Die Überschreitung der Chilchberge


Publiziert von ossi , 7. August 2008 um 18:34.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum: 7 August 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   Ortstockgruppe 
Zeitbedarf: 4:45
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 800 m
Strecke:Glattalp-Pfaff-Firstli-Chli Chilchberg-Gross Chilchberg-Östlicher Chilchberg-Glattalp
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bisisthal, Seilbahn
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Bisisthal: Gasthof Schönenboden, Gasthof Schwarzenbach und Gasthof Sali bei der Seilbahn (alle mit Matratzenlagern und Zimmern)
Kartennummer:1173

Die Überschreitung der äusserst selten besuchten Chilchberge über dem Glattalpsee gehört zum Feinsten, was sich ein erfahrener T6-Gänger vorstellen kann: Enorm steile Aufstiege in Grasflanken, garniert mit kleinen Felsstüfchen, dann ausgesetzte Grate, schuttige Passagen...und das alles in Konzentration erforderndem, einsamem Gelände. Die Tour bleibt T6-Könnern vorbehalten, diese aber werden ihre wahre Freude haben. Es sind nur sehr vereinzelt Trittspuren vorhanden.

Chli Chilchberg: Den Westfuss des Chli Chilchbergs erreicht man von der Glattalp aus direkt über Weidegelände oder aber aussichtsreich über den Pfaff (T2) und anschliessend das Firstli (Stellen T3). Am Westfuss angekommen, weicht man erstmal nach Süden aus und umgeht die unterste Felsbastion (hier hatte ich schon ziemliches Muffensausen ;)). Hat man die Felsbastion umgangen, öffnet sich eine felsdurchsetzte, steile Grasflanke, die ersteigbar scheint. In weit ausholenden Kehren habe ich hier die einzelnen kurzen Felsstüfchen umgangen und so langsam an Höhe gewonnen. Ist der Grat erreicht, wird auch der Gipfel bald und deutlich weniger schwierig gewonnen. Ein Pickel gehört hier zur Grundausstattung.

Im Abstieg ist die richtige Route sehr schwer zu finden und höchstens Routenkennern anzuraten.Wer für einen Notabstieg gerüstet sein will, der merke sich im Aufstieg auffällige Geländeformen. Die Route ist nur bei trockenem Wetter ratsam. Einsamer Gipfelsteinmann.

Vom Chli Chilchberg steigt man über den sehr schmalen Grat leichter, aber immer noch konzentriert in die Scharte zwischen Chli und Gross Chilchberg ab (oberes T5). Wer den Gross Chilchberg auch noch besteigen will, der schaut besser nicht hinüber in dessen grasige Südflanke;). Aus der Scharte kann zum Glattalpsee abgestiegen werden.

Gross Chilchberg: Vom Sattel zwischen Chli und Gross Chilchberg folgt man der  für einmal deutlichen Wegspur unter einer Felsmauer hindurch in die Südflanke hinaus. Die Spuren werden langsam etwas undeutlicher und ich sehe -den Blick links aufwärts gewandt- eine machbare Variante mitten durch die enorm steile Grasflanke bis auf den Grat. Die Trittspuren werden verlassen und eine erste kurze, teilweise schuttige Felsstufe wird überwunden (II und Gras). Anschliessend geht's ganz leicht links haltend über die steile Flanke aufwärts bis auf den Grat (weit und breit keine Spuren mehr). Kurz vor dem Grat wird nochmals eine ganz kurze Felsstufe überwunden. Auf dem Grat angelangt, wird diesem bis auf den höchsten Punkt gefolgt (wieder deutlich einfacher, sehr genussreich mit herrlichen Tiefblicken).
Ein Abstieg über diese Flanke ist wirklich nur dem spezialiserten Local anzuraten. Auf keinen Fall bei nassem Gelände versuchen. Auch hier gehört ein Pickel zur Ausrüstung dazu.

Der Abstieg folgt im wesentlichen dem Ostgrat, wobei gemäss Führer eine etwas heiklere Passage über ein Band in der Nordflanke umgangen werden kann. Ich habe wohl das Falsche erwischt, ich fand's nämlich ziemlich heikel (T6). Obwohl die Route über diesen Grat "nur" mit T5 bewertet wurde, ist auch hier aufmerksames Gehen unabdingbar. Der Grat weist nur sehr wenig Vegetation auf, das schuttige Gelände ist entsprechend vorsichtig zu begehen.

Östlicher Chilchberg: Von der Scharte zwischen dem Grossen und dem Östlichen Chilchberg folgt man im wesentlichen dem Grat, wobei einige einfache Felsen überwunden werden. Insgesamt etwas schuttig und zum Glück viel einfacher (T4). Vom Gipfel gibt es die Möglichkeit, die Tour Richtung Höch Turm zu verlängern oder weiter zu wandern und ein Stück nach dem Gipfel ins Tal abzusteigen. Ich gehe auf gleichem Weg zurück in die Scharte zwischen Grossem und Östlichem Chilchberg, überwinde kurze, einfache Felsstüfchen und surfe durch's Geröll auf deutlichen Spuren dem Glattalpsee entgegen (T4).

