Rauhhorn (2241m)


Publiziert von ju_wi , 12. August 2008 um 00:48.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:30 Juli 2008
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m
Strecke:18 km
Unterkunftmöglichkeiten:Hinterstein
Kartennummer:BayLV Allgäuer Alpen

Das Rauhhorn (2241 m) ist der dominierende Berg des Hintersteiner Ostrachtals und trägt seinen Namen wegen des langen, zackigen Felsgrat. Mittels eines kleinen Steigs ist die Überschreitung des Grates und Gipfels erschlossen - diese fordert jedoch aufgrund nicht gesicherter Kletterstellen (bis II) und Ausgesetztheit ein gutes Maß an Bergerfahrung und Schwindelfreiheit. Nach persönlicher, subjektiver Einschätzung gehört der Rauhhorn-Steig von den auf Karten verzeichneten Steigen im Gebiet zu den Schwierigsten. Zum Verständnis: Der Rauhhorn-Steig ist mit seinen vielleicht 5 m Drahtseil-Unterstützung auf 2 - 2,5 Stunden Gehlänge von Scharte zu Scharte kein Klettersteig - in dieser Rubrik gibt es natürlich klettertechnisch deutlich Anspruchsvolleres. Aber gerade diese fehlende Absicherung, gepaart mit ausgesetzten etwas abdrängenden Felsecken und steilen Geröllabstiegen auf schmalen Gehsimsen machen die Tour (subjektiv für uns !) zu einer auch psychisch vergleichsweise anspruchsvollen Tour. So hatten wir ein Jahr zuvor (Juni 07) einen Begehungsversuch vor einer vertikalen Stufe in Gipfelnähe abgebrochen. Neben der von uns gewählten und hier beschriebenen Aufstiegsroute von Hinterstein aus, lässt sich die Tour etwas kürzer auch vom Vilsalpsee beginnen, da man hier fast 300 Hm höher startet.

Nach den 4 Bergtour-Tagen zuvor hatten wir uns nun ein wenig an Ausgesetztheit und Terrain akklimatisiert und wollten bei morgens sehr warmem und sonnigem Wetter die Rauhhorn-Überschreitung erneut versuchen. Wir starten morgens gegen 8 Uhr direkt vom Parkplatz in Hinterstein (870 m). Nicht zuletzt sind bis zum Einstieg in die Schwierigkeiten nun erstmal 1300 Hm im Anstieg zurückzulegen. Für den Anstieg wählen wir diesmal nicht den Weg über Wildfräuleinstein, da dieser etwas länger ist und wir ihn außerdem schon kennen, sondern nehmen den Wiesenweg talaufwärts und biegen direkt am Parkplatz links ab Richtung Willers Alpe. Nach einem guten Stück durch Wiesen (sehr schweißtreibend in der Sonne) erreichen wir ein Waldstück und folgen dem breiten Wanderweg aufwärts bis der Weg auf ca. 1150 Metern an einer Bachbrücke mit der Führung vom Wildfräuleinstein zusammenläuft.

Nun beginnt ein schöner aber steiler Serpentinenanstieg von weiteren 300 Hm auf einer bewaldeten Rippe, der in ein Almplateau mündet. Nach weiteren 5 Minuten über die Alm erreicht man die Willers-Alpe (1459 m), eine bewirtschaftete Almhütte mit eigener Käserei, auf der man auch übernachten kann. Wir trinken hier nur etwas und folgen dem rechten Pfad Richtung Geißeck und Rauhhorn. Nach links biegt hier ein ebenfalls beliebter Weg zum Zirleseck und Richtung Ponten, Bschisser ab, der mit Abstieg über die Zipfels-Alpe ebenfalls eine schöne Tagestour von Hinterstein ergibt.

Es folgen weitere 600 Hm Anstieg, dessen erste Hälfte mäßig steil durch blumenreiche Weiden an eine Grasstufe mit kleinem Tümpel geht, während die zweite Hälfte dann recht steil, geröllig und in der Sonne durch einen steileren Hang zum Sattel zwischen Geißhorn und Rauhhorn (2089 m) führt. Hier trifft man auch auf den Jubiläumssteig, der in der unteren Ostflanke des Rauhhorns südlich zum Prinz-Luitpold Haus quert. Wir hingegen biegen scharf rechts auf den Rauhhornsteig, der schon auf dem ersten Bergauf Stück recht schmal am Hang entlang führt und über eine Erhebung auf den hier noch grasigen Grat und in die Westflanke wechselt. Dort geht es in einfachem Gehgelände auf Gras und ein paar Schrofen weiter leicht bergauf in Richtung Aufbau Felsgrat. Am Felsen angekommen beginnt es recht einfach mit einer schrägen Felskletterstelle (I). Oben angekommen gilt es recht luftig um eine Ecke an der linken Gratseite herum und einen kurzen Grat zu balancieren, bis man auf einen gut 10 m hohen vertikalen Kamin gelangt, der mit guten Tritten aber eigentlich recht gut erklettert wird - aber halt ungesichert. Nach kurzem Gehstück kommt dann am Gipfelfels die einzige Stelle, an der ein Stück Drahtseil gespannt ist und einem über eine größere Felsstufe hilft, die etwas seitlich zu klettern ist und daher eine Sicherung gut verträgt. Oben am Fels steht man dann auch direkt am Gipfelkreuz.

