Engelberger Rotstock - Wissigstock


Publiziert von Bergamotte Pro , 21. April 2014 um 18:10.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:20 April 2014
Ski Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-OW   CH-UR   Chaiserstuelgruppe   CH-NW   Ruch- und Walenstockgruppe 
Zeitbedarf: 6:45
Aufstieg: 1750 m
Abstieg: 1750 m
Kartennummer:245S (R. 533a/c)

Ostern 2014 hatte ich tourenmässig bereits abgeschrieben. Doch die Wetterprognose für Sonntag wurde besser und besser, am Schluss resultierte gar ein veritabler Prachtstag. In Kombination mit dem Neuschnee blieben so keinerlei Wünsche offen.

Die Tour zum Wissigstock beeindruckt einerseits mit ihrem alpinen Ambiente. Man ist umgeben von Gletschern und mächtigen Prachtsgipfeln wie Uri Rotstock, Brunnistock, Ruchstock und Spannörtern. Dennoch darf man diese Szenerie ohne hochalpinen Gefahren geniessen und auch die technischen Schwierigkeiten sind gering. Andererseits lohnt auch die Abfahrt vom Wissigstock über den Griessenfirn den eher langen Anmarsch. Und wem die Distanzen und Gegenanstiege zu viel Anstrengung für einen Tag sind, der findet im Winterraum der Rugghubelhütte den passenden Stützpunkt.


Die Frühfahrt zur Bannalp hoch ist bis auf den letzten Platz besetzt. Dass alle Türler Ruch- oder Laucherenstock anpeilen, kann mir nur recht sein. So spure ich nach kurzem Fussmarsch zum Urnerstaffel (1690m) alleine zur Bannalper Schonegg (2250m) hoch. Auf der Südseite des Kessels findet man im Moment noch ausreichend Schnee. Der Neuschnee macht die folgende Steiltraverse nicht angenehmer, Harscheisen sehr empfehlenswert. Prompt geht auf der harten Altschneedecke auch ein Oberflächenrutsch ab. Belohnt wird man anschliessend durch die herrliche Szenerie am Fuss von Oberberg, Ruchstock und Hasenstöck.

Gegen Westen ausholend erreiche ich rasch das namenlose Tälchen, welches zum Rot Grätli (2559m) hochführt. Zunächst fast eben, zuletzt immer steiler (bis ca 30°) spure ich einsam hoch zum Übergang, welcher ins weitläufige Rugghubelgebiet führt. Der stark ausgeaperte Engelberger Rotstock liegt hier bereits in Griffweite, doch zunächst muss ca. 30Hm an dessen Südfuss abgerutscht werden. Nach kurzem Wiederaufstieg (knapp 35°, Vorsicht vor Nassschneerutschen) stehe ich in der Engelberger Lücke (2686m), wo sich ein herrlicher Blick auf Brunnistock, Uri Rotstock und Blüemlisalpfirn öffnet. Skidepot.

Der Gipfel erscheint von hier in wenigen Minuten erreichbar - leider eine optische Täuschung. Zu Fuss steige ich den stark ausgeaperten Südwesthang hoch, wobei ich zunächst den Schneefeldern folge. Das wird zunehmend heikel, so dass ich zum Südgrat rüberquere. Nun ungefähr dem trockenen Sommerweg folgend erreiche ich den Engelberger Rotstock (2818m) und gönne mir endlich die erste Pause. Zu lange verweile ich aber nicht, der Aufstieg hat wegen der Spurarbeit mehr Zeit gekostet als erwartet.

Zurück beim Skidepot folge ich einfach dem Gratrücken Richtung Wissigstock. Kurz vor dem Gipfelplateau gilt es eine kurze Steilstelle (gut 30°) zu überwinden: harmlos, bloss der Blick in den Schlund vom Windkessel am Griessenfirn sorgt für leichte Aufregung. Auch vom Wissigstock (2887m) geniesst man einen herrlichen Blick auf die Riesen Uri Rotstock, Blackenstock und Brunnistock. An letzterem steigen gerade zwei Türlergruppen die letzten Meter hoch. Nach längerer Rast folgt das Sahnehäubchen der Tour, die Abfahrt über den Westhang und den Griessenfirn. Eine Abfahrt über die Aufstiegsroute würde wenig Sinn ergeben: keine lohnenden Hänge und um einen (kurzen) Gegenanstieg kommt man auch hier nicht rum.

Im kurzen Westhang selber erreicht man auf ca. 60 Metern 30-35°. Das Gelände flacht anschliessend rasch ab und genussvoll kann über den breiten Griessenfirn gekurvt werden. Was für ein Traum, in dieser Saison nochmals Spuren in einen unverfahrenen Neuschneehang legen zu dürfen. Weiter unten geht der Pulver dann in schönen Sulz über. Auf ca. 2350m findet das Vergnügen schliesslich ein Ende, von hier zügiger Wiederaufstieg zum Rot Grätli (2559m).

Auf der Nordseite vom Übergang sind nochmals einige schöne Schwünge möglich, wobei man nicht zuviel Höhe verlieren darf. Für das kurze Stück zurück zur Bannalper Schonegg (2250m) felle ich ein weiteres Mal an. Dummerweise kreuze ich gerade in der Steilquerung eine 18-köpfige Tourengruppe in ihrem Zustieg zur Rugghubelhütte. Die Abfahrt zurück zum Urnerstaffel (1690m) bietet nochmals erstaunlich gute Sulzverhältnisse, aber Augen offen halten wegen Steinen. Zum Glück verpasse ich gerade das Bähnli, so kann ich den Tourentag gemütlich auf der Terrasse vom Berggasthaus ausklingen lassen.

slf gering (mässig im Tagesvelauf)


Zeiten (gespurt)
4:00  Engelberger Rotstock
0:50  Wissigstock
2:00  Bannalp
 

Tourengänger: Bergamotte

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Kommentare (3)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 2. Mai 2014 um 17:26
gratuliere, tolle Tour!

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. Mai 2014 um 17:29
Freut mich, dass sie Dir gefällt.

Wie ich sehe, bist Du gerade ältere Touren am Nachlesen ;-)

Felix Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. Mai 2014 um 17:40
ja - ich hatte eine medizinisch begründete längere Auszeit ...


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