versprachen nur teilweise Sonnenschein mit vielen tiefer und höher hängenden Wolken, was im Alpstein erfahrungsgemäss etwa bedeutet, dass ein trüber Tag zu erwarten ist. Dem war heute allerdings nicht so; erstaunlich gutes und mildes Frühlingswetter begleitete uns auf der ganzen Tour.

Unterhalb der Bogartenlücke wartete eine fast geschlossene Schneedecke, welche aber meist gut begehbar war. Gespannt waren wir auf die Verhältnisse gleich nach dem Start der alpinen Route, wo es gilt, durch eine recht steile Rinne aufzusteigen, die oft bis weit in den Juni hinein mit Schnee gefüllt sein kann. Der guttrittige Altschnee in diesem Bereich war heute aber kein Hindernis, zumal die Pickel für zusätzliche Sicherheit sorgten.

Oberhalb der Rinne begann die Sonne richtig einzuheizen, als wir von der Bogartenlücke her einen Jogger entdeckten, der tatsächlich zielsicher in Richtung Aufstiegsrinne rannte. Als wäre es nichts, trabte er durch den Schnee hoch und entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als mein Bruder Roli... Die Überraschung und Freude war gross, als er uns bald eingeholt hatte. Den Aufstieg von Wasserauen zum Marwees Ostgipfel mit über 1100 Höhenmetern schaffte er in einer guten Stunde, während wir mehr als das Doppelte davon brauchten.

Am Ostgipfel (P. 1991 m) trugen wir uns ins neue Gipfelbuch ein. Nun begann der aussichtsreichste Teil der Route, die Gratüberschreitung mit dem Besuch des höchsten Punkts auf dem Westgipfel (P. 2056 m). Der Pfad war bis auf einen kleines, ziemlich harmloses Schneefeld komplett aper. Da es auf dem höchsten Punkt ziemlich windig war, beschlossen wir, gleich Richtung Widderalpsattel abzusteigen, wo uns im unteren Bereich des Gipfelhangs ein Rudel Steingeissen mit einigen Jünglingen erwartete - insgesamt etwa 25 Tiere.

Die Steingeissen befanden sich mitten im Fellwechsel: Immer wieder streiften sie Teile des Winterpelzes an Steinblöcken oder Grasbüscheln ab. Behutsam näherten wir uns dem Rudel, welches uns mit kurzem Abstand gewähren liess. So hielten wir gemeinsam mit ihnen Mittagsrast und beobachteten dabei ihr Treiben.

Beim Widderalpsattel entschieden wir uns, direkt auf einem unmarkierten Pfad abzusteigen, ohne den wenig lohnenden Umweg über Bötzelsattel und Meglisalp in Kauf nehmen zu müssen und später auf den von der Meglisalp zum Seealpsee hinunter führenden Bergwanderweg zu stossen. Dieses Unternehmen präsentierte sich heute ziemlich heikel: Eine steile, mit ziemlich hartem Schnee gefüllte Rinne erforderte die eine oder andere Turneinlage; wir drängten uns hier zwischen dem Altschnee und Felsen hindurch und mussten dabei ordentlich zupacken.

Wiederum ein Genuss war der Abstieg auf dem teilweise exponierten Wegstück hinunter zum Seealpsee, dessen tiefes Blau im Kontrast zum grellen Frühlingsgrün, des Bergwalds stand.

Routenbeschreibung:

Wasserauen - Bogartenlücke (T2; heute T3)

Der Aufstieg von Wasserauen zur markanten Lücke mit dem Felszahn (Bogartenmannli) ist ausgeschildert und markiert. Zur Zeit liegt unterhalb der Lücke noch ein fast geschlossenes Schneefeld, welches aber meist gut begehbar ist.

Bogartenlücke - Marweesüberschreitung - Widderalpsattel (T4)

Von der Bogartenlücke steigt man kurz auf dem Wanderweg etwas ab. Bald beginnt die weiss-blau-weiss markierte Route, welche zunächst durch eine recht steile Rinne hinaufführt. Ein Pickel war heute hilfreich - wir waren aber die einzigen Berggänger mit solcher Ausrüstung heute. Wenn schneefrei, ist dieser Routenabschnitt völlig problemlos auf gutem Pfad zu begehen.