Für mich persönlich eine meiner bisher anspruchsvollsten T6-Touren.

Tour im Alleingang.

Tourengänger: ossi

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Kommentare (6)


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ma90in94 hat gesagt: Chilchberge
Gesendet am 7. August 2008 um 23:08
Tolle Bilder in großartiger Szenerie. Hatte mir die Überschreitung garnicht so dramatisch vorgestellt.
Die alten Bisitäler haben ihnen die Namen zurecht gegeben, sie sehen aus wie Kirchtürme, trotzdem
werden sie vom Heer der Bergsteiger leicht übersehen.

Gruß ma90in94

ossi hat gesagt: RE:Chilchberge
Gesendet am 8. August 2008 um 15:53
Nach den Ausführungen im Führer klingt das Ganze tatsächlich einigermassen moderat. Die Bewerterei ist aber auch immer eine subjektive Angelegenheit: Tags zuvor überschritt ich den Chratzerengrat (ZS), der in den Schlüsselstellen heikle Kletterei in brüchigem Fels bietet. Die Chilchberge waren im Vergleich dazu objektiv sicherer, dennoch fülte ich mich auf dem Chratzerengrat beschwingter....

Frohes Wandern
ossi

PStraub hat gesagt: RE:Chilchberge
Gesendet am 25. September 2008 um 20:12
Hallo ossi & danke für den Hinweis beim Ochsenchopf-Ostgrat.

Sicher ist: Wer die Chilchberge bestiegen hat, weiss, was T6 ist!

Bezüglich Bewertung meine ich, dass wir durchwegs gleich bewertet haben. Und ich hoffe, dass niemand aus dem Text im Führer schliesst, das wären simple Wanderungen. Na ja, spätestens wenn einer am Wandfuss steht, kann er ermessen, worauf er sich einlässt.

Route an Gross Chilchberg: Ich habe die Überschreitung in der umgekehrten Richtung gemacht, darum hat es für mich teilweise anders ausgesehen. Vom Gipfel des Gross Chilchbergs bin ich dem Gipfelgrat bis zu dem erwähnten Abbruch gefolgt und bin dann in die 'leicht geneigte Alpweide' eingestiegen. Da habe ich mich irgendwie 'herunterbeschissen'. An sich glaube ich, wir sind in etwa am gleichen Ort durchgekommen. Und ja, Pickel oder Steigeisen wären - wie oft im T6 - durchaus nützlich.

Geil ist jedoch der Grat zum Chli Chilchberg. Da stossen die Stöcke beidseits ins Leere. Mehr Grat gibts nicht!

ossi hat gesagt: RE:Chilchberge
Gesendet am 25. September 2008 um 20:42
In der Gegenrichtung?? Na, das ist aber ziemlich dreist;)

Tatsächlich ist die Überschreitung etwas vom Allerfeinsten, was die T6-Szene zu bieten hat. Für mich ganz sicher eine der Toptouren im Jahre 2008. Den Hammer fand ich ja die "leicht geneigte Alpweide", da hatte man die Blumen wirklich im Gesicht, musste nur noch zubeissen. Aber auch der Grat zum Chli Chilchberg ist eher geeignet für jene, die eine gute Aussicht zu schätzen wissen;)

PStraub hat gesagt: RE:Chilchberge
Gesendet am 26. September 2008 um 13:20
Na ja, für mich als Glarner ergibt sich die Richtung ganz pragmatisch: Mit dem ersten Bähnli nach Braunwald - Gumen, dann über Bützi - Erixmatt und dann über Sätz in den Sattel westlich vom Höch Turm.

Wenn Dir mal 'fad' ist: Versuch die andere Talseite!
Ab Firner Loch möglichst oben bleibend bis zum Ortstock. Mir fehlen dabei noch zwei Jegerstöck-Türme und der mittlere Schijen-Gipfel (2598 m). Letzter aus Zeitmangel, dürfte nicht allzu schwierig sein.
Auch hier hat man stellenweise mehr Aussicht als einer aufs Mal braucht!

Nachtrag:
Ich hab' grad gesehen, unter http://www.hikr.org/tour/post8268.html, Fotos 26 .. 28, sieht man diese Route fast vollständig.

Taka hat gesagt: Super!
Gesendet am 28. Juni 2009 um 22:01
Hey Ossi

Gratuliere zu dieser anspruchsvollen, wilden Tour!! Hammer Bilder! Wollten ja letzte Saison mal zusammen das Gebiet erkunden, irgendwann wirds terminlich hoffentlich mal passen zusammen (: Nach deiner Tour hätte ich zumindest einen erfahrenen Bergführer an meiner Seite (;

Gruss Taka


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