Pointe de Cray-Vanil Noir: Grenzfall "Kletterwandern"


Publiziert von lorenzo , 9. August 2008 um 16:03.

Region: Welt » Schweiz » Freiburg
Tour Datum:24 Oktober 2004
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-FR   CH-VD 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 2110 m
Abstieg: 2325 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Château d'Ôex
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Grandvillard
Unterkunftmöglichkeiten:Château d'Oex: www.château-doex.ch. Chalet Les Marrindes und Cabane de Bounavaux, beide www.cas-gruyere.ch
Kartennummer:LK 1225; Maurice Brandt, Guide des Préalpes Fribourgeoises, Edition du CAS, 1991

Folgenden Tourenvorschlag  hatte ich vor ein paar Jahren für eine Publikation im Bereich „Alpinwandern“ vorbereitet. Wegen dem Pointe de Paray S-Grat, den auch Maurice Brandt je nach Variante mit ZS oder BG bewertet hatte, stellte sich dann die Frage, ob es sich hier noch um Wander- oder nicht doch eher bereits um Klettergelände, d.h. einen Grenzfall handelt. Schliesslich kamen wir überein, auf die Aufnahme dieser Route zu verzichten. Ob die villeicht etwas zu pastoral bzw. pathetisch geratene Einleitung bei diesem Entscheid auch eine Rolle gespielt hatte, bleibe einmal dahin gestellt...Nun wäre natürlich interessant, zu erfahren, wie allfällige WiederholerInnen die Schwierigkeiten dieser Route beurteilen. Ich selbst gebrauche mittlerweile für Routen dieser Art die Bezeichnung „Kletterwandern“: "Wenn Du kein Wanderer bist und nicht klettern kannst, füge beides zusammen, und Du hast wirklich etwas davon", gemäss dem Ausspruch von Lou Reed: "If you can't play jazz and you can't play rock, you put the two together, and you really got something".
 

Die folgende Routenbeschreibung stützt sich auf eine vollständige Gratbegehung am 24.10.2004, eine Rekognoszierung verschiedener Varianten am Pointe de Paray S-Grat am 18.6.2005 und eine Begehung der Vanil Carré SW-Wand und des 1. Aufschwungs am Pointe de Paray S-Grat am 25.10.2006.
 

Einleitung

Sind Gratwanderungen nicht ein Sinnbild für unser Leben? Nach einem mehr oder weniger beschwerlichen Aufstieg zum ersten Gipfel folgen weitere in einem stetigen Auf und Ab und mit wechselnden Schwierigkeiten, wobei immer die Gefahr droht, rechts oder links vom Gratweg abzukommen, sogar abzustürzen, oder von Unwettern heimgesucht zu werden. Haben wir Glück, dürfen wir nach getaner „Arbeit“ aber auch immer wieder Rast halten, uns erholen, die laufend sich verändernde Umgebung bewundern und die einzigartigen Schönheiten geniessen. Und irgend einmal, schon in der Dämmerung, erfolgt der Ruf vom Tal, und wir steigen erschöpft, aber hoffentlich zufrieden, wieder dorthin hinab, wo wir hergekommen sind. Auch unsere Gratwanderung über dem Vallée de l’Intyamon folgt diesem Lauf und führt uns ... abwechselnd entlang mehr oder weniger ausgesetzter Pfadspuren oder über Schrofen und leichte Kletterstellen. Und auf jene, die... noch nicht genug haben, wartet im „wilden“ Westen bereits ein weiteres Traumziel: die Überschreitung Moléson – Rochers de Naye mit dem mörderischen Aufstieg zum Vanil des Artses als Knacknuss. 