Nach einer recht ausgesetzten Querung im schrofigen Gelände (gute Markierungen) steigt die Route bald zum Ostgipfel auf. Anschliessend folgt die Gratüberschreitung, meist auf gutem Pfad, ab und zu aber auch mit Passagen über steile Schrofen (Markierungen nicht aus den Augen verlieren).

Der Pfad führt schliesslich direkt zum Widderalpsattel ohne den Hauptgipfel der Marwees zu berücksichtigen. Die Besteigung des höchsten Punkts ist aber sehr lohnend. Man entdeckt bald einen recht guten, unmarkierten Pfad, welcher den Gipfelaufbau hinaufführt. Ganz oben verläuft der Aufstieg weglos, aber ohne Schwierigkeiten in mässig steilem, stets gut gestuften Gelände. 

Vom Hauptgipfel kann man direkt über den Südosthang absteigen, wo man wieder auf den weiss-blau-weiss markierten Weg trifft, welcher zum Widderalpsattel führt.

Widderalpsattel (Direktabstieg nach Kreuzböhl) - Seealpsee (normalerweise T3, heute T5)

Zunächst weglos (zur Zeit noch Schneefelder) steigt man in westlich-nordwestlicher Richtung in die Mulde ab. Anschliessend wird das Gelände steiler, aber man erblickt bald das im oberen Teil breite Trassee dieses unmarkierten Pfads (in der Landkarte eingetragen, eine undeutliche alte Markierung haben wir noch entdeckt). Der gute Pfad führt in einigem Kehren zur flachen Alpweide östlich der Meglisalp hinunter, wo man auf den Wanderweg trifft, der zum Seealpsee hinunterführt.

Hinweis: Zur Zeit (10. Mai 2014) liegt in einer steilen Rinne noch viel Altschnee. Die Begehung in jenem Bereich ist ziemlich heikel. Man kann, wie wir, sich entlang der Begrenzungsfelsen hinunter arbeiten. Bis auf weiteres ist dieser Abstieg eher nicht zu empfehlen. Wenn schneefrei, ist aber auch dieser Routenteil ohne jede Schwierigkeiten auf gutem Weg zu begehen. 

Seealpsee - Wasserauen (T1)

Auf dem Fahrsträsschen geht es zurück zum Ausgangspunkt.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (4)


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Seeger Pro hat gesagt: Schneecouloir
Gesendet am 10. Mai 2014 um 20:07
Hallo Ivo
Am 17. Mai 2009 machte ich die gleiche Erfahrung:
>Nach der Bogartenlücke steige ich etwa 50 m ab und quere gegen das mit Schnee vollgepropfte, steile Couloir in Richtung Marwees Südflanke. Mithilfe des Eispickels und dank der etwas weich gewordenen Oberfläche ersteige ich diese etwa 45° steile Rinne und bin glücklich, dieselbe oben links verlassen zu können.<
Super Beschreibung und tolle Blumenfotos hast Du da "hingelegt". Danke fürs Mitteilen.
Gruss
Andreas

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Schneecouloir
Gesendet am 11. Mai 2014 um 08:54
Hallo Andreas

Ich bewundere alle, welche diese Rinne bei Schnee ohne Pickel oder Steigeisen bewältigen. Kann man hier einen Ausrutscher nicht spätestens nach zwei Metern aufhalten, ist man verloren...

Herzliche Grüsse
Ivo

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 10. Mai 2014 um 21:22
Hallo Ivo und Lena,

da waren wir ja gar nicht so weit voneinander entfernt. Allerdings waren wir etwas zeitiger unterwegs, halt mit seniler Bettflucht ;-)

Beste Grüße

Hanspeter und Esther


Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. Mai 2014 um 08:56
Hallo Hanspeter

Wir dachten noch, dass Ihr vermutlich auch in der Nähe seid. Von wegen seniler Bettflucht: Normalerweise sind wir ja auch gerne früh dran. Heute rechnete ich aber noch mit Regen am frühen Morgen und entsprechender Nässe.

"Der frühe Vogel fängt den Wurm": Dafür habt Ihr tolle Eindrücke am Seealpsee einfangen können.

Herzliche Grüsse

Ivo und Lena


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