Bis hierher ist die Route zwar anspruchsvoll aber recht kurz - vielleicht 15 Minuten im Fels. Je nach Erfahrung wird man die gut 1 Stunde dauernde südliche Fortsetzung auf dem Rauhhorngrat dann einfacher als dieses Stück empfinden oder auch eben nicht. Für uns war sie aufgrund der Länge, der fast ständigen Ausgesetztheit und dem stark abschüssigen geröll-rutschigen Gelände eher psychisch anspruchsvoller. Es kommt hier weniger felsiges Klettergelände - obwohl es noch mind. 2 kurze IIer Kletterstellen gibt, die ich im Abstieg nicht so ganz ohne fand. Zuletzt über Gras erreicht man den Sattel zum Kugelhorn und trifft dort wieder auf den Jubiläumsweg. Mit diesem gehen wir dann in die steile Westflanke des Kugelhorns einem Grasberg. Eigentlich hatten wir damit geliebäugelt, das Kugelhorn auch zu überschreiten, was wohl unschwierig ist, aber aufgrund auch geistiger Müdigkeit lassen wir das sein. Gut so, denn gut 10 Minuten später hören wir das erste Gewittergrollen. Wir beschleunigen den Schritt ein wenig, aber der etwas abschüssige Weg in der Steilflanke (sogar gepunktet auf der Karte, was nach dem Rauhhorn völlig lächerlich erscheint) zieht sich doch ganz schön.

Schon bei der Flankenquerung des Kudgelhorns erhält man schöne Blicke auf den Schrecksee, zu dem man von der Scharte doch noch eine gute halbe Stunde braucht. Mittlerweile ist der Himmel düster und es muss jeden Moment losgehen. Wir beeilen uns ein wenig, um das grasige Plateau des Schrecksees hinter uns zu bringen. Es geht sogar nochmal ein paar Höhenmeter hinauf. Danach folgt ein sehr felsiger,

holpriger Serpentinenpfad durch eine 200 Meter hohe Felsstufe. Gerade am Fels angekommen bricht das Gewitter genau über uns los. Wir und unser Rucksack sind schon fast völlig durchnässt bis wir Regenjacke, -hose und -hülle aufgezogen haben. Dann wechselt der Regen in Hagel. Fünf, sechs kurz aufeinanderfolgende Blitze zucken völlig gleichzeitig mit ohrenbetäubendem Donner auf uns nieder. Ich schaue jedes Mal direkt auf die Felswand und erwarte eine Steinlawine herabsausen. Dann wieder eine kurze Pause, aber immer noch starker Regen. Auch das Terrain hat bei dem Unwetter nun seine Tücken und so kriechen wir vorsichtig weiter hinab. Zum Glück hält das Inferno nicht lange an und bald hört der Regen auf. Beim weiteren Abstieg den Taufersbach hinab kehren Gewitter und Regengüsse zwar noch ein, zweimal zurück, aber nicht mehr so schlimm wie das erste Mal. Im Waldstück kommt sogar die Sonne wieder hervor und es wird sofort wieder zu warm. Auch der Abstieg im Waldstück ist matschig und steinig und nach Starkregen kein echter Spaß. Aber irgendwann kommen wir wohlbehalten beim E-Werk auf der Giebelstraße (930 m) an und spazieren einen km die Straße hinab zum Konstanzer Jägerhaus. Hier kehren wir ein und fahren mit dem nächsten Bus nach Hinterstein zurück.

Die Tour hatte ein wenig Deja-vu Charakter, denn bei der oben erwähnten abgebrochenen Besteigung des Rauhhorn im Juli 06 waren wir vom Gipfel zurück in die Geißhornscharte, hatten mit Jubiläumsweg unterm Rauhhorn gequert und waren dann auch über Schrecksee abgestiegen. Damals war fast an der gleichen Stelle ein Gewitter losgebrochen und uns durchnässt. Der Schrecksee macht seinem Namen Ehre :-)


Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
 238.gpx Rauhhorn - letzte 2 Stunden fehlen wg Batterie leer

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