 

Routenbeschreibung

Auf einem markierten Bergweg über Les Mérils (1370 m) nach Cray Dessus (1830 m) und auf Pfadspuren dem Südostgrat folgend auf die Pointe de Cray (2070 m). Auf einem Pfad über den Verbindungsgrat auf den Pra de Cray (2197.5 m). Weiter über den Grat an den Fuss der Südwestwand des Vanil Carré (V, „Morx!“), ca. 50 m nach Südosten absteigen und dem Fuss der Südostwand folgen. Nun entweder bis an deren Ende zum Beginn des Nordost- oder Gipfelgrats, der über eine Felstufe (I) erreicht und weiter verfolgt wird, oder nach ca. 100 m in ein Couloir Richtung Nordwesten, durch dieses über zwei Felsstufen (I-II) und Schrofen hinauf auf den Gipfelgrat und über diesen nach Südwesten auf den Gipfel (2195 m). Den ganzen Gipfelgrat zurück zur Felsstufe und über diese abklettern (I). Weiter entlang dem Grat zum Gipfelaufbau des Gros Perré, der südöstlich auf Pfadspuren bis zum zweiten nach Nordwesten führenden Couloir verfolgt wird. Durch dieses hinauf (I-II) auf den Südwestgrat und über diesen auf den Gipfel (2208 m). Weiter über den zuletzt felsigen Nordostgrat und an dessen Ende nach Südosten durch eine gut gestufte Felsrinne abklettern (I). Nun immer dem Grat entlang bis P. 2204 und weiter an den Fuss des Tsô Fauthy (ca. 2240 m, ohne Kote und Namen auf der LK): über eine 5 m-Verschneidung (II) auf ein Band, in einer Z-Schlaufe auf ein weiteres Band, auf diesem westwärts (rote Markierung) zur Kante (Stand) oder nordostwärts schräg hinauf zu dessen Gipfel. Leicht absteigend zu einer weiteren 5 m hohen Stufe, die über einen schrägen Riss in ost-westlicher Richtung erklettert wird (II, Tritte, zuoberst Kette), und weiter zum Beginn des Südgrats der Pointe de Paray. Die erste ca. 40 m hohe Felsstufe (V, „Morx!“) wird westlich umgangen: ca. 50 m absteigen, dann Wiederaufstieg zuerst nord- dann südwärts haltend über steile Schrofen zur zweiten Felsstufe, die westlich erklettert wird (5 m, III), und weiter zur dritten Felsstufe, die östlich erklettert wird (5m, II). Nun einfacher über drei weitere Stufen dem Grat folgend auf den Gipfel (2375 m, insgesamt sechs Stufen mit je einer Abseilstelle; westliche Umgehung der Stufen zwei bis vier möglich: Unter der zweiten Stufe zuerst leicht absteigend, dann leicht aufsteigend und horizontal auf Pfadspuren nordwärts queren, bis ein steiler Grashang ostwärts zum Grat unter die letzten beiden Stufen führt). Auf Pfadspuren hinunter nach Plan de l’Ecri (2235 m) und Wiederaufstieg zum Vanil de l’Ecri (2375 m). Auf einem Pfad hinunter nach Plan des Eaux (2236 m) und weiter zum Beginn des Südwestgrats des Vanil Noir. Nun entweder direkt über diesen (I-II) oder einfacher auf einem ausgesetzten Pfad (Kabel) durch die Südflanke zu einer Schulter im Ostgrat und über diesen auf den Gipfel (2388.9 m). Abstieg: auf einem markierten und beim Pas de la Borière (2316 m) mit einem Kabel gesicherten Bergweg zu P. 2182 (Col de l’Herbette, ohne Namen auf der LK), hinab zum Col de Bounavalette (1996m) und über Bounavaux (1620m) und Les Baudes (ca. 1285m) hinunter nach Grandvillard (762m).

Wer beim Col de l'Herbette noch nicht genug hat, kann die Tour noch weiter Richtung Dent de Folliéran und Dent de Brenleire fortsetzen.

Material: ev. altes Eisgerät und 20-30m Reepschnur; bei einer Begehung in umgekehrter Richtung Abseilausrüstung (50m Halb- oder Zwillingsseil, 1 Strang).


Tourengänger: lorenzo

Galerie